Ernüchternd Rosa/Pink – Rezension zu „Die Kunst ein freundlicher Mensch zu sein“ von Stefan Einhorn

By | 24. März 2018

Ernüchternd Rosa/Pink - Rezension zu "Die Kunst ein freundlicher Mensch zu sein" von Stefan Einhorn„Für mich ist ein freundlicher Mensch jemand, der ethisches Handeln verinnerlicht hat.“ (S.15)

Zum Inhalt:

In Stefan Einhorns Buch geht es, wie der deutsche Titel suggerieren mag nicht um den Begriff „Freundlichkeit“, wie man ihn im Deutschen i.d.R. versteht, sondern vielmehr um den jenen der Ethik im Handeln, resp. der Interaktion mit seinen Mitmenschen.

Dabei entwirft der Autor durchaus gute Ansätze, die leider durch eine all zu oft polemisierende Sprache und brüchige Argumentationsketten torpediert werden. Man wird während der gesamten Lektüre den unterschwelligen Verdacht nicht los, dass es letzten Endes, schält man all die doch recht durchsichtigen „Argumente“ ab, darum geht, selbst Erfolgt zu haben – wie auch immer man diesen zu definieren gewillt ist – („Was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst.“ (S.16), kulminierend in teilweise vollkommen deplazierten und abstrusen Analogien, wie z.B.: „Gute Taten sind wie Drogen nur ohne Nebenwirkungen.“ (S.134)

Wendungen wie „Man hat Versuche durchgeführt…“ (S.136) und die exzessive Verwendung von Zitaten von Kapazitäten wie Sigmund Freud, Christopher Dawson oder Yehuda Bauer sollen dem Text den Anstrich (natur-)wissenschaftlicher Seriosität geben, die sich bereits in folgendem Satz wieder ad Absurdum führt: „Unser ethischer IQ beziffert unsere Fähigkeit, Gutes zu tun.“ (S.18)

Nichts desto trotz lohnt sich ein Blick in den Text, wissend, dass man sich in der Art des Eklektikers verfahrend das Positive – und dessen gibt es durchaus einiges – herausnehmen sollte. So kann man der Aussage, „Die Fähigkeit, seine Mitmenschen gut zu behandeln, ist eine Form von Intelligenz.“ (S.58), nur voll inhaltlich anschließen, hoffend, dass daraus von vielen die entsprechenden Schlüsse in die alltäglichen Handlungen einfließen mögen.

Fazit:

Des Eindrucks, einen amerikanischen Ratgeber à la „Die Kraft des positiven Denkens“ in Händen zu halten konnte ich mich spätestens ab des ersten Viertel des Buches nicht mehr erwehren. Karl-Heinz Heidtmann schreibt es in seiner Rezension sehr treffend: „Schon nach wenigen Seiten fühlte man sich denn auch eher an einen US-amerikanischen Autor erinnert als an einen schwedischen: Die vielen berichteten Beispiele eigenen Erlebens („Als ich einmal einen Vortrag über Ethik hielt, kam nach der Veranstaltung eine Frau zu mir nach vorn und …“), das Markenzeichen US-amerikanischer Erfolgsliteratur à la „Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst beliebt und einflussreich zu werden“ (Dale Carnegie) sind mein Ding zugegeben nicht.“ Dem bleibt nicht viel hinzuzufügen. Interessant im Zusammenhang mit Integrität, Wahrheit, Lüge und dem Anspruch als wahrhaftige Entität in der Gesellschaft zu agieren wäre noch der Verweis auf ein Buch, welches sich ebenfalls mit genau diesem Dilemma beschäftigt: „Der Wille zum Schein“ – Philosophicum Lech (Hrsg. Konrad Paul Liesmann).

 

Zum Buch:

Der Band aus dem Verlag Hoffmann und Campe zeichnet sich durch eine solide Verarbeitung sowohl im Buchblock, wie auch in den Buchdeckeln, bis hin zum Schutzumschlag aus. Die etwas sehr grellen Farben, welche für letzteren gewählt wurden, sind Geschmackssache. In Puncto Textgestaltung und Typografie wurde aus der Janson und der Meta gesetzt und Wert auf Klarheit und zügigen Lesefluss gelegt, was durchwegs gelungen ist. Die Wertigkeit unterstreicht auch die Haptik des Bedruckstoffes, der für die 240 Seiten gewählt wurde.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Kunst ein freundlicher Mensch zu sein“
  • Autor: Stefan Einhorn
  • Umfang: 240 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe, 1. Auflage (2007)
  • Sprache: Deutsch
  • SBN-13: 978-3-455-50022-6
  • Größe: 19,4 x 12,6 x 2,4 cm

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