Ein Leben in Aphorismen – Rezension zu „Franzi Berbikopf all-inklusive“ von Sigrid Kleinsorge

By | 3. März 2017

Titelbild "Franzi Berbikopf all-inclusive" - Sigrid Kleinsorge„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen und gegebenen und überlieferten Umständen.“ (Pos. 533)

Zum Inhalt:

Unfassbar! Sie hat wirklich das erste mal in ihrem Leben etwas gewonnen. Und auch das nur, weil ihre beste Freundin die Triebfeder war bei einem Preisausschreiben mitzumachen. So steht Franzi Berbikopf nach dem ersten Flugabenteuer mit beiden Beinen – wenn auch etwas wackelig vor Aufregung – auf dem Boden Lanzarotes. Herauskatapultiert in eine gänzlich andere Kultur, ein so tiefgreifend anderes Lebensgefühl, versucht sie ihren Lebenskompass an den neuen Erfahrungen auszurichten – oder etwa auch umgekehrt. Die überwältigenden Eindrücke versetzen sie zum einen stets erneut in Staunen, zum anderen rütteln sie an bisher ehernen Säulen ihrer Weltanschauung und Lebensauffassung. Ein Leben zum größten Teil geprägt von Fremdbestimmtheit, mit der rechtfertigenden Patina stets parater Weisheiten in Lied oder Versform, oder jenen „Geflügelten Worten“, die bereits der Büchmann zu sammeln verstand. Unter den zahlreichen Begegnungen während ihres Inselaufenthaltes ist der ihr auf Anhieb sympatische Achmed jene, die am ehesten das Potential birgt, Franzis Lebensgeister zu einer bis dahin nicht gekannten Selbstbestimmtheit aufzubauen.

Fazit:

Beinahe ausgestanzt aus dem alltäglichen Leben wirken die irisierenden Tage Franzis auf Lanzarote. Ein fast euphorischer Ausnahmezustand, dem sich Franzi in Grenzen hinzugeben vermag, wäre da nicht ihre Lebensgeschichte. Eine Geschichte deren Eckpfeiler, deren Leuchttürme ein Aphorismenschatz bildet, überliefert nicht zuletzt von ihrer Mutter. Und wenn ihr dieser Schatz schon über die schwierigsten Zeiten hinweg half, so wird er dies – so Franzis felsenfeste Überzeugung – auch in den guten verlässlich tun, denn  „die [Franzi] war automatisch in die Fußstapfen der Mutter getreten, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm…“ (Pos. 1132). Sigrid Kleinsorge gelingt es in diesem feinfühligen, jeodch nicht beschönigenden Text erneut, einen Lebensfaden aus dem gesellschaftlichen Gewebe zu heben, ihn dem Leser näher zu bringen, mit viel Empathie und der ihr eigenen respektvollen Art Menschen zu sehen, für die das eingangs angeführte Zitat als Lebensprogramm gilt. Lehnte man(n) sich weit aus dem sprichwörtlichen Fenster, so könnten man(n) soweit gehen den Kernpunkt der Geschichte auf die Frage zu kondensieren, in welchem Ausmaß unsere Geschichte unsere Zukunft, unser Handeln determiniert und wo – sofern vorhanden – unsere Entscheidungsfreiheit Niederschlag findet oder gar endet.
Für das Titelbild firmiert Margret Wolf, die es schafft viel Athmosphärisches des Textes bildnerisch einzufangen. Das klar strukturierte Layout verdankt der Leser der Agentur groessenwahn.com alias Anette Kannenberg und Olaf Heinrichs.

Buchdaten:

  • Titel: „Franzi Berbikopf all-inklusive“
  • Autorin: Sigrid Kleinsorge
  • Ausgabe: Kindle Edition (74 Seiten Print)
  • Verlag: Amazon Digital Services LLC, February 17, 2017
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B06X1D8XP4
  • Dateigröße: 367 kB

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.