Brückenschlagend – Rezension zu „Die Brücke nach Terabithia“ von Katherine Paterson

By | 19. Mai 2018

Brückenschlagend – Rezension zu "Die Brücke nach Terabithia" von Katherine Paterson„Manchmal kam es ihm vor, als wäre sein Leben so empfindlich wie eine Pusteblume. Ein laues Lüftchen genügte, um es ein für alle Mal zu zerstören.“ (S.113)

Zum Inhalt:

Jess wächst als einziger Sohn unter seinen Schwestern und Eltern in einer ländlichen Gegend auf. Die finanzielle Situation der Familie ist angespannt und obwohl Vater und Mutter ihr für sie Möglichstes geben, sind Vertrautheit, liebevolle Gesten oder gar Verständnis für die eher musische Begabung Jess‘ nicht gerade an der Tagesordnung.

Pubertierende älter Schwestern auf der einen und großteils nervige jüngere Schwestern auf der anderen machen es, neben den obligaten Querelen einer Landschule, nicht einfacher. Ein unvermuteter Lichtblick kommt in Jess‘ Lebenstrott, als im Nachbarhaus eine neue Familie einzieht – und mit ihr Leslie. Leslies freundliche, offene Eltern sind Schriftsteller und schon vor diesem Grund in einer nicht nur intellektuell gänzlich anderen Sphäre beheimatet, als das Gros aller Anderen mit denen Jess bisher Umgang hatte.

Alsbald zieht Leslie den anfangs resevierten Jess in ihrer frischen, vor Lebensfreude sprudelnden Art aus seiner schon fast an Lethargie grenzenden Resignation des alltäglichen Trotts und zeigt ihm einen Ort, dessen Regeln, Grenzen, Horizonte allein durch die Fantasie der Beiden begrenzt ist. Ungeachtet ihrer Ausflüge in dieses schillernde Land, welches sie Terabithia taufen, sind sie fest in ihrer ganz realen Welt, mit den ganz realen Problem verankert, ob dies nun die Schikanen älterer Mitschülerinnen, familiäre Unwägbarkeiten oder ganz schlicht die Wetterkapriolen sind, mit denen sie sich auseinanderzusetzen haben.

Einen schicksalshaften Einbruch der Realität muss Jess im Laufe der Geschichte verkraften, wobei sein Bild beider Welten eine neue Qualität erhält, nicht zuletzt deswegen, weil viele jener Menschen, auf die er anfangs nicht zu zählen wagte, sich als valide Gefährten herausstellen sollen, auf dem Weg, den man gemeinhin als das Leben bezeichnet…

Fazit:

Chris Powling schreibt im Nachwort: „Gute Bücher und gute Freunde können uns immer wieder überraschen, egal wie oft wir ihnen begegnen.“ (S.185). So verhält es sich – aus meiner Sicht – mit der Geschichte rund um Terabithia. Obwohl des Öfteren als (seichter) Jugendroman eingereiht, um nicht zu sagen „schubladisiert“, birgt der Text eine thematische Mannigfaltigkeit und einen nicht selten übersehenen Tiefgang, der dem aufmerksamen Leser bei jedem Mal des Wieder-Lesens neue Seiten der Geschichte aufzeigt.

Mich persönlich sprach, nach den vielen Jahren die zwischen meiner ersten Begegnung mit den Charakteren der Erzählung und der jetzigen erneuten Lektüre vergangen sind, v.a. die Behutsamkeit an, mit welcher Katherine Paterson die ins Metaphische spielende Entwicklung eines Welterklärungsbildes junger Menschen / Kinder darzustellen vermag. Ebenso der etwas wehmütige Nachhall auf eine in großen Teilen verschüttet gegangene Fantasie, sobald man(n) sich in die sogenannte reale Welt der Erwachsenenspielregeln begibt, bzw. begeben muss. Allein die unterschiedliche Sichtweise auf den Tod eines geliebten Menschen, sei es nun die der Eltern, die eines engen Freundes, die eines kleinen Mädchens oder jene einer Schulgemeinschaft, um nur die zentralen Akteure zu nennen, bewegt immer wieder, regt zum Reflektieren an, macht neben all der Trauer auch lebensbejahend Mut.

Für mich eines jener Bücher, die ich nicht missen möchte und die ich sicher noch das ein oder andere Mal erneut lesen werde.

Zum Buch:

Die optische Gestaltung des Bandes lehnt sich sehr stark an die Eindrücke an, welche die Verfilmung des Stoffes hinterlässt. Schön getroffen finde ich das Motiv des Buchdeckels, welches eine Ausgewogenheit zwischen farblicher Schwere und Leichtigkeit zu gleichen Teilen vermittelt, den Grundtenor des Textes treffend. Der Seitenbedruckstoff ist von sehr angenehmer Festigkeit und Haptik, die Buchdeckel ausgesprochen fest und stabil, und die Verleimung des Buchblockes vorbildlich.

Besondere Erwähnung verdient noch der Bildteil, der buchmittig eingebracht, einen farbigen Eindruck in den bereits erwähnten Film mit Josh Hutcherson als Jess Aarons und
Anna Sophia Robb als Leslie Burke. Nicht nur hier ist auch der Druck sauber und auf der Höhe der Technik ausgeführt, was wiederum der Wertigkeit des Buches aus handwerklicher Sicht zugute kommt.

Ein rundum gelungenes, ausgesprochen gut verarbeitetes Buch.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Brücke nach Terabithia“
  • Autor: Katherine Paterson
  • Umfang: 192 Seiten
  • Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 2007
  • Sprache: Deutsch (aus dem Amerikanischen von Vanessa Walder)
  • ISBN-13: 978-3-473-34716-2
  • Größe: 21,5 x 14,7 x 2,3 cm

P.S.: Nur selten empfehle ich Buchverfilmungen anzusehen, aber in diesem Fall kann ich dies ohne Vorbehalte tun! Wer die Gelegenheit hat den Film mit Josh Hutcherson als Jess Aarons und Anna Sophia Robb als Leslie Burke zu sehen sollte sich die Zeit dafür nehmen.

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