Essenz des Menschseins – Rezension zu „Das fremde Hirn“ von Klaus Frühauf

By | 10. September 2016

Das fremde Hirn von Klaus Frühauf„Die Wirklichkeit übertrifft jede Vorstellung, und sei sie noch so phantastisch.“ (S.225)

Zum Inhalt:

Modelle sind es, 14 an der Zahl, die Klaus Frühauf entwirft, der drängenden Frage nachgehend, was den Menschen als Individuum und als Spezies in einer sich evolvierenden Umwelt definiert. Dabei fokusiert er sich nicht alleinig auf SF-Dauerbrenner wie Robotik resp. Kybernetik („Transfer“)  oder den Kontakt mit fremden Spezies („Das fremde Hirn“) als Leuchtfeuer für eine Positionsbestimmung dessen was Menschsein ausmachen könnte. Ebenso intensiv nähert er sich dem nach wie vor brisanten Thema der genetischen Manipulierbarkeit dessen woraus wir gemacht sind („Mont“,“Petras Mütter“), versucht der schier ungreifbaren Frage nach dem Determinismus zwischen Umwelt und Veranlagung näher zu kommen und einen aus seiner humanistischen Überzeugung erwachsenden Ansatz von Möglichkeiten zu extrapolieren, der tragende Gesellschaft auch im Umfeld von Wissenschaft und Technik möglich macht.

Folgende Erzählungen finden sich in diesem Band:

  • Nachtzug
  • Mont
  • Was du ererbt…
  • Hoffnung
  • Herzfehler
  • Der Unfall
  • Kontakt
  • Petras Mütter
  • Die Erde ist ein fremder Stern
  • Der Mörder
  • Transfer
  • Das fremde Hirn
  • Die Chimäre
  • Regeneration

Fazit:

Den Grundtenor der Erzählungen bildet Frühaufs positive Sicht auf das Potential des Menschen und dessen Fähigkeit sich zu einem im Kollektiv der Gesellschaft bewährenden Individuum entwickeln zu können, welches über seine eigene Existenz hinaus Großes bewegen kann. Dabei geht er nicht den ausgetretenen Weg der Superhelden oder Einzelkämpfer, sondern real denkbarer und emotional vom Leser erfassbarer Lebenswege stimmiger Charaktere, anhand derer er Konflikte entwickelt, welche seine Darsteller sehr viel öfter in moralische denn in technisch-wissenschaftliche Spannungsfelder gelangt. Nichts liegt Frühauf dabei ferner, als ein plattes, pastelfarbenes Heile-Eierkuchen-Bild mit Happy-End zu malen. Die fesselnden Szenarien lassen den aufmerksamen Leser mit einem oft fröstelnden Hauch im Nacken zurück, jedoch nicht in dem teils modern gewordenen dystopischen Fatalismus endend, sondern mit einem motivierenden Anspornen, nichts einfach hinzunehmen, wachsam zu sein und stets an der eigenen und der kollektiven Integrität einer wertschätzenden Menschlichkeit zu arbeiten.

Zum Buch:

Seitens der Haptik fällt zuerst der sehr dünne Seitenbedruckstoff auf, dem es auch anzulasten ist, dass Schön- und Widerdruck öfters durchscheinen. Besonders auffällig ist dies bei den Blättern mit Grafiken zu sehen. Erstaunlich stabil ist jedoch, gerade trotz dieser Tatsache, die Verleimung des Buchblockes und bis auf ein paar kleine Ausreißer ist der Druck durchaus gut gelungen (siehe hier). Die ausdrucksstarken Bilder  des Grafikers und Illustrators Peter Fischer-Sterneaux (* 1958 in Santiago de Chile, † 2004 in Berlin) verleihen den Geschichten eine zusätzliche Intensität, welche deren Tiefgang unterstreicht.

Buchdaten:

  • Titel: „Das fremde Hirn“
  • Autor: Klaus Frühauf
  • Umfang: 276 Seiten
  • Verlag: Verlag Neues Leben Berlin
  • Sprache: Deutsch
  • Lizenz Nr: 303 (305/112/82)
  • Größe: 17,7 x 10,7 x 1,3 cm

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