Der weite Weg zur Fremdartigkeit…

By | 8. März 2015

"Solaris" -Stanislaw Lem„Die Solaristik – schreibt Muntius – ist eine Ersatzreligion des Weltraumzeitalters, sie ist Glaube, eingehüllt in das Gewand der Wissenschaft;…“ (S.199))

Zum Inhalt: Der Solaristik-Wissenschaftler Kelvin scheint an einem Höhepunkt seiner Forscherkarriere angelangt zu sein, als er auf jene Raumstation kommt, welche schon seit Jahren um den Planeten Solaris kreist. In einer schon an die 100 Jahre zählenden Tradition der Solaristik geschult, ist es auch sein Credo, dem offenkundig intelligenten Wesen, welches den Planeten als gigantischer Plasmaozean bewohnt, einen ersten Kontakt abringen zu wollen. „Die Solaristik – schreibt Muntius – ist eine Ersatzreligion des Weltraumzeitalters, sie ist Glaube, eingehüllt in das Gewand der Wissenschaft;…“ (S.199)
Dieser Kontakt – und es ist beileibe kein Erstkontakt – gestaltet sich jedoch gänzlich anders als erwartet. Die Station, welche Kelvin mit seinen beiden Kollegen von der Erde teilt wird auch noch von anderen Wesen bewohnt – oder heimgesucht –, die der Ozean aus den Erinnerungsengrammen der drei Menschen generiert. Dabei handelt es sich stets um Reinkarnationen, die für den einzelnen mit einem moralischen, emotionalen und zutiefst persönlichen Versagen zu tun hatten. Schon bald wird Kelvin klar, dass nicht sie die Forscher, sondern vielmehr die Versuchskaninchen in einem Experiment planetaren Ausmaßes sind.
Immer mehr der unzähligen Theorien, der vermeintlichen Gewissheiten und der wissenschaftlich zementierten Tatsachen kommen in einen abdriftenden Fluss, in dem die einzige tagtägliche Herausforderung der Männer darin besteht nicht vollends den Verstand zu verlieren. „Wenn man so stundenlang liegt in der Nacht, dann kann man mit den Gedanken sehr weit geraten und in sehr seltsame Richtungen… “ (S.167). Und jeder findet dabei seinen ganz eigenen oft im wahrsten Sinne des Wortes endgültigen Weg…

Fazit: Sowohl Leser als auch Kritiker attestieren „Solaris“ den Anspruch als Lem’s SF-Meisterwerk zu recht. Vergebens sucht man auf den 237 actiongeladenes Weltraumspektakel, epische Raumschlachten und heldenhafte Weltenretter. „Solaris“ liest sich vielmehr wie eine philosophische Reise des technikgläubigen Menschen zu sich selbst. „Wir brauchen keine anderen Welten. Wir brauchen Spiegel. Mit anderen Welten wissen wir nichts anzufangen.“ (S.85) Gleichnishaft müssen sich die Protagonisten ihrer Vergangenheit stellen, um eine schemenhafte Ahnung davon zu erlangen, wie unsagbar fremd Intelligenzen sein können, von denen man doch immer erhoffte ihnen zu begegnen und mit ihnen Kontakt aufnehmen zu können.  Letzten Endes wird eben dieser unreife Entdecker in der kindlichen Naivität – oder ist es Präpotenz (?) – auf sich selbst zurückgeworfen. „Der Mensch ist anderen Welten entgegengezogen, anderen Zivilisationen, ohne die eigenen Winkel durch und durch kennengelernt zu haben, Sackgassen, Schächte, dunkle, verrammelte Türen.“ (S.182)

Zum Buch: Das DTV-Taschenbuch zeichnet sich durch einen insgesamt gute Verarbeitung aus. Die Verleimung ist stabil, die folierten Buchdeckel ansprechend gestaltet und die Typografie  dem Lesefluss zuträglich. Einzig der etwas grobfaserige Bedruckstoff der Seiten neigt leicht zum Vergilben.

Buchdaten:

  • Titel: „Solaris“
  • Autor: Stanislaw Lem
  • Übersetzerin: Irmtraud Zimmermann-Göllheim
  • Ausgabe: 237 Seiten
  • Verlag: DTV
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-423-10177-6
  • Größe: 18 x 10,8 x 1,2 cm

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