Durch die Augen des Anderen geblickt -Rezension zu „Die Endlichkeit des Augenblicks“ von Jessica Koch

By | 5. Juni 2017

Buchbesprechung zu "Die Endlichkeit des Augenblicks" - Jessica Koch„Jeder Augenblick ist wie im Brennglas
gebündelte Zeit“ (Pos. 4718)1)

Zum Inhalt:

Eine klassische Dreiecksbeziehung ist es, die sich zwischen Samantha, Joshua und Sebastian entwickelt. Doch klassisch nur oberflächlich betrachtet, handelt es sich doch um drei Seelen, die jede auf ihre individuelle Art nach Nähe, Geborgenheit und Verlässlichkeit suchen und von denen jede mit Handicaps, seien sie nun körperlicher und / oder psychischer Natur, zu kämpfen hat(te). Ihre Entscheidungen, ihre Gestaltung der Augenblicke sind es, die sie zueinander führt und die Wellen im ihrem mittel- und unmittelbaren Beziehungsgewebe weit über sie drei hinaus schlagen. Liegen die Epizentren dieser Wellen auch weit in der Vergangenheit, so gestalten sie die Gegenwart – den Augenblick – und eine gar nicht so ferne Zukunft, die sich alle drei so nicht erwartet hatten…

Fazit:

Wer seichte Oberflächenunterhaltung sucht, liegt – wie eigentlich stets bei Jessica Koch – hier falsch. Die Geschichte rund um die – wenn auch teils grenzwertig emotionalen, so doch stets in sich stimmigen Charaktere – entwirft ein Szenario, von dem man als Leser vereinnahmt oder abgeschreckt sein kann. Keinesfalls aber lässt es unberührt. Bereits in ihrer Danny-Trilogie ist es der Autorin gelungen in menschliche Historien blicken zu lassen, die das Handeln im Jetzt, in eben diesem Augenblick, wenn auch nicht immer nicht zur Gänze erklärbar, so doch nachempfindbar machen. Die Bandbreite der Hochs und Tiefs verlangt dem Leser einiges an Resilienz ab, vor allem, wenn er in seinem eigenen Umfeld ähnliches miterlebt hatte. Einiges im Text mag durchaus überzeichnet erscheinen und evtl. sogar störend konstruiert wirken. Betrachtet man jedoch das sogenannte „richtige“ Leben, wird es ein Leichtes sein vieles dieser Geschichte in der ein oder anderen Ausprägung im eigenen Umfeld wiederzufinden. Sei es nun die Auseinandersetzung mit physischem „Leid“ wie dies u.a. bei Sebastian der Fall ist, mit emotionaler Deprivation bei Bea und Joshua oder auch mit den einfach nur ganz alltäglichen Problemen, die sich für ein körperlich eingeschränktes Wesen ergeben – und wie wenig „Normale“ einem solchen Leben a priori Erfüllung zugestehen können.
Es ist die authentische Art Jessica Kochs, ihr direkter, den Kern treffender Erzähl- und Schreibstil, der dem Text Leben verleiht, dem Leser alternative Blickwinkel aufzeigt, ihn teilweise forsch anstößt, seine eingefahrene Denklethargie abzulegen und den Augenblicken des Lebens – denn aus nichts anderem besteht unsere Zeit – jenen Tiefgang zu geben, der ihnen gebührt.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Endlichkeit des Augenblicks“
  • Autor: Jessica Koch
  • Ausgabe: Kindle Edition (275 Seiten Print)
  • Verlag: FeuerWerke Verlag (2. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B071LQDXCL
  • Dateigröße: 1519 kB

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.