Gedichte, Schnee und Kirschblüten

By | 25. April 2016

"Das Kopfkissenbuch der Dame" - Sei Shonagon„…, ich bin überzeugt daß es eine Menge nette und gescheite Leute gibt – man muß sie nur zu finden wissen.“ (S.58)

Zum Inhalt: Der Dame Sei Shōnagon war es durch ihre freundschaftliche Beziehung zur Kaiserin Fujiwara no Sadako, deren Hofdame sie war, vergönnt einen tiefen Einblick ins das vielschichtige Hofzeremoniell Japans der Zeit um 1001 n. Chr. zu erlangen. Gepaart mit ihrer teils spitzen Feder, sowie ihrem bezeichnenden Schreibstil, auch bekannt als »zui-hitsu«, gelingt es ihr einen Text beinahe zeitloser frische, humorvoller Leichtigkeit und schlichter Eleganz zu schaffen. Selbst schreibt sie dazu: „In diesen Heften habe ich während der Mußestunden, die mir der Dienst als Hofdame vergönnte, niedergeschrieben, was mein Auge gesehen und mein Herz gedacht hat.“ (S.102).
Sei Shōnagon nimmt sich in ihren äußerst bildhaften Ausführungen nicht nur in Bezug auf höfisch Großes und Außergewöhnliches im Umfeld der gehobenen Gesellschaft kein Blatt vor den Mund, sie malt ebenso ein Bild der einfachen Alltäglichkeiten, der feudalen und menschlichen Animositäten ihres Umfeldes, sowie eines komplexen Sittenbildes des japanischen Hochadels. Dem Leben abseits des Zeremoniells wird ein ebenso breiter Raum geschaffen, wie den plastischen Beschreibungen eines Landes, dessen Kultur, Tradition und Geografie auf Europäer – und nicht nur auf diese – seit jeher eine fast magische Anziehungskraft ausübte. So verwundert es nicht, dass auch der Film die Thematikfür sich entdeckte, das Buch Sei Shōnagons als Vorbild verwendend („The pillow Book“).

Fazit: Wer etwas über den abendländischen Tellerrand sehen möchte findet in diesem ansprechenden Text einen interessanten literarischen Weg hinter dessen verschlungenen Kurven, mannigfaltigen Gabelungen und wunderschönen Rastplätzen eine die Zeit überdauernde Prosa steckt.

Zum Buch: Buchbinderisch lässt sich an dem Bändchen aus der Insel-Bibliothek nichts aussetzen. Buchblock und Einband sind gut verarbeitet und der Seitenbedruckstoff angenehm fest. Per se ist auch die Typografie, aufgelockert durch Schwarzweiß-Zeichnungen der Streublumen und Zweige passend. Leider trübt der unsaubere Druck das Gesamtbild eines an und für sich bibliophil ausgelegten Buches wie dem vorliegenden doch erheblich (Beispiele siehe hier).

Buchdaten:

  • Titel: „Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon“
  • Hrsg.: Helmut Bode
  • Umfang: 126 Seiten
  • Verlag: Insel-Bücherei (1989, 25. Auflage)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-458-08998-5
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 1,5 cm

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