Es werde… finster…

By | 10. März 2014

Blackout von Marc Elsberg„Und dann, langsam, ganz langsam würde zuerst einer, und dann immer mehr, erkennen, dass die Zeit der Geschichten zu ende war, weil die Geschichte selbst neu gescrhieben werden musste.“ (S.69)

Zum Inhalt:

Jeder von uns kennt diesen Moment, wenn es finster wird. Der Lichtschalter auch nach mehrfachem Kippen die Lampe nicht wieder zum Leuchten bringt. Der Kühlschrank verstummt, Radio und Fernsehen schweigen und sich Stille ausbreitet.

Aber was, wenn es nicht nur in den eigenen vier Wänden passiert. Wenn im Hausflur, im Viertel, im Dorf, der Stadt diese gespenstische Ruhe Einzug hält, gepaart mit Dunkelheit. »Blackout« malt ein Bild über einen Zeitraum von 24 Tagen nach einem versorgungstechnischen Supergau was die Versorgung primär mit elektrische Energie angeht. Marc Elsberg lässt seine sehr unterschiedlichen Charaktere durch ein buchstäblich ausgeschaltetes Europa – und in weiterer Folge auch Amerika – reisen, auf der Suche nach Ursachen… zumindest am Anfang.

Sehr bald geht es jedoch um das Überleben, das Finden von Wasser, von Essen, von Schutz. Von den anfänglich bereitwilligen Hilfestellungen, bis hin zum nackten Überlebenskampf und den damit verbundenen Schicksalen wird nichts ausgespart, wobei dies alles nur als Gewürz in einem viel größeren Gericht erscheint. Der zentrale rote Faden stellt sich als eine Art Fingerzeig dar, auf welch dünnem Eis sich eine Gesellschaft bewegt, deren oberste Prämisse die ständige Verfügbarkeit von Energie darstellt, die dabei jedoch soziale und umweltrelevante Sachverhalte, sowie soziale Komponenten oft mit wirtschaftlichen Argumenten beiseite schiebt.

Neben den technischen Einzelheiten sind es vor allem die unaufdringlichen, aber eben deshalb berührenden, Schicksale der unterschiedlichen Protagonisten, welche die Geschichten zu einem spannenden Ganzen machen. Wasserversorgung in Hochhäusern, Treibstoffversorung an Tankstellen, Intensivstationen in Krankenhäusern, Dialysestationen, Abwassersysteme, Versorgungsketten durch LKWs, Medikamente, Bargeldversorgung in Banken, Heizungen, Kühlsysteme in AKWs, Produktionsanlagen der Industrie, Chemielager, die überwacht werden müssen, landwirtschaftliche Betriebe, deren Tiere nicht versorgt werden können (Beleuchtung, Melkanlagen etc.), alles Schlaglichter, die – jedes für sich – nur einen winzigen Teil unserer Gesellschaft abbilden und doch in Summe einen Kollaps ungeahnten Ausmaßes verursachen könn(t)en… Selbst wenn dabei das Schlimmste abgewandt werden kann, die Welt wird nicht mehr dieselbe sein… danach.

Fazit:

Der Journalist Mathias Flasskamp meinte : „In Blackout ist es wie in der Liebe: Man merkt oft erst, was man hatte, wenn es nicht mehr da ist.“ Dieses Gefühl beschleicht den Leser immer wieder auf’s Neue, wenn Elsberg eine weitere uns zur Selbstverständlichkeit gewordene Facette des zivilisierten Lebens in Frage stellt. Die unvermeidliche Demontage der Normalität, wie wir sie kennen und wie sie unter ungeheurem energetisch-logistischem Aufwand im Hintergrund aufrechterhalten wird, beginnt auf dem Weg durch den Text selbst dem sonnigsten Gemüt zu dämmern.

Es ist eine Fiktion die Marc Elsberg kreiert, aber sie könnte kaum näher an der Realität sein… und das macht das Buch zum einen unglaublich spannend, zum anderen die Schlüsse daraus beunruhigend. Angenehm fällt die spartanische und in keinster Weise moraliserende Nüchternheit der ausgezeichnet recherchierten Schilderungen auf. Es werden keine „Hilfe-wir-werden-alle-sterben“-Parolen skandiert, aber es wird auch nicht beschönigt, worunter eine vom Strom abhängige Zivilisation schon nach kürzester Zeit zu leiden hätte; sowohl wirtschaftlich, umwelttechnisch, aber auch und vor allem sozial.

Zum Buch:

Neben der ästhetisch ansprechenden Broschur des Buches fällt die gute Verleimung der Seiten zu einem immerhin 800 Seiten starken Buchblock ins Auge. Die Typografie ist schlicht und gut leserlich gehalten. Ein kleines, drucktechnisches Manko stellt das Abfärben des schwarzen Symbols auf den Titelseiten der jeweiligen Kapitel auf die gegenüberliegende Seite dar, was jedoch nicht übermäßig störend wirkt.

Buchdaten:

  • Titel: „Blackout“
  • Autor: Marc Elsberg
  • Paperback: 800 Seiten
  • Verlag: blanvalet
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-442-38029-9
  • Größe und/oder Gewicht: 18,7 x 12,5 x 4,4 cm

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