Inklusion -Rezension zu „Fundsache Venus“ von Alexander Kröger

By | 30. Dezember 2017

Coverbild "Fundsache Venus" - Alexander Kröger„…, vielfach haben Menschen in ihrem Werdegang, indem sie nicht taten, was die Norm ihnen vorschrieb, jenen Stein in den Weg gelegt, der dem Rad eine andere Richtung aufzwang.“ (S.274)

Zum Inhalt:

Er war lange unterwegs, der Fernraumer, der eigentlich bei seiner Rückkehr hätte auf der Erde landen sollen. Letzten Endes war es jedoch eine recht lebensfeindliche Venus, die zum Grab der Pioniere an dessen Bord wurde. Navigationsfehler, Absicht oder einfach schlechtes Karma, vorerst bleibt dies ein Rätsel. Einer der Wagemutigen, Dirk, war der Gefährte Wally Eschs, und was er mitbrachte sollte das Bild der Menschen von ihrem Status als Spezies tiefgreifend ändern. Wally ist es auch, deren Hartnäckigkeit der Versuch einer Rettungsaktion Richtung Venus zu verdanken ist.

Es vergehen 18 Jahre ehe Wally ihrem Sohn Mark offenbart, was es mit seiner Herkunft und seiner Verbindung zu Dirk auf sich hat. Mark war sich schon immer seiner Andersartigkeit, die sich keineswegs nur in Äußerlichkeiten erschöpfte, bewusst. Obwohl er mitten unter größtenteils wohlwollenden und integren Menschen aufwuchs, bereitete ihn kaum etwas auf die Tragweite jener Entscheidungen vor, denen er sich mit den Eröffnungen seiner Mutter zu stellen hat.

Letzte Gewissheit kann am Ende nur ein Aufsuchen jenes Raumsektors verschaffen, aus dessen Tiefen Dirk seinerzeit das „Souvenier vom Atair“ mitbrachte. Die Ereignisse die während seiner Abwesenheit von der Erde ihre unrühmlichen Schatten werfen scheinen nicht nur sein eigenes, sondern das Schicksal aller mit ihm Verbundenen zu besiegeln. Eine Bewährungsprobe nicht nur für Mark, sondern auch für all jenes was letzten Endes das Mensch-Sein definiert…

Fazit:

In „Fundsache Venus“ setzt sich Kröger erneut sehr intensiv mit der Thematik auseinander, wie es um die Inklusion einer fremden Spezies – vulgo Exteraner – in einer menschlichen Gesellschaft stehen könnte, die ihrerseits bereits ein hohes Maß an Fortschritt vorzuweisen hat. Doch wie weit geht dieser Fortschritt in puncto Akzeptanz, Integrationsbereitschaft gegenüber Lebewesen die mit der Erde und ihren Bewohnern im Grunde genommen nicht das Geringste gemein haben.

Elegant beginnt Kröger den Kern der Geschichte mit einer Situation, welche die Argumentationskette noch um eine Facette bereichert. Immerhin ist es eine Menschenfrau, die dem ersten Exteraner das Leben schenkt und so einen Brückenschlag zwischen den Zivilisationen forciert. Das Thema einer möglichen Herausforderung der Inklusion fremden Lebens in die menschliche Gesellschaft / Geschichte wird nicht platitüdenhaft reißerisch betrachtet, vielmehr geht es um philosophische, politische, ganz lebenspraktische, wie auch zutiefst emotionale Schichten, deren Implikationen ungemein viel an Sprengpotiential für die etablierte globale Gemeinschaft der Menschen bereithält.

So vermeidet der Autor es auch eine reine „heile Eierkuchen“-Welt zu zeichnen. Die Bandbreite reicht von den tiefsten Abgründen deren Menschen fähig sind – so z.B. eines Genozids – bis hin zu Akzeptanz, Freundschaft und Familienbanden als starker Bindung an einen per se fremden Planeten und deren Bewohnern. Es wird dem aufmerksamen Leser nicht leicht gemacht, sich eine Meinung zu einem durchaus nicht rein fiktionalen Thema zu machen – Inklusion beginnt schon vor der Haustüre, wobei wir auch hier noch viel des Lernweges zu gehen haben.

In dem besprochenen Band finden sich neben der zentralen Erzählung „Fundsache Venus“ auch noch weitere überarbeitete Teile „Souvenir vom Atair“ und „Andere“ ebenfalls aus der Feder Alexander Krögers.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 7 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

Eine kleine Unstimmigkeit in Sachen Coverbild trübt aus meiner Sicht das Gesamtbild der ansonsten stets recht stimmigen Darstellungen ein wenig: die Skaphander der Venusmission werden im Buch als „klobig“ (S.57) beschrieben. Dem entspricht die Abbildung auf dem Buchdeckel in keinster Weise ;-).

Buchdaten:

  • Titel: „Fundsache Venus“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 352 Seiten
  • Verlag: Edition Solar-X (2017)
  • Sprache: Deutsch
  • SBN-13: 978-3-945713-37-2
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 2,7 cm

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