Der höfischen Liebe Bild – Rezension zu „Die Minnesinger in Bildern der Manessischen Handschrift“ – Nachwort von Hans Naumann

By | 18. August 2018

Der höfischen Liebe Bild – Rezension zu „Die Minnesinger in Bildern der Manessischen Handschrift“ – Nachwort von Hans Naumann„Unter den Händen des Malers hat sich die Legende schließlich zum Bild verdichtet.“ (S.40)

Zum Inhalt:

Hans Naumann, seines Zeichens Mediävist, führt den künstlerisch und historisch interessierten Leser in seinem Geleitwort am Ende des bibliophilen Bändchens aus der Insel-Bücherei anhand von 24 Bildtafeln der Manessischen Handschrift in die Sichtweise der Minne ein, so wie sie der zeitgenössische Maler festzuhalten suchte.

Zu jeder Abbildung beleuchtet er dabei den geschichtlichen Kontext, so dass er zum einen in spannendem Zeitbogen, zum anderen in fein herausgearbeiteter Darstellung des Stellenwertes von Kunst, deren Verarbeitung von Symbolik und der gesellschaftlichen Implikation der Idee der Minne Zusammenhänge präsentiert. Stets auf’s Neue hebt er dabei hervor, „Hohe Minne ist nicht dasselbe wie Liebe.“ (S.31) Ebendort betont er auch dass „Minnesang etwas ganz einmaliges, verschieden von aller Liebeslyrik aller anderen Zeiten“ sei.

Das hochkomplexe, soziale Regelwerk einer höfischen Lebensart versucht dabei – so auch der Ansatz Naumanns – der Maler mit den ihm zur Verfügung stehenden Stilmitteln festzuhalten.  Von den 137 ganzseitigen Bildern des Originals wurden 24 für diesen Band ausgewählt.

Diese Tafeln sind am Anfang des Buches auf einem Bedruckstoff festgehalten, der vom Stil her Elefantenpapier gleicht, dessen Dicke, sowie Festigkeit aber schon in Richtung leichtem Karton geht. Eine drucktechnisch ausgezeichnete Wahl zumal hier das Durchschlagen   besonders von vollfarbigen Seitenelementen vermieden wird, ohne auf satte Farben verzichten zu müssen.

Fazit:

Ein wunderschön gestaltetes und durch die profunden Inhalte des Geleitwortes noch aufgewertetes Buch, welches einem ganzheitlicheren Bild des Mittelalters eine weitere Facette in bibliophil aufbereitetem Rahmen beilegt.

Zum Buch:

Der Band Nr. 450 aus der Insel-Bücherei glänzt durch handwerklich ausgezeichnete Qualität, was sich von der schönen Fadenheftung, über das Umschlagmotif bis hin zur stilvollen Typografie durchzieht. Fritz Kredel gestaltete den Einband nach Motiven welche der Liederhandschrift entnommen sind. Für die Replik der Bilder firmiert die Kunstanstalt H.F. Jütte Leipzig. Die Texte wurden aus der Old English five gesetzt, welche dem Gesamtbild ein passendes textgestalterisches Timbre verleiht. Als Beispiel dafür sei hier das Verzeichnis der Bildtafeln aufgeführt.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Minnesinger in Bildern der Manessischen Handschrift“
  • Autor: Nachwort von Hans Naumann
  • Umfang: 48 Seiten
  • Verlag: Insel Bücherei; Inselverlag Nr. 450; Erstauflage 1933
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 12 x 0,8 cm

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