Bewußtseinserweiternd

By | 23. Januar 2014

"Die Pforten der Wahrnehmung Himmel und Hölle" - Aldous Huxley„Und plötzlich hatte ich eine Ahnung davon, was es für ein Gefühl sein muß, wahnsinnig zu sein“ (S.42)

Zum Inhalt: Es sind zwei Essays, die in diesem nur 134 Seiten starken Paperback aus dem Piper Verlag abgedruckt sind. „Die Pforten der Wahrnehmung“ präsentiert die Schilderung der Eindrücke welche Huxley bei seinen Experimenten mit der halluzinogenen Droge Meskalin erlebte. Huxley entwickelt die Theorie, dass unser Gehirn darauf konditioniert ist, die schier unendliche Anzahl an Eindrücken der uns umgebenden „Ist-Welt“ nach den Vorgaben der Nützlichkeit für das Überleben zu filtern. Substanzen wie Meskalin oder Lysergsäure können, ebenso wie verschiedenste Meditationsriten, diesen „Reduktionsfilter“ auf metabolischer Ebene durchbrechen bzw. Türen darin öffnen, um eine Sicht auf den tatsächlichen Ist-Zustand der uns umgebenden Dinge zu gewähren. Die von unserem Bewußtsein, unserem Gehirn gelieferten, vorgefilterten Informationen, welche nur einen minimalen Bruchteil der zur Verfügung stehenden Information darstellen, verführen uns stets dazu anzunehmen, dass das uns umgebende Universum sich dadurch erklären ließe, resp. sich darin erschöpfen würde. So werden unter dem Einfluss entsprechender chemischer Substanzen sensorische Eindrücke um ein vielfaches intensiviert, hingegen der uns für gewöhnlich als so unabdingbar wichtige Zeitbegriff zu einer Marginalie. Huxley setzte sich während des unter strenger medizinischer Kontrolle ausgeführten Experiments den unterschiedlichsten Reizen optisch, akkustisch und sensorisch aus und beschreibt seine Sicht der Welt unter dieser Prämisse. Beleuchtet werden ebenfalls die Möglichen Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Im zweiten Teil des Textes „Himmel und Hölle“, der Titel stellt eine Anspielung auf das Werk William Blakes „The Marriage of Heaven and Hell“ dar, vertieft Huxley seine Ansichten über die Auswirkungen von Ritualen, mit oder ohne chemische Hilfsmittel, auf die Sichtweise der Gesellschaft auf sich selbst, die Individuen in ihr, den Sinn einer Existenz an sich und die geistigen und moralische Implikationen seiner Schlüsse aus den Experimenten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Zusammenschau verschiedenster Richtungen aus denen sich der Mensch diesen Erfahrungen nähern kann – Meditation, (religiöse) Rituale unterschiedlichster Art, Einnahme chemischer Substanzen – , unter besonderer Berücksichtigung der historischen Rahmenbedingungen derselben. So geht der Autor auch scheinbar so banalen Fragen nach, warum optische Reize, welche uns heute in unserer visuell übersättigten Welt als Nebensächlichkeiten erscheinen, Generationen vor uns in Verzückung versetzen konnten.

Fazit: Ein in seiner Kürze oft unterschätzter Text – wie so viele kondensierte Texte –, der den Leser immer wieder dazu anhält Türen aufzustoßen, welche in unserem Geist, unserer Wahrnehmung aus welchem Grund auch immer, i.d.R. verschlossen, wenn nicht sogar versperrt sind. Auch ohne „Drogen“ wirken die Visionen und v.a. auch die Sprachgewalt Huxley’s, welche Herbert E. Herlitschka als feinfühliger Übersetzer ausgezeichnet einfing, gelinde gesagt bewußtseinserweiternd, auf jeden Fall aber bewußtseinsverändernd.

Zum Buch: Das Piper Taschenbuch ist als solches annehmbar verarbeitet. Die Verleimung des Buchblockes ist zwar nicht sehr stabil aber ausreichend. Die Papierqualität ist mäßig und von grober Textur. Die Typografie kann als solide und dem Zweck entsprechend angesehen werden.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Pforten der Wahrnehmung / Himmel und Hölle“
  • Autor: Aldous Huxley
  • Paperback: 134 Seiten
  • Verlag: Piper
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-492-20006-0
  • ISBN-13: 978-3492-20006-6
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 1,3 cm

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