Der Evolution Werk und des Menschen Beitrag -Buchbesprechung zu „Genion“ – Klaus Frühauf

By | 3. Juni 2017

Buchbesprechung zu "Genion" - Klaus Frühauf„»Es sind immer die Menschen, die die Verantwortung tragen. Die Wissenschaft und ihre Erkenntnisse sind Werkzeug, nichts anderes.«“ (S.177)

Zum Inhalt:

Horst Kandler und Günther Bachmann ist grundsätzlich ihre Einsatzfreude im Rahmen der Genetik als Wissenschaftszweig Erkenntnisse und Erfolge zu erarbeiten gemeinsam. Ansonsten könnten sie ihn ihrer Methodik dies zu bewerkstelligen nicht unterschiedlicher sein. Dem forschen, überheblichen, man kann sagen alles und jeden dem Ziel unterordnenden Kandler geht der Fortschritt nie schnell genug. Normen und Schutzvorschriften sind für ihn stets hinderliches, lästiges Beiwerk einer ängstlichen, vor Veränderungen zurückscheuenden bourgeoisen Altakademikerriege, die ihn stets nur behindert. So empfindet er den überlegten, teils überkorrekten „Kollegen“ Bachmann auch stets als Bremsklotz, als persönlichen Affront, als all das was er an der rückschrittlichen, ideen- und mutlosen Wissenschaftlergeneretion um sich herum hasst. So wird schnell aus dem akademischen Konkurrenzdenken auch eine handfeste Fehde zwischen den beiden, die sich bis in die persönlichsten Beziehungen des Privatlebens auswirkt und beider Leben auf Jahrzehnte prägt.
Was anfangs in Forscherkreisen als Durchbruch, als Erfolg, als Revolution gefeiert wird erweist sich in letzter Konsequenz denn doch als ein evolutionärer Vorgriff, dem die Menschheit so noch nicht gewachsen ist… und an dem auch das Ergebnis der Forschung letzten Endes zerbrechen muss.

Fazit:

Frühauf stellt in seinem Roman eine jener Fragen auf die bis heute keine letztgültige Antwort gefunden wurde: Wie weit darf der Mensch in die Evolution der eigenen Spezies eingreifen, um den Fortgang der Entwicklung nach seinem Gutdünken zu steuern? Es ist nicht nur die Frage nach Machbarkeiten, nach Werkzeugen und Erkenntnissen, sondern vielmehr eine der Verantwortung, der Moral, der Ethik. Diese Ethik wirft z.B. im Bereich der Tierversuche bereits Fragen auf, die sich bis zum Menschen als Gegenstand von Versuchen durchziehen.  So findet sich eine mögliche Auffassung im folgendem Satz: „Schmälert aber ein Forschungsergebnis den Lebensinhalt des betroffenen Wesens, so ist es inhuman und unmoralisch.“ (S.143)
In „Genion“ klingt eines jener Themen aus Frühaufs Texten wieder durch, dem er sich aus den unterschiedlichsten Richtung immer wieder zu nähern versucht: die Andersartigkeit jener Entwicklungsergebnisse, die oft verklärt angestrebt werden und derer man – gerichtet oder stochastisch – versucht habhaft zu werden, nicht beachtend, dass es nicht nur körperliche Fähigkeiten sind, welche die (menschliche) Evolution auszeichnet. (In Zeiten in denen Inklusion noch immer ein unbewältigtes Thema ist, kann „Genion“ auch aus dieser Sicht gelesen werden!). Als Beispiel sei hier „Das fremde Hirn“ genannt.
Ebenso geht der Text mit politischen und menschlichen Gepflogenheiten im wissenschaftlich akademischen Umfeld ins Gericht. Hatte man die Möglichkeit die Interna akademischer Institutionen einmal etwas intensiver zu erleben, so wird man durchaus bei manchen Passagen eine Déjà-vu erleben, das die hehre Patina akademischer Bildungseinrichtungen arg in Mitleidenschaft zieht.

Zum Buch:

Der Band 166 aus der DDR-Buchreihe „Spannend erzählt“ besticht durch seine sehr gute Verarbeitung, ebenso wie durch seine künstlerische Gestaltung. Im Bereich Illustration trägt hier Thomas Franke dazu bei, was die Typografie angeht firmiert Christel Ruppin für den aus der 11p Sabon gesetzten Text. Franke nutzt die Buchdeckel für den Versuch bildnerisch einzufangen, was man das Sujet des Romans nennen könnte. Die Schwarz/Weiß-Grafiken im Text sind großteils wesentlich abstrakterer Natur und erinnern entfernt an Bilder aus einem Rohrschach-Test, einen kühlen Reiz ausstrahlend. Einzig der etwas grobfaserige Bedruckstoff der Seiten (hier ein Beispiel), der leicht zum Vergilben neigt, schmälert den wertigen Eindruck ein wenig. Summa summarum handwerklich eine sehr schönes Buch, welches dem Text einen würdigen Rahmen gibt.

Buchdaten:

  • Titel: „Genion“
  • Autor: Klaus Frühauf
  • Umfang: 352 Seiten
  • Verlag: Verlag Neues Leben, Berlin ; Auflage: 1981
  • Sprache: Deutsch
  • Lizenz-Nr.: 303 (305/43/81)
  • Größe: 21,2 x 14,7 x 2,5 cm

P.S.: Als Besonderheit dieses speziellen Buches ist noch die Signatur des Autors zu nennen (siehe hier)

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