… auf der Suche nach dem Ursprung

By | 26. August 2011

bzw. den Wurzeln der deutschsprachigen Literatur bin ich auf den Namen Hartman von Aue gestoßen und somit auch auf sein Werk „Der arme Heinrich„. Des letzte Mal als ich  (auszugsweise) in mittelhochdeutschen Texten las, war zu meiner Gymnasialzeit. Nachdem dieser Eindruck jedoch schon ziemlich verschüttet gegangen war, freute ich mich um so mehr  einen entsprechenden Text in seiner Gänze lesen zu können.

"Der arme Heinrich" - Hartmann von AueMeinen Kenntnissen des mittelhochdeutschen nicht allzu sehr trauend, entschied ich mich für die Reclam-Ausgabe Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Eine kluge Entscheidung, wie sich herausstellte ;-).

Inhalt:

Die Geschichte stellt den in allen, seinem Stande entsprechenden Tugenden als mustergültig beschriebenen, Ritter Heinrich vor, der durch Gottes Willen an Aussatz erkrankt und nunmehr ein Leben abseits seines ihn meidenden gesellschaftlichen Umfeldes zurückgezogen auf einem Meierhof verbringt. Mit diesem Los sich nicht abfinden wollend, konsultiert er aber vorher noch die besten Ärzte seiner Zeit.  Diese offenbaren ihm, das nur das Herzblut einer Jungfrau im heiratsfähigen Alter ihn gesunden lassen könne, dies aber auch nur dann, wenn ein solches Opfer freiwillig und völlig selbstlos erfolge.

Auf dem Meierhof wohnt u.a. auch die Tochter des Bauernehepaares, welche sich zusehends mit Heinrich anfreundet, ungeachtet seiner Krankheit. Nach Jahren erfährt die Tochter von der Aussage der Ärzte und stellt sich dem ihr ans Herz gewachsenen Ritter als Opfer zur Verfügung.

Sowohl Eltern, Heinrich, wie auch der Arzt in Salerno, welcher das Opfer letztendlich vollziehen soll, versuchen ihr diese Idee auszureden, zumal sie sie zuerst als kindliche Schwärmerei erachten. Das Mädchen überzeugt jedoch nicht zuletzt wegen ihrer Eloquenz, erklärt durch das Wirken des Heiligen Geistes, sowie ihrer in sich schlüssigen Argumentation, einen nach dem Anderen, dass sie von ihrem Entschluss keinesfalls ablassen werde.

Als jedoch im Anschluss an die Reise nach Salerno, dem damaligen Zentrum der medizinischen Künste, die Opferung der jungen Maid unausweichlich wird, bricht Heinrich die ganze Aktion ab, da er dies nicht mit seinem Ehrenkodex vereinbaren kann. Dies jedoch nicht ohne heftiges Aufbegehren des Mädchens, das sich u.a. der Möglichkeit beraubt sieht durch die selbstlose Tat Heinrich, ihren Eltern und sich selbst Gutes zu tun. (Heinrich würde genesen, ihre Eltern hätten weiterhin einen guten Herrn und sie würde Einzug in das Himmelreich erlangen.)

Unter diesem Stern wird die Rückreise aus Salerno angetreten. Auf dem Weg findet durch Gottes Willen die Genesung Heinrichs nach der auferlegten Prüfung statt und, ähnlich der immer wieder als Analogie herangezogenen Hiob-Geschichte, erlangt der Ritter mehr Ansehen und Gut als er zuvor besaß. Die Tochter des Bauern wird abschließend seine Frau, womit die Erzählung endet.

Fazit

Primär interessierte mich die sprachliche Seite des Werkes und als solches hat mir die Lektüre sehr gut gefallen, zumal immer wieder Worte, Worfamilien und -stämme auftauchen die, wenn auch in zumeist sinnveränderter Form, noch heute gebräuchlich sind. Interessant war auch zu sehen, wie stark sich Sprache über die Zeit hinweg verändert und im Fluss befindet. Als ausgesprochen hilfreich für das Verständnis stellte sich sowohl die Druckform (mittelhochdeutscher Text links, neuhochdeutscher rechts) und die ausführlichen Kommentare, Quellennachweise, sowie Erklärungen im Anhang heraus.

„Ein ritter sô gelêret was,
daz er an den buochen las,
swaz er dar an geschriben vant:
der was Hartman genant,
dienstman was er zOuwe.“ (S.1)

Buchdaten:

  • Titel: „Der arme Heinrich“
  • Autor: Hartman von Aue
  • Taschenbuch: 136 Seiten
  • Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 315000456X
  • ISBN-13: 978-3150004562
  • Größe und/oder Gewicht: 14,7 x 9,9 x 0,5 cm

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