Daemon

By | 30. Juli 2016

"Daemon" - Daniel Suarez„Grundsätzlich betrachtete Sebeck Computer als notwendigen Bestandteil des modernen Lebens. Sein Hauptvorbehalt war, dass sie schlampigem Denken einen falschen Schein von Exaktheit gaben. Aber nun ja, Technologie war wie Religion – man glaubte oder man glaubte nicht.“ (S.276)

Zum Inhalt: Unheilbar krank zwingt die Zeit Matthew Sobol, einen Visionär und ein Computergenie, in die Knie. Seine Genialität beschränkt sich jedoch nicht nur auf den IT-Bereich, aus dem er durch die Schaffung virtueller Spielewelten Unmengen an Geld lukrieren konnte, sondern erstreckt sich auch auf die gnadenlosen Durchleuchtung der sozialen und wirtschaftlichen Untiefen eines Gesellschaftssystem, in dem Demokratie in seinen Augen zu eine leere Worthülse in Werbekampagnen finanzgesteuerter politischer Systeme geworden ist.
Diese Erkenntnis stellt den Beweggrund Sobols dar, der Welt ein Erbe zu vermachen, das exakt in der Stunde seines Ablebens das digitale Licht der Cyberwelt erblickt. Keinesfalls mit einem fulminanten Paukenschlag, sondern vielmehr im Stillen agiert vorerst jenes Programm, welches in weiterer Folge (s)einen zweideutigen Namen erhalten soll: DAEMON. Dieser Daemon beginnt immer mehr Bereiche des digitalen, weltumspannenden Netzes aus Hard- und Software bis in die letzten Bereiche menschlichen Lebens zu unterwandern. Und die Auswirkungen bleiben nicht auf diese Welt der Daten beschränkt. Wie in einem ausgeklügelten Schachspiel bringt der Daemon seine Figuren in Position, um zum rechten Zeitpunkt zu agieren: er lenkt, er leitet, er verteilt Macht nach scheinbarem Gutdünken und er tötet. Der Daemon – oder vielleicht doch Sobol? – haben eine sehr klare, wenn auch nicht unbedingt rein strikte Vorstellung, wie der Gesellschaft resp. den Menschen eine weitere Chance eingeräumt werden kann, sich zu beweisen. Doch um Neues zu erschaffen, muss erst Altes zerstört werden. Und als besonders empathisch waren Logikautomaten, und mögen sie noch so vor künstlicher Intelligenz und lernenden Algorithmen strotzen, noch nie bekannt. Nachdem dieser Band den ersten Teil des Romans beinhaltet, sind die Übergänge in den zweiten Band fließend und erst dort werden viele der Rätsel gelöst…

Fazit: Ein rasanter, facettenreicher Thriller dessen Spannungsbogen bis zur letzten Zeile des Buches unter Zug bleibt und den Leser gefangen nimmt. Schnell wird klar, dass Suarez jene IT-technischen Sachverhalte, von denen er schreibt ausgezeichnet versteht, zumal er selbst in der Systemberatung und Softwareentwicklung tätig war. Einige der IT-Insider-Sprache entnommenen Begriffe können für technisch unbedarften Leser eventuell die Lektüre etwas holprig gestalten, jedoch hält sich der Autor diesbezüglich angenehm zurück, was den Text sowohl für IT-Affine, wie solche ohne diesen Hintergrund zu einem sehr kurzweiligen Vergnügen macht. Auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung!

P.S.: In einem Kommentar zu diesem Buch habe ich folgende treffende Zeilen gelesen: „Der Daemon ist ’nur‘ eine andere, modernere Antwort auf die Tatsache, dass wir in ein System absoluter Ungerechtigkeit zum Wohle einiger Weniger und zum Nachteil der Masse hineinschliddern, als bspw. 9/11 oder andere bereits heute aus den selben Motiven erfolgende terroristische Anschläge. Die Geschichte wiederholt sich leider öfter, als uns das lieb sein kann – obwohl zu allen Zeiten Leute wie Daniel Suarez eindringlich davor gewarnt haben. Aber schlechte Nachrichten werden nun mal gern überhört bzw. überlesen bzw. übersehen bzw. nur zu gern verdrängt. DAS ist das eigentliche Drama und dann muss eben so ein drastischer Prozess wie der Daemon her, damit man die Krankheit eben nicht mehr verdrängen kann. Fortschritt und Bewusstseinswachstum geschehen leider immer noch durch Emotionen, Egozentrik, Schmerz und Leid, weniger durch Einsicht, Logik, Kompetenz und Vernunft.“ (Quelle: Antwort auf die Rezension von ‚NERO‘ zu diesem Buch bei Amazon)

Zum Buch: Als erster Teil des Debütromans von Daniel Suarez ist der Umschlag des Taschenbuches in derselben ansprechenden grafischen Machart realisiert wie Band zwei „Darknet“. Besonders auffällig ist der Prägedruck des vorderen Buchdeckels der den ohnehin positiven haptischen Gesamteindruck noch verstärkt. Die Verleimung der annähernd 640 Seiten ist hinreichend gut realisiert, drucktechnisch wurde einwandfrei gearbeitet und die sparsam eingesetzte Varianz in der Typografie macht das Lesen zu einem Vergnügen.

Buchdaten:

  • Titel: „Daemon -Die Welt ist nur ein Spiel“
  • Autor: Daniel Suarez
  • Umfang: 639 Seiten
  • Verlag: Rowohl Verlag GmbH; 5. Aufl. April 2013
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-499-25643-1
  • Größe: 19 x 12,5 x 3,6 cm

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