Geschichte hinter den Worten – Rezension zu „Woher kommt das schwarze Schaf“ von Wolfgang Seidel

By | 3. September 2016

Geschichte hinter den Worten - Rezension zu "Woher kommt das schwarze Schaf" von Wolfgang Seidel„Es geht einfach um die Freude, Geschichte und Geschichten hinter den Wörtern zu entdecken und sich ein Bild zu machen von den vielfältigen Möglichkeiten, wie sie entstanden sind.“ (S.8)

Zum Inhalt: Begriffe mit denen wir in der deutschen Sprache ganz selbstverständlich hantieren, deren Gebrauch sie als organischen Bestandteil dieser Sprache seit jeher scheinbar wie selbstverständlich ausweisen, entpuppen sich bei näherer Betrachtung – und dies ist es was Wolfgang Seidel anstellt – als durchaus oft weitgereist. Der Großteil aus anderen Sprachen aufgenommener Wörter fällt auf die üblichen Verdächtigen wie Latein und Französisch, dass jedoch auch Malaiische- und Eskimo-Sprache ihre Abdrücke hinterlassen haben bedarf schon eines tieferen Schürfens in der Entymologie. In 13 Kategorien teilen sich die Wörter ein, deren Wurzeln der Autor nachspürt, wobei er immer wieder Querverbindungen knüpft, den Leser teils an exotische Plätze in Geografie und Geschichte entführt, um ein rundes Bild der Herkunft unserer Begriffe zu zeichnen.

Kategorien / Kapitel:

  • Menschen & Alltag
  • Die ältesten Wörter
  • Paarformeln & Lautmalerei
  • Farbenlehre
  • Fremdwörter
  • Geld & Wirtschaft
  • Orientierung in Zeit & Raum
  • Kultur & Medien
  • Natur & Klima
  • Wissenschaft & Technik
  • Mensch & Medizin
  • Essen & Trinken
  • Sport & Freizeit

Fazit: Die Badische Zeitung schrieb: „Ein Lesevergnügen mit Bildungseffekt.“ Und treffender könnte man in dieser Kürze wohl kaum umreißen, was Wolfgang Seidel mit seinem Buch gelungen ist. Mittlerweile hat sich der Band einen permanenten Platz neben den entymologischen Nachschlagewerken auf meinem Schreibtisch gesichert und nicht selten stöbere ich und lese mich fest in der Unmenge an fundierten, teils skurrilen, stets interessanten bis spannenden Informationen zu dem was ich meine Muttersprache nenne. Insbesondere der leichte Schreibstil und die thematischen Klammern in denen sich der Zoo aus Wörtern bewegt reihen das Buch in die Kategorie „Lernen mit Spaß“ ein, kombiniert mit Humor und manchmal einem Schuss spitzbübisch erfrischender Ironie.

Zum Buch: Besonders positiv fällt die ausgezeichnete typografische Umsetzung des Textes, gesetzt aus der LinoLetter Medium™, auf, der mit Farben, obwohl sparsam verwendet, eine gelungene Strukturierung des Leseflusses trotz des dicht gedrängten Informationsgehaltes zustande bringt. Die grobtextuelle Einteilung erinnert stark an das lexikalische Layout, wobei dies durchaus von Vorteil ist, zumal thematisch aufgebaute Artikel und das sehr ausführliche Stichwortverzeichnis die Annahme nahe legen, dass der Band als kleines Minilexikon verwendbar sein sollte. Manche layouterische Akzente sind anfangs etwas befremdlich, integrieren sich aber sehr gut in das Gesamtbild der Seitenpräsentation (z.B. S.85 oder 156). Die Verleimung des Buchblockes ist akzeptabel, allerdings hätte ich mir für ein kleines Nachschlagewerk etwas stabileres gewünscht – vielleicht in einer nächsten Ausgabe ;-).

Buchdaten:

  • Titel: „Woher kommt das schwarze Schaf“
  • Autor: Wolfgang Seidel
  • Umfang: 272 Seiten
  • Verlag: DTV
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-423-34688-7
  • Größe: 19,1 x 12,4 x 1,6 cm

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