Heiteres Alpenmärchen

By | 19. März 2014

"Der Alpenkoenig und der Menschenfeind" - Ferdinand Raimung„So dreht die Welt sich immerfort
Und bleibt doch stets an einem Ort.
Der Egoismus ist die Achse,
Der Hochmut zahlt am End‘ die Taxe;
Die Erd‘ – es kommt darauf heraus,
Ist nur im Grund ein Irrenhaus.
Und wie ich nach und nach gewahr‘,
So bin ich selbst ein großer Narr.“ (S.69)

Zum Inhalt: Rappelkopf, so der bezeichnende Name der Hauptfigur dieses Schauspiels ist ein unleidlicher, säuerlicher und gehetzter, archetypischer Misanthrop. In seinem Leben, so erscheint es ihm, waren und sind stets alle ihn umgebenden Menschen darauf bedacht, ihm nach seinem Geld oder gar seinem Leben zu trachten. Selbst seiner Frau, seinem Gesinde und seinen Verwandten – repräsentiert durch den Schwager Silberkern traut er nicht über den Weg und dichtet ihnen in seinem paranoid grübelnden Wahn alle Arten von Komplotten gegen seine Person an.
Diese verschobene, düstere Sicht der Welt macht ihn zu einer bitteren Plage für alle, die mit ihm umgehen müssen. Er traktiert auf seinem Anwesen seine Angestellten mit aus der Luft gegriffenen Unterstellungen, verbietet seiner Tochter den Umgang mit ihrem geliebten und höchst ehrenwerten Freund, einem Künstler. Der Höhepunkt dieser Paranoia wird erreicht, als Habakuk, ein Hausbedienster, im Garten mit einem Messer auf Geheiß der Hausherrin Zichorien stechen soll. Das Messer in der Hand Habakuks interpretiert Rappelkopf als Mordwerkzeug und Habakuk als von der Hausherrin gedungenen Mörder. Rappelkopf verlässt das Haus in Rage, von der Welt und den Menschen – erneut – enttäuscht. Im nahe gelegenen Wald erwirbt er kurzerhand eine Köhlerhütte, delogiert deren Bewohner ohne Rücksicht auf deren Befindlichkeit und deklamiert lautstark seinen Hass auf alles, was sich zur Menschheit zählt.
Astragalus, seines Zeichens der Alpenkönig und somit Herrscher über die Geisterwelt des Gebirges und des Waldes, stellt als Jäger verkleidet den Griesgram zur Rede fragend, weshalb er so ungemein Schändliches über seine Umwelt zu berichten hätte. Er läßt, nachdem er Rappelkopfs am Boden zerstörter Tochter und deren Geliebten eine glückliche Zukunft für ihre Beziehung prophezeit hatte, sich darauf ein, den Gutsherrn davon überzeugen zu wollen, wie falsch er mit seiner Schwarz-Weiß-Malerei liegt.
Dazu gibt er Rappelkopf das Aussehen dessen Schwagers, nimmt selbst die Rolle Rappelkopfs ein und führt ihn auf dessen Landgut zurück. Dort hält er ihm, indem er die Rolle Rappelkopfs mit allen ausgeprägten Unarten desselben bravourös spielt, einen Spiegel vor, der sogar den Starrsinn Rappelkopfs zu erschüttern vermag. Die Selbsterkenntnis trifft den Gutsherrn tief und er gelobt Besserung, die der Alpenkönig feierlich verkündet: der Menschenfeind wird zum Menschenfreund.
Das Stück wurde am 17.10.1828 in Theater in der Leopoldstadt in Wien uraufgeführt. Es zählt nicht zuletzt wegen der eingängigen Musik von Wenzel Müller zu einem der erfolgreichsten Raimunds.

Fazit: Ein sehr kurzweiliger und amüsanter Text, dessen Untertitel „Romantisch-komisches Märchen in 3 Akten“ nicht zu viel verspricht.

Zum Buch: Der Band stammt, wie auch die 9 anderen in dem Kartonschuber, von einem Flohmarkt. Lieder ist er etwas mitgenommen, der Buchrücken stark berieben und die Seiten etwas vergilbt, sowie das Papier von minderer, stark faseriger Qualität. Die Verleimung jedoch ist noch einwandfrei intakt. Der Druck ist nicht besonders sauber ausgeführt; so werfen die Zeichen oft Druckschatten, sind überdruckt oder verlaufen ineinander.

Buchdaten:

  • Titel: „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“
  • Autor: Ferdinand Raimund
  • Kartonierte Ausgabe: 78 Seiten
  • Verlag: Apollo Verlag Lindau (ca. 1947)
  • Sprache: Deutsch
  • Größe und/oder Gewicht: 12,5 x 17 x 0,4 cm

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