Galaktische Konferenz

By | 5. Juli 2015

“Das heimliche Imperium” – Perry Rhodan Silberband 57„Er sah all diese ichbezogenen Wesen auf den Bänken an den Innenmauern des Amphitheaters sitzen. Wesen die sich abmühten, ihre Probleme auf das Universum zu projizieren, obwohl es einfacher für sie gewesen wäre, sich als Reflexion des Universums zu sehen.“ (S.121)

Zum Inhalt: Ohnmacht – das ist jenes bestimmende Gefühl, welches die Vorgehensweise der wenigen Immunen diktiert. Nichts scheint die diversen Wesen aus dem Schwarm auf ihrem Zug durch die bekannte Galaxis aufhalten zu können, jeder Widerstand zerschellt an der schieren Menge an Ressourcen, welche die Herrscher des Schwarm in die Waagschale der Auseinandersetzung werfen können.  Dies muss auch Tracs Potschyben bitter erfahren als nach heftigen Kämpfen und hohen Verlusten der Planet Hitchers-Pearl an den Schwarm fällt. Rhodan und seine Wegbegleiter sind sich im Klaren darüber, dass nur ein gemeinsames Vorgehen aller Spezies eine Chance auf Erfolg verspricht. Um so bitterer ist die Ernüchterung, die sich einstellt als die von den Terranern initiierte Konferenz der Abgesandten der galaktischen Völker an der intriganten Machtbesessenheit und der kleinkarrierten Borniertheit politischer Grabenkämpfe scheitert. Einzig das erste Zusammentreffen mit den Vertretern des „Heimlichen Imperiums“ kann als kleines Positivum der Konferenz verbucht werden. Um trotzdem einen Weg zu Heilung der Verdummung der Menschen zu finden, beschließt Rhodan die führenden Wissenschaftler um Prof. Waringer auf die Hundertsonnenwelt zu den verbündeten Posbi zu bringen, da hier die Auswirkungen der Verdummungsstrahlung des Schwarm aufgrund der Entfernung nicht wirksam ist. Doch auch auf der Hundertsonnenwelt muss Rhodan feststellen, dass mit Oberst Tahiko Anaka ein machtbesessener Fanatiker das Ruder an sich gerissen hat.
Der zweite Handlungsfaden führt den Leser mit Sandal Tolk weiter auf dem Weg in Richtung der Herrscher des Schwarms. Der Raumer der Schwarminstallateure auf dem sich Sandal als blinder Passagier eingenistet hat, stürzt auf dem Planeten Vetrahoon ab und Sandal hat alle Hände voll zu tun, den überlebenden Schergen aus dem Wrack zu entkommen. Unverhoffte Hilfe erhält er vom ausgestoßenen Hochdruckregulator Tahonka-No, der hinfort sein treuer Begleiter auf den gefahrvollen Wegen durch Vetrahoons Wildnis sein wird.
Ein spannendes Nebenabenteuer, wenn man so will, stellt die Kontaktaufnahme und Rettung des Wesens Harno dar. Harno – bereits aus früheren Abenteuern als Rhodan sehr wohlwollend gesinntes Kugelwesen bekannt – wird von Gucky kontaktiert und in einer tollkühnen Aktion von einem Kristallplaneten innerhalb des Schwarmes gerettet. Wie auch im Band 56 bleiben viele Fragen offen, es kommen auch neue hinzu, aber kein logischer Bruch verleidet dem Leser die Lust die Helden weiter zu begleiten…

Fazit: Immer wieder drängen sich dem Leser Parallelen zur aktuellen Politik auf, wenn man die Vorbereitung und v.a. das Ergebnis einer Konferenz sieht, die unter dem Stern von Egoismus, Opportunismus und Machthunger steht, wie jene der galaktischen Völker in diesem Band (siehe Eingangszitat). Misst man also SF an ihrer Aktualität, so hat wohl diese Geschichte nichts davon eingebüßt – und man möchte mit Blick auf unsere alltägliche Realität fast sagen: leider.
In Summe führt die Erzählung den Handlungsfaden im Schwarm-Zyklus friktionsfrei weiter und baut zusehends Spannung auf. Sei es nun die Entwicklung rund um Sandal Tolk, die Schwierigkeiten der Immungen in der Versorgung ihrer Völker oder der Konflikt mit dem Homo superior; die Handlungsstränge bieten (fast) allen SF-Enthusiasten niveauvolle Unterhaltung und anhaltende Spannung. Redakteur Horst Hoffmann schreibt im Vorwort bereits recht treffend: „Der Schwarm-Zyklus ist ein Zyklus der Überraschungen, und manche Spekulation über die wirklich Mächtigen im Schwarm ging schon bei Erscheinen der Originalhefte ganz gehörig daneben. Dafür war der Aha-Effekt dann um so größer – und was kann man mehr von einer spannenden SF-, also spekulativen Serie erwarten?“ (S.5). Als kleines Goodie habe ich die Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht hatte als grafische Inhaltsangabe wieder im folgenden Link hinterlegt: Grafische Inhaltsangabe Bd. 57 .

Zum Buch: Der 57te Silberband ist ebenso wie seine Vorläufer stimmig im Gesamteindruck, sei es nun gestalterisch, von Seiten des buchbinderischen Aspektes, wie auch in Hinblick auf die Typografie. Er reiht sich optisch sehr schön in die Sammlung ein, wobei sich eine – aus meiner Sicht – negative Tendenz in der qualitativ etwas schlechteren Rückenverleimung fortsetzt, welche schon im letzten Band aufgefallen ist. Keineswegs eine dramatische Minderung der Stabilität, aber sichtbar werdend im Innenbereich der Seiten.

Buchdaten:

  • Titel: „Das heimliche Imperium“
  • Ausgabe: 384 Seiten
  • Verlag: Pabel Moewig KG
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-8118-2077-X
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 4 cm

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