Echo der Vergangenheit – Rezension zu „Der Geist des Nasreddin“ – Alexander Kröger

By | 28. Oktober 2017

Echo der Vergangenheit - Rezension zu „Der Geist des Nasreddin“ – Alexander Kröger„Prinzipien übertünchen Schwächen und Nöte, sind ein anderes Wort für Hader mit der Umwelt.“ (S.122)

Zum Inhalt:

Eben noch sah Nasreddin seinen Kopf auf dem Block des Scharfrichters. Der Grund: seine Liebe zu einer Frau, die gesellschaftlich weit über seinem Stand als Chodscha, als Lehrer rangierte und – was noch wesentlich mehr wog – von einem Herrschenden für sich beansprucht wurde.

Und plötzlich sieht er sich auf einem Markt wieder, umgeben von Wundern, die Tag für Tag mehr werden und scheinbar kein Ende nehmen wollen. Er schwankt zwischen der Überzeugung Allah hätte ihn ins Leben nach dem Tod berufen oder gar der Scheitan spiele ihm perfide mit. Nasreddin wäre jedoch nicht jener legendär gewiefte Schelm, als der er in die Geschichte einging, besäße er nicht den Geist, die Phantasie und v.a. den Willen sich diese neue Welt zu erschließen, in ihr einen Platz zu finden. Stets nach der Methode, „Sehen, hören,begreifen.“ (S.134)

Das Wie seiner „Zeitreise“ über 500 Jahre hinweg in die Jetztzeit vermag ihm nur jene Wissenschaftlerin näherzubringen, die das gewagte Experiment in Eigenregie inszenierte, welches (s)einen brillianten Geist für die Nachwelt erneut zum Leben erweckte. Doch immer mehr tut sich für sie ein Abgrund auf zwischen wissenschaftlicher Anerkennung und moralischer Verpflichtung gegenüber einem wachen Geist, der nicht darum gebeten hatte eine zweite Chance zu bekommen.

Fazit:

Nach der Lektüre der ersten Bände aus der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW)  ist man als Leser schon beinahe etwas fixiert auf die klassischen Science-Fiction Themen. Mit dieser Erwartungshaltung bricht der aktuelle Band „Der Geist des Nasreddin“ auf irritierend angenehme Art und Weise. In seiner liebenswerten Auseinandersetzung geht Kröger auf die Frage ein, wie ein Geist / Mensch mit dem Hineinkatapultiertwerden in eine völlig andere Zeit zurande käme. Wie würde die Kollision von religiösen, politischen und moralischen Ansichten einen regen Verstand beanspruchen? Wäre das Resultat Verzweiflung oder das Erkennen und Wahrnehmen von Chancen? Das Anlegen der Geschichte in einem islamischen Umfeld macht die Findung einer Quintessenz zum einen spannender, tendenziell aktueller, zum anderen durchaus aus lehrreich, ist man bereit auch abstrahierend statt religiösem Glauben auch jenen an Wissenschaft, Technik etc. mitzudenken.

Spannend ist auch hier wieder – wie in den allermeisten Texten Krögers – sein Optimismus, dass sich die Gesellschaft zum Bessern, d.h. zu einem bunten Miteinander entwickeln kann. So schreibt er bezüglich der Arbeit im Ort Chiwa den Eindruck der Wissenschaftlerin Anora: „Die Atmosphäre beeindruckte sie immer wieder. Trotz allen Ehrgeizes jedes Einzelnen arbeiteten die Leute nicht gegeneinander.“ (S.155) Auf der anderen Seite gibt es auch durchaus kritischere Sichtweisen, v.a. den politisch sozialen Idealismus von Anoras Vater betreffend: „Wenn schon Vaters Menschenfreundlichkeit nicht im Großen Früchte getragen hatte, so doch für dieses benachteiligte Wesen.“ (S.185)

Aus meiner Sicht ein interessanter, lesenswerter Entwurf zu einem Aspekt des Zeitreisethemas, wenn auch nicht der Weisheit letzter Schluss 🙂 .

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 6 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

Typografisch gibt es Kleinigkeiten, die man im Satz besser machen könnte, so z.B. die Laufweite der verwendeten Schriftart. (Beispiel siehe hier)

Buchdaten:

  • Titel: „Der Geist des Nasreddin“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 230 Seiten
  • Verlag: Edition Solar-X (2017)
  • Sprache: Deutsch
  • SBN-13: 978-3-945713-36-5
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 1,7 cm

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