Die Erben der ‚Astronautic‘ und der ‚Meridian‘

By | 9. Juli 2016

"Das unirdische Raumschiff" - Carlos Rasch„Wer mit dem Gedanken an die Unsterblichkeit spielt, ist gewöhnlich geisteskrank.“ (S.19)1)

Zum Inhalt: Drei Jahrzehnte sind seit dem Disaster mit der ‚Astronautic‚ vergangen, deren einziger Überlebender – der legendäre Raumfahrer Nor – den umissverständlichen Beweis mit zur Erde brachte, dass die Erdenbewohner nicht alleine als intelligenzbegabte Wesen im All existierten. Wie es der Menschheit in der von Rasch gezeichneten Zukunft eigen ist, lässt ihr Forschergeist nicht nach, bis sie es endlich schaffen mit der ‚Trans-Sol 1‘ eine photonengetriebenes Raumschiff zu konstruieren, welches es den Irdischen ermöglicht den Sprung dorthin zu wagen, wo die Quelle der von der ‚Astronautic‘ aufgezeichneten außersolare Sendung liegt. Dabei ist weniger das Factum überraschen, die Galaktischen anzutreffen, als vielmehr vor der Erkenntnis zu stehen, dass man bereits hoffnungsvoll erwartet wurde. „Diese ungewöhnliche Wendung der Dinge war beinahe unbegreiflich. Wie kompliziert hatte man sich die erste Begegnung mit einer anderen Intelligenz vorgestellt. Dabei war sie im Handumdrehen und mit keinen nennenswerten Schwierigkeiten erfolgt.“ (S.41)

Fazit: Carlos Rasch spinnt den Faden, den er mit den Erzählungen ‚Der Untergang der Astronautic‘, sowie ‚Die Umkehr der Meridian‘ bereits entwickelt hatte in dieser Erzählung weiter, wobei der Schwerpunkt auf der Tuchfühlung – sowohl des Lesers, wie auch der Trans-Sol-Besatzung – mit einer andersartigen, unirdischen Gesellschaft hochentwickelter Wesen liegt. Erfrischend eutopisch, ganz der Einstellung des Autors entsprechend, schildert er dabei die enthusastische Überwindung von kommunikativen, technischen sowie ethischen Untiefen, wenn denn nur beide Seiten gewillt sind, einen wertschätzenden Kontakt herzustellen. Spannung ist nicht gerade die hervorstechendste Eigenschaft des Textes, wobei es Rasch auch nicht primär um reißerische Stilmittel geht, sondern vielmehr um die Promotion einer zutiefst humanistisch sozialistischen Einstellung, deren sich seine Charaktere befleißigen (Besonders enthusiastisch tritt Rasch für diese seine Einstellung in dem Beitrag „Ist Utopolis nur für Träumer“ in ‚Lichtjahr 3 – Ein Phantastik-Almanach‘ auf.). SF-historisch gesehen eine vielversprechende Lektüre und ein Gegenpol zu effektheischenden Space Operas.

Buchdaten:

  • Titel: „Das unirdische Raumschiff“
  • Autor: Carlos Rasch
  • Ausgabe: EBook Edition Digital 2015 2)
  • Verlag: Edition digital ®
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: 978-3-95655-496-4 (E-Book)
  • Dateigröße: 810kb

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die PDF-Ausgabe des Rezensionsexemplares

(2) Die Druckausgabe erschien erstmals 1963 im Verlag Neues Leben, Berlin (Das Neue Abenteuer, Heft 258)

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