Eine Szenerie von beklemmender Aktualität

By | 23. Juli 2012

"Das Schloß" - Franz Kafka„Es ist ein Arbeitsgrundsatz der Behörde, dass mit Fehlermöglichkeiten überhaupt nicht gerechnet wird.“

Zum Inhalt: „Es war spät Abends als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee.“ So unspektakulär beginnt die beklemmende Geschichte in der K. im Sog einer als allmächtig empfundenen Bürokratie mehr und mehr die Herrschaft über sein Geschick und Leben verliert. Er, der doch eigentlich auf Geheiß dieser Bürokratie als Landvermesser in das Dorf gerufen worden war. Einmal in die Mühlen der Beamten geraten muss er erfahren, dass sein Ansinnen diesen Beruf wahrzunehmen gänzlich unrealistisch sei, da man keinen Landvermesser bräuchte. Selbst als er den Berufungsbrief vorlegt erhält er als lapidare Antwort: „Es ist ein Arbeitsgrundsatz der Behörde, dass mit Fehlermöglichkeiten überhaupt nicht gerechnet wird.“ Auch seine Liebe, welche er im Dorf glaubt gefunden zu haben, stellt sich als obrigkeitshörig heraus. So wundert es nicht, dass auch diese Beziehung der Allmacht und dumpfen Gewissenlosigkeit eines im Hintergrund agierenden Apparates zum Opfer fällt. Selbst der Versuch bei diesem Machtspiel mitzuspielen gerät K. nur immer tiefer in den Sumpf an Intrigen und Korruption. Doch nicht nur ihm ergeht es so. Er erfährt von einem einst angesehenen Handwerker im Dorf, dem es ähnlich ergangen war: „Er glaubte aber jetzt er müsse mehr zahlen, was gewiss unrichtig war, denn bei unseren Ämtern nimmt man zwar der Einfachtheit halber, um unötige Reden zu vermeiden, Bestechungen an, aber erreichen kann man dadurch nichts.“
Die alles durchwirkende Macht des Beamtenapparates, deren unnahbares Zentrum das Schloß war, war schlicht unausweichlich: „Das waren zweifellos Widersprüche, sie waren so sichtbar, dass sie beabsichtigt sein mussten. Den einer solchen Behörde gegenüber wahnwitzigen Gedanken, dass hier Unentschlossenheit mitgewirkt habe, streifte K. kaum.“

Fazit: Unbedingt eine Leseempfehlung wert. Jeder der schon einmal mit einem „Amt“ zu tun hatte – und wer hat das nicht – findet sich in gewisser Weise hier wieder

Zum Buch: Das Buchblock ist sehr gut verarbeitet, das Schriftbild gut lesbar und der Umschlag stabil. Ein Buch das sein Geld auf jeden Fall wert ist.

Buchdaten :

  • Titel: „Das Schloß“
  • Autor: Franz Kafka
  • Broschiert: 345 Seiten
  • Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 4 (2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746616166
  • ISBN-13: 978-3746616162
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,4 x 2,6 cm

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