Energie-Wende – Rezension zu „Lebensnacht“ von Will Hofmann

By | 1. Oktober 2016

Lebensnacht von Will Hofmann„»Alles was einmal gedacht werden kann, muss einmal gedacht werden«, heißt es bei Friedrich Dürrenmatt.“ (S.134)

Zum Inhalt:

Erdöl ist jener Stoff aus dem das Konstrukt, welches wir Wohlstand, Fortschritt oder oft auch Zivilisation schlechthin nennen, größtenteils geformt wird und wurde. Und eben dieser Stoff ist zum einen global ungleich verteilt und zum anderen nur in beschränkten Mengen vorhanden. Es wäre nicht der findige Mensch, der Homo faber, würde er nicht versuchen einen auf den ersten Blick genialen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden. Harry Kauffmann, seines Zeichens Chemiker, gelingt es mittels der gentechnischen Veränderung von Bakterien einen Stamm dieser Mikroorganismen zu erschaffen, die aus so gut wie jeder Kohlenstoffverbindung Oktan – vulgo Benzin – zu metabolisieren imstande sind. So weit die gute Nachricht, die dem Chemiker auch einen Nobelpreis und der Weltwirtschaft ein mittelgroßes Erdbeben beschert. Wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten geraten ins Wanken und reißen nicht nur sozial Stabilisierendes mit. Im Taumel des vermeintlichen Erfolges scheint dies jedoch nur ein kleiner Preis, gegenüber den ungeahnten Möglichkeiten die Hoffmanns Erfolge in Aussicht stellen.

Dem Zeitgeist folgend und geblendet von den vollmundigen Versicherungen der Wissenschaftler, die Produktionskette sei vollkommen sicher und ohne Nebeneffekte auf die Umwelt zu beherrschen, stehen Harry Kauffmann alle Türen offen.Es sind jedoch die Versäumnisse der Vergangenheit, die dem Traum von einer Energiewende ein jähes Ende bereiten. Ein Ende dem die Menschheit als Spezies nur ungemein wenig bis nichts Entgegenzusetzen hat. Über Jahrmillionen gewachsene genetische Mechanismen auszuhebeln lässt den Horizont menschlichen Ablebens als biologische Art beängstigend schnell näher rücken.

Fazit:

Es ist nach „Götter“ der zweite umfangreichere Text von Will Hofmann den ich lesen durfte. Wobei der hier vorliegende mich mehr als angenehm überraschte. Unter dem Titel »Oktan« erschien er bereits 2012 im Wiebers Verlag Berlin. Hofmann gelingt es in eindringlicher Weise ein globales apokalyptisches Szenario aus der Sicht gut herausgearbeiteter und größtenteils glaubwürdiger Charaktere zu zeichnen. Authentizität verleiht dem Text dabei nicht selten der ein oder andere Ausflug in das Hessische. Ebenso die nachvollziehbare Darstellung medialer Welten in einer zusammenbrechenden Zivilisation.

Eine überschaubare Anzahl handlungsrelevanter Protagonisten trägt zum einen zur anhaltenden Spannung des Erzählstranges bei, zum anderen hält sie die Komplexität des Textes auf einen angenehm fordernden Niveau, ohne in Nebenschauplätze auszuufern.

Zum Buch:

Der Fabulus Verlag liefert mit seinem 336 Seiten starken Band ein handwerklich ausgereiftes Buch, das sogar die farbliche Schnittgestaltung des Buchblocks in die Gesamtwirkung mit dem Text einbezieht. Über die Ästhetik der Umschlagsgestalltung der Hardcoverversion durch r²|röger & röttenbacher  kann man geteilter Meinung sein, wobei ich sie v.a. im farblichen und bildkompositorischen Bereich durchaus als gelungen empfand. Druck und Bindearbeiten sind vorbildlich ausgeführt, wodurch der Leser ein vom Kapital- bis zum Leseband schönes Buch in Händen hält.

Buchdaten:

  • Titel: „Lebensnacht“
  • Autor: Will Hofman
  • Umfang: 336 Seiten
  • Verlag: Fabulus Verlag; 2016
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-944788-29-6
  • Größe: 21 x 13,3 x 3,7 cm

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