Aus dem Tagebuch einer Ameise

By | 16. Mai 2012

"Aus dem Leben einer Ameise" - Michael Szameit (Hrsg.)„Ich bin von Natur aus Optimist und bemühe mich nach Kräften meine gute Meinung von den Menschen zu erhalten, aber das fällt einem fürwahr nicht immer leicht.“ (S.13, „Retten wir den Kosmos“, Stanislaw Lem )

Zum Inhalt:

Auf insgesamt 292 Seiten ist es dem Herausgeber Michael Szameit in diesem Buch gelungen mehr als 20 SF-Kurzgeschichten zu vereinen, die von durchweg außergewöhnlicher Qualität sind. Bekannte Namen wie Stanislaw Lem, Herbert W. Franke, Arkadi und Boris Strugatzki, Karsten Kruschel, Dimitri Bilenkin um nur einige zu nennen, geben sich in einem literarischen Staffellauf auf höchstem Niveau den roten Faden in schneller Folge in die Hand.

Gemeinsam ist allen Geschichten das irisierende Gefühl das den Leser überkommt, wenn er den letzten Satz gelesen hat, der so gut wie nie ein wie auch immer geartetes Ende markiert, sondern stets eine Spannung in den Gedanken hinterlässt, mit der der Leser sozusagen infiziert wird; die er mit sich weiter trägt, um seine eigene Erzählung weiter zu spinnen.

Im Untertitel ist von „wissenschaftlich-phantastischen Tiergeschichten“ die Rede. Auf seinem Weg durch weit entfernte Welten, aber auch durch die Städte einer beinahe(n) Zukunft, oder aber einem Waldweg eröffnen sich dem für Neues Offenen Gedanken von,  über und durch Tiere, die sich zu einem Kaleidoskop der Welterklärungen verdichten und eigene Gedankengänge ins Rollen bringen.

Es würde mir ungemein schwer fallen definitive Wertungen abzugeben, aber 2 Geschichten hatten mich tief beeindruckt:“Der Dekaber“ von Sewer Gansowski in ihrer beinahen Endgültigkeit und als leidenschaftlicher Hundemensch die Erzählung „Die Stadt und der Wolf“ von Dimitri Bilenkin.

„Die meisten Menschen sind immer noch der Meinung, dass der Mensch für die Tiere eine Gottheit ist. Seien Sie sicher, daß kein einziges Tier uns so sieht.“ („Die Stadt und der Wolf“, Dimitri Bilenkin)

Die anfangs befremdlich wirkenden Illustrationen von Werner Ruhner erhalten mit jeder gelesenen Geschichte Leben, wobei sie mehr und mehr Begleiter auf dem Weg durch das Buch werden, dem Leser zusehends ans Herz wachsend. Bis zum Schluß integriert in den Lesefluß – und aus ihm nach einer Weile nicht mehr wegzudenken – prägen sie das Lesevergnügen in äußerst positiver Form mit.

Abgerundet wird das Buch durch Kurzinformationen zu den Autoren. Ein kleiner Tipp: Erst die Geschichten lesen und anschließend die Geburtsdaten der Autoren verinnerlichen, dann beginnt der Begriff „zeitlose“ SF erst richtig griffig zu werden.

Zum Buch : Positiv fällt der geprägte, gut verarbeitete Leineneinband und die solide Bindung des Buchblockes auf. Die Farben des Schutzumschlages, der seinen Namen zurecht trägt, sind anfangs gewöhnungsbedürftig. Die Papierqualität ist leider nur mäßig, obwohl die einzelnen Blätter angenehm dick sind. Insgesamt sind die Einzelseiten fest, neigen aber leicht zum vergilben.

Buchdaten:

  • Titel: „Aus dem Tagebuch einer Ameise“
  • Herausgeber: Michael Szameit
  • Verlag: Neues Leben, 1985
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0027D04M2
  • Größe und/oder Gewicht: 23,8 x 17,5 x 2,2 cm

Weitere thematisch passende Einträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.