Das Rad des Lebens – Rezension zu „Der farblose Mann“ von Milan Johannes Meder

By | 29. September 2016

Das Rad des Lebens - Rezension zu "Der farblose Mann" von Milan Johannes Meder„Manchmal fühlte er das Gefühl der Gefühllosigkeit und wie ein grauer Schatten wurde alles um ihn herum eintönig, kalt und leer“ (S.6)

Zum Inhalt:

Es ist das letzte Drittel des Lebens, das für den 63jährigen Christoph Schneider angebrochen ist. Zeit ein Résumé zu ziehen.  Mit seiner Frau Sara fand er einen Menschen, der ihn aus seiner sozialen Isolation, seinem Wunsch dem Leben und der Selbstentfremdung zu entfliehen im ureigensten Sinne des Wortes gerettet hatte. Das Minenfeld menschlicher Beziehungen, sei es nun zum Vater, zum Partner, zu Kindern oder dem generalisierten Mitmenschen als Archetypen der Selbstspiegelung, macht es für Christoph so unendlich kräfteraubend jene Leichtgängigkeit im Rad des Lebens zu finden, um die er andere stets beneidet. Diese Suche nach dem Pfad weg vom bloßen Existieren hin zu einem sinnerfüllten Sein durchzieht Christophs Dasein. Integraler Bestandteil seiner Findung ist auch das Entdecken und Schätzen-Lernen des Zugangs zu seinem Vater, erkennend, dass Leben ein Weg ist, dessen Ziel und Aufgabe im reinen Sein bereits Ursprung, Ende und Neubeginn birgt.

Fazit:

Milan Meder versteht es die zerrissene Seelenwelt eines in sich gefangenen, emotional ambivalenten Menschen mittels eindringlicher, kontrastreicher Bildsprache in das Bewusstsein des Lesers zu heben. Dieses Uneinssein, der kontinuierliche Versuch der Sinnfindung, des Schaffens oder Erlebens von etwas Bleibendem durchzieht den Text, widergespiegelt in einem oft zersplittert wirkenden Gedankenfluss. Interessant wäre es aus dem doch sehr kurzen Text einen längeren Roman zu weben, denn das Potential dazu hätte er allemal.

Zum Buch:

Books on Demand liefert den Text in einem qualitativ gut verarbeiteten Heft mit ansprechender Umschlaggestaltung, solider Verleimung und imprägniertem Softcover. Die Typografie lässt sich als ultraminimalistisch beschreiben. Bis auf jeweils eine Leerzeile zwischen den Kapiteln finden sich auch in der grobtextuellen Einteilung keine weiteren gestalterischen Elemente, was dem Text in seiner Optik eine recht archaische Wirkung verleiht und Textpuristen freuen wird 🙂 .

Buchdaten:

  • Titel: „Der farblose Mann“
  • Autor: Milan Johannes Meder
  • Umfang: 27 Seiten
  • Verlag: BoD, 2016
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-8370-5979-3
  • Größe: 19 x 12 x 0,5 cm

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