Ethniengeschichte

By | 13. August 2015

"Das Tal von Lausa und Duron" - Franz Tumler„… hier war die Armut kein Mangel, sondern die Regel, die die Menschen in Zucht hielt, wie ihr ganzes Leben auch.“ (S.18)

Zum Inhalt: Die Drehscheibe, um die sich die Ereignisse, die Schicksale der Erzählung im Laufe des Lesens verdichten ist die Familie Contrin. In einer durch die topografischen Gegebenheiten natürlich abgeschirmten Welt, einem Tal in den Alpen Südtirols an der Grenze zu Italien, leben die Contrins ein gemeinschafts- und traditionsverbundenes (Dorf-)Leben. Doch gären bereits in der nächsten Generation Ideen, die unheilvolles Sprengpotential für die Dorfgemeinschaft verheißen. Als der Sohn des alten Contrin sich mehr und mehr der italienischen Seite das Lebens und der Berge verdingt, was in seinem Wehrdienst für Italien gipfelt, geht ein Riss durch die Familie, ebenso wie durch das Dorf. Die Bewohner müssen in den Kriegswirren fliehen, leben entwurzelt über Jahre hinweg weit entfernt von ihrer Wiege bar jeder Möglichkeit der Rückkehr. Einzig die Tochter Contrins zieht es ohne Kompromiss eines Tages zurück in das durch die Gefechte zerstörte Dorf, in welchem sie das schale Gefühl des Zurückgekehrtseins nicht lange auskosten kann. „Darüber wurde sie nun erst traurig, und es war ihr zum ersten Mal im Leben gewiß, daß man zu nichts zurückkehren kann, an dem man einmal vorbeigegangen ist, weil es in dem Augenblick, in dem man es sich erhalten will, schon gestorben ist.“ (S.68)

Fazit: Völkische Zwischen- und Untertöne finden sich im Text Franz Tumlers nicht selten, gepaart mit einem nicht zu überhörenden Nationalismus, der die inhaltliche Lektüre zuweilen etwas mühsam macht. Dies war mithin ein Grund, aus dem heraus das literarische Schaffen Tumlers von den Nationalsozialisten für ihre propagandistischen Zwecke (um-)interpretiert wurde. Als historische Erzählung ist die Geschichte v.a. im Zusammenspiel mit der erläuternden Nachschrift des Autors lesenwert. Tumler gelingt es in späteren Jahren – nach Ende des 2. Weltkrieges – durch seine literarisch aufarbeitend kritische Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur seinen Ruf als Literat mit (Ge-)Wissen wiederherzustellen. Diesem historischen Faktum ist es auch zuzuschreiben, dass er zu Recht als einer der prägenden Autoren, sowohl der Südtiroler, als auch der österreichischen Nachkriegsgeneration gilt.

Zum Buch: Die vorliegende Ausgabe des Bandes mit  der Nummer 881 aus der Insel-Bücherei stellt wieder einmal unter Beweis, dass solidem Buchbinderhandwerk auch die Zeit nur wenig anhaben kann. 1966 gefertigt, in stabiler Fadenheftung realisiert, eingebettet zwischen festen, ansprechend gestalteten Buchdeckeln präsentiert sich dem Bibliophilen eine in nüchterner Typografie gedruckte Erstauflage, deren Bedruckstoff angenehm griffig aus alterungsbeständigem Material gefertigt wurde. Das schlichte Titelschild und das ebenso gehaltene Mittelschild des Buchrückens folgen der Tradition der Bände aus der Insel-Bücherei. Ein rundum wohlgestaltetes in sich handwerklich stimmiges Werk.

Buchdaten:

  • Titel: „Das Tal von Lausa und Duron“
  • Autor: Franz Tumler
  • Ausgabe: 100 Seiten
  • Verlag: Insel Bücherei; Erstauflage 1966 (Nr.881)
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 12 x 1,1 cm

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