Brandgefährliches Buch

By | 28. Februar 2012

"Die Stadt der träumenden Bücher" - Walter MoersZum Inhalt:
Ein Lindwurm – noch dazu ein dichtender, beleibter Lindwurm – mit einem doch recht eigenwilligen Namen, Hildegunst von Mythennetz. Das fängt ja schon mal gut an dachte ich mir, doch Moers hat es geschafft eine Geschichte zu schreiben, die den Leser nicht mehr loslässt. Fast möchte man meinen man hätte eines der lebenden Bücher aus dem Katakomben Buchhaims in Händen und man gerät in „… ein Denken, dass nach dem Zuklappen des Buches nicht einfach aufhörte.“ (S.401)
Aber alles schön der Reihe nach: unser Held wider Willen Hildegunst von Mythennetz gerät in den Besitz eines Manuskripts, dessen literarische Qualität als überirdisch zu bezeichnen noch weit untertrieben wäre. Beseelt davon den genialen Urheber dieser Literatur zu finden machte er sich auf nach Buchhaim, jener Stadt in Zamonien, die nicht nur die Hochburg der Literatur ist, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auf Büchern aufbaut. Kein Winkel des pulsierenden Lebens in dieser Stadt der Antiquariate, Buchhändler, Verleger, Dichter und Literaten der nicht durchtränkt wäre von Literatur, von Büchern und allem was damit zu tun hat. Hildegunst gerät bei seinen sehr blauäugig betriebenen Recherchen aber sehr schnell, in die dunklen Gefilde dieser Stadt, wobei er seine kindliche Ahnungslosigkeit – immerhin ist er erst an die 70, also noch ein sehr junger Lindwurm – mit seiner Verschleppung in die Katakomben unterhalb Buchhaims bezahlen muss.
Die Katakomben, jenes Labyrinth um das sich unzählige Geschichten ranken, die alle eines gemeinsam haben: dunkle Andeutungen, Aussichten auf einen qualvollen Tod, unzählige Schrecken und … den Schattenkönig. Er soll über Schloß Schattenhall, den wohl gruseligsten Ort tief unter der Stadt herrschen.
Auf seinem Irrweg den Hildegunst durch das Labyrinth nimmt, um wieder an die Oberfläche zu kommen, lässt er so gut wie keine Gelegenheit aus sich in Gefahr zu bringen. Ob verbrecherische Buchjäger, hungrige Spinxxxxen, gruselige Harpyre, der blinde Riese unter Schloß Schattenhall oder einfach nur seine Tolpatschigkeit, alles und jeder scheint darauf aus zu sein Hildegunsts Lebensfrist zu verkürzen.
Doch er lernt auch die unbekannt schöne und liebenswerte Seite des Labyrinths in Form der kleinen Buchlinge kennen. Zyklopen deren Aufgabe es zu sein scheint zu lesen, auswendig zu lernen und Bücher zu lieben; und ihren furchtbaren Ruf zu nähren, der sie vor den Übergriffen der grausamen Buchjäger schützt.
Aufgescheucht und gejagt von den geldgierigen Buchjägern sucht er in Schloß Schattenhall Zuflucht, um festzustellen, dass ihn der Schattenkönig, das gefürchtetste Wesen in den Katakomben, schon lange im Visier hat. Doch auf eine gänzlich andere Art und Weise wie sich unser Lindwurm das auch in seinen kühnsten Träumen vorzustellen wagte…

Fazit: Seit langen eine der bewegendsten, humorvollsten und kurzweiligsten Geschichten, die durch meine Hände gingen. Ein Feuerwerk an geistreicher Literatur, voller kühner Ideen, die vielleicht nicht immer neu, aber in erfrischender Weise anders sind. Jeder – wirklich JEDER – der Bücher liebt, wird sich in dieser Geschichte irgendwo wiederfinden. „Ich habe in meinem Leben schon viele Bücher gelesen und längst wieder vergessen, aber die wichtigen Sachen daraus sind im Netz hängengeblieben, um eines Tages, vielleicht Jahre oder Jahrzehnte später, wiederentdeckt zu werden.“ (S.398)

Zum Buch: Der Buchblock ist passabel verleimt, es wurde griffiges Papier verwendet und eine sehr sauberer Druck machen sowohl das Druckbild, wie auch die zahlreich Zeichnungen lesens- / sehenswert.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Stadt der träumenden Bücher“
  • Autor: Walter Moers
  • Taschenbuch: 480 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 8 (Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492246885
  • ISBN-13: 978-3492246880
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,6 x 3,2 cm

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