Gedankliche Brotkrumen – Rezension zu „Aphorismen“ – Georg Christoph Lichtenberg

By | 4. November 2017

Gedankliche Brotkrumen - Rezension zu „Aphorismen“ – Georg Christoph Lichtenberg„Daß in den Kirchen gepredigt wird, macht deswegen die Blitzableiter auf ihnen nicht unnötig.“ (S.65)

Zum Inhalt:

Georg Christoph Lichtenberg (* 1.7.1742 Oberramstadt bei Darmstadt, † 24.2.1799 Göttingen) sammelte zeitlebens in seinen »Sudel-«,»Schmier-« und »Gedankenbüchern«1) Ideen, Geistesblitze, bruchstückhafte und komplexere Exzerpte. Der Fundus reicht dabei von beinahe als banal zu titulierenden Alltäglichkeiten bis hin zu pointierten Auseinandersetzungen mit Größen wie Kant oder Lavoisier.

Eben dieses Interesse querbeet durch die großen Gebiete geistesgeschichtlicher, aber auch naturwissenschaftlicher Bildung spiegeln sich in der Zusammenstellung dieses Bandes wieder. Albert Leitzmann firmiert hierbei für die Auswahl der Aphorismen.

Fazit:

Die Aphorismen Lichtenbergs sind auch mehrere hundert Jahre nach seinem Tod noch von frappierender Aktualität. (Ob dies dem Menschengeschlecht zu Ruhme gereicht oder nicht, darüber möge sich jeder Leser selbst ein Bild machen 😉 ) Viele seiner Gedankengänge, seiner Abwägungen und Einschätzungen fußen auf (s)einer soliden natur- und geisteswissenschaftlichen Bildung, die dem Leser durchaus etwas an Recherchearbeit über die Zeit und den kulturhistorischen Hintergrund des Autors abverlangen, will man den Tiefgang und die satirische Schärfe nachvollziehen. Aus meiner Sicht ein überaus lesenswerter, sowie gedanklich anregender Text.

Zum Buch:

Band Nr. 33 aus der Insel-Bibliothek stellt ein sehr schön gestaltetes Büchlein dar, bei dem – in bester Tradition der Reihe – ein individuell gestalteter Einband, eine solide Fadenheftung und ein sauber ausgeführter Druck realisiert wurden. Der Text wurde in Fraktur gesetzt, wobei eine kleine hübsche Besonderheit gegenüber anderen Frakturbänden der Insel-Bücherei auffällt: die Umlaute sind in ihrer alten Form realisiert, will heißen das e wurde über den Vokal gedruckt. (Dabei handelt es sich jedoch nicht, wie oft in dieser Typografie um das Kurrent-e).

Verwendet wurden sogenannte optionale Mediäval-Umlaute. „Ursprünglich wurden statt der heutigen Großbuchstabenumlaute Ae, Oe und Ue genutzt. Die heutigen Umlaute kamen erst Anfang des 20. Jahrhunderts auf, setzten sich dann aber recht schnell durch – auch in der Fraktur. In Duden von 1926 (Fraktur) wird die alte Schreibung bereits gänzlich für falsch erklärt. Vereinzelt gab es auch Schriften, die die alte Form der Umlaute (mit kleinem e über dem Buchstaben) für die Umlaute der Großbuchstaben nutzten. “ 2)

Buchdaten:

  • Titel: „Aphorismen“
  • Autor: Georg Christoph Lichtenberg
  • Umfang: 72 Seiten
  • Verlag: Insel-Verlag Berlin; 34.-38. Tausend
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 12,2 x 0,9 cm

Quellen:
1.) Kindlers Literatur Lexikon Bd.10, S. 406
2.) Umlaute im Fraktursatz https://german.stackexchange.com/questions/1134/umlaute-im-fraktursatz

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