IT Handwerkszeug nicht nur für CIOs

By | 20. Mai 2015

"Handbuch IT-Management" - Hrsg. TiemeyerZum Inhalt: Im folgenden seien kurze Überblicke über die Themenschwerpunkte festgehalten. Die einzelnen Kapitel sind für sich eigenständig bearbeitbar, verweisen aber auch öfters implizit und explizit aufeinander.

IT-Management – Herausforderung und Rollenverständnis heute (Ernst Tiemeyer)

Der Managementbegriff ist ein oft recht schwammiger, was Ernst Tiemeyer in seinem einführenden Kapitel zu vermeiden sucht. Er stellt Management im Allgemeinen und im Speziellen – für die IT – in den größeren Kontext der Unternehmensführung, zeigt die Bedeutung von Leitbildern und Visionen auf, sowie den Wandel im Denken der IT (-Verantwortlichen) weg von der reinen Technikverliebtheit hin zum kundenorientierten Dienstleister. Fragen nach strategischen und operativen IT-Management-Aufgabenstellungen finden ebenso Platz, wie ein kurzer Ausblick auf die einzelnen Themenbereiche der Buchkapitel.

IT-Strategien entwickeln und umsetzen (Walter Wintersteiger)

Walter Wintersteiger streicht die Wichtigkeit einer Strategie in der Planung aller IT-Belange heraus. Methoden und Techniken werden vorgestellt und beispielhaft verdeutlicht. Die Begrifflichkeiten bleiben dabei nicht nur Worthüllen, sondern werden anhand von konkreten Beispielen am Kapitelende greifbar.

IT-Architekturen – planen und managen (Ernst Tiemeyer)

Welche grundlegenden Arten der IT-Architekturen finden sich derzeit? Welchen Benefit können sie ermöglichen? Wie können diese Varianten zu einem Framework gebündelt werden? Dies sind Fragen auf die der Autor  hier eingeht. Weiters legt er Konzepte zur Einführung eines IT-Architekturmanagements dar, streift das Gebiet der Konsolidierung, sowie die Problematik der Sourcings.

IT-Servicemanagement (Dietmar Kopperger, Jörg Kunsmann, Anette Weisbecker)

Für eines der umfangreichsten und intensivsten Kapitel firmieren die drei oben genannten Autoren, wobei der Fokus eindeutig auf der Darlegung spezielle der ITIL-Standards der Versionen 2 und 3 liegt. Minutiös werden Vorgehensweisen im Framework von ITIL herausgearbeitet und Fallstricke aufgezeigt, denen man in der realen Umsetzung immer wieder begegnet. Dieser Praxisbezug wird auch in dem Unterkapitel zur Einführung eines optimalen IT-Servicemanagements sichtbar. Positiv sticht auch ins Auge, dass die Autoren ITIL und seine Pendants nicht als monolitisches Alles-oder-Nichts-Konzept sehen, sondern den IT-Verantwortlichen ermuntern jene Teile adaptiv für seinen speziellen Fall einzusetzen, die den größten Nutzen mittel- bis langfristig versprechen.

IT-Projektmanagement (Ernst Tiemeyer)

Ernst Tiemeyer spannt den Bogen im 5. Kapitel des Buches von der Idee, über die Projektinitiative, den Projektantrag, bis hin zur Realisierung und Steuerung, sowie einem professionellen Projektabschluss, der nicht zuletzt auch in der Sicherung der Projekterfahrung – ein zumeist vernachlässigter Punkt – besteht. Beleuchtet werden Instrumentarien zur Projekt-Risikoplanung, Kontrolle und Steuerung von IT-Projekten, Projektreporting und vieles mehr, wobei auch auf softwaregestützte Vorgehensweisen verwiesen wird und deren Vor- und Nachteile aufscheinen.

Organisation und Führung im IT-Bereich (Ernst Tiemeyer)

In diesem Abschnitt werden v.a. sogenannte Soft-Skills und situative Regelwerke aufgegriffen, handelt es sich doch v.a. im Bereich Führung um einen oft emotionsbeladenen zwischenmenschlichen Part, mit tiefgreifenden gruppendynamischen Einflüssen. Rollenbilder im IT-Umfeld kommen ebenso zur Sprache, wie das Themenfeld Outsourcing in den verschiedensten Ausprägungen. Führungsaufgaben und Führungsstile, Teambildung und -management wird ein nicht unerheblicher Platz eingeräumt.

IT-Controlling – operative und strategische Werkzeuge nutzen (Andreas Gadatsch)

Zusammenfassend könnte man hier auch sagen: Zahlen sind nur so gut wie ihr Kontext. Diese zentrale Information sticht immer wieder aus dem 7. Kapitel heraus. Wo ist das Controlling organisatorisch anzusetzen, welche Methoden und Kennzahlen (-system) sind dienlich, um sinnvolle Steuerungsentscheidungen treffen zu können. Begriffe wie TCO (Total Cost of Ownership),  SLA (Service Level Agreement) werden in Kontext der täglichen Anforderungen in der IT gesetzt.

Qualitätsmanagement für IT-Lösungen (Andreas Nehfort)

Auch wenn dieses Kapitel sehr auf Softwareentwicklung und der damit verbunden Qualitätssicherung ausgelegt ist, lassen sich viele Best-Practice-Vorschläge generalisieren und auf weite Bereich der IT anwenden. Wie funktioniert Qualitätsmanagement eigentlich? Was ist überhaupt Qualität? Was muss bei der Umsetzung von QM-Standards beachtet werden, damit sie nicht zu reinen Papiertigern werden? Was bedeuten ISO 9000:2000, SQuaRE,  CMMI & SPiCE? Auf all diese und noch einige Fragen mehr versucht Nehfort einzugehen und eine profunde Einführung zu geben.

IT-Security Management (Klaus Schmidt)

Das schier unüberschaubare Feld der IT-Securtiy bricht Andreas Nehfort auf greif- und handhabbare Themen herunter, die ausgehend vom Stellenwert der Informationsverarbeitung, über IT-Security-Management als Erfolgsfaktor, seinen rechtlichen Rahmen bis hin zur grundsätzlichen, sowie alltäglichen Sicherheitsorganisation im Unternehmen gehen. Die Vorteile und Grenzen verschiedener Organisationsmodelle im Security-Kontext, sowie Ansätze des Top-Down- und Bottom-Up-Security-Managements finden ausführlich und doch keineswegs langatmig Platz. Praxistipps und ein Blick auf zwischenmenschliche und „politische“ Nebeneffekte, die in der Umsetzung einer IT-Security Policy nicht außer Acht bleiben dürfen, runden das Thema ab.

Einsatz und Einführung betriebswirtschaftlicher Standardsoftware (Andreas Gadatsch)

Ob sich um Akronyme wie CRM, ERP, SCM oder um Schlagwörter wie Data Warehouse bzw. Data Mart handelt, Andreas Hadatsch geht ihn seinem Text auf Konzeptionelles ebenso ein, wie auf praktische Erwägungen wie die Entscheidung zwischen Individual- und Standardsoftware. Erwähnung finden hier auch Punkte wie die Wirtschaftlichkeit von Standardsoftware oder Fallstricke bei deren Einführung. Eine Fallstudie schließt das Kapitel dabei ab.

E-Business (Frank Herzog)

In seinem Beitrag geht Frank Herzog auf Entwicklungen entlang der Wertschöpfungskette ein, die mit den Technologien des Web in engem Zusammenhang stehen, wobei er nicht müde wird zu betonen, dass reine Technologieumsetzung alleine dabei nicht genügt, sondern auch Denkmodelle neu bewertet werden müssen. Ob es B2C (Business-to-Consumer), B2B (Business-to-Business), E-Procurement oder das SCM (Supply Chain Managment) ist, es werden immer wieder archetypische Beispiele beleuchtet, die ein grundlegendes Verständnis für die Thematik vermitteln. Stand heute wäre nur noch zu sagen, dass in diesem Kapitel das Alter des Buches am ehesten zum Tragen kommt, da einige Entwicklungen bereits wesentlich weiter fortgeschritten sind, als dies noch zur Drucklegung der Fall war.

Rechtliche Rahmenbedingung für das IT-Management (Thomas Feil)

Thomas Feil bereitet die rechtlichen Grundlagen welche im IT zu beachten sind sowohl unter dem Aspekt der Haftungen – etwa im Internet, für Softwaremängel, für Sicherheitslücken etc. -, wie auch unter arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten auf. Weiters kommt auch das Thema Open Source Software dabei nicht zu kurz, sowie die rechtliche Absicherung von IT-Projekten im Allgemeinen. Bezug wird hierbei v.a. auf das AGB, sowie Regelungen des BGB genommen.

Fazit: Der sehr umfassende Bereich, dessen Abdeckung die Autoren sich in diesem Buch vorgenommen haben, stellt an die Konzentration des Lesers des öfteren eine nicht zu unterschätzende Anforderung. Lohn dafür sind Informationen, die in der Dichte und in diesem kompakten Zusammenhang im deutschsprachigen IT-Bereich selten sind. Schwerpunkt ist – und dies v.a. im rechtlichen Bereich – der bundesdeutsche Raum, wobei sich viele Sachverhalte auch z.B. nach Österreich transponieren lassen. Neben detailiertem punktuellem Wissen achten die Autoren i.d.R. auf einen konzeptionellen Überblick der das solide Wissen im täglichen praktischen „IT-Handwerk“ umsetzbar macht. Angesprochen werden v.a. IT-Verantwortliche größerer Organisationen, wobei auch der einzelne Sysadmin aus dem Fundus an Anleitungen, der Vorstellungen von Vorgehensweisen und Methoden wertvolle Impulse für nachhaltiges Arbeiten in der IT im weitesten Sinne finden kann. Javamagazin schreibt: „Ein rundum gelungenes und beeindruckendes Werk.“ Dem kann ich nur vorbehaltlos zustimmen.

Zum Buch: Die buchbinderische Verarbeitung des über 700 Seiten starken Textes lässt keinen Wunsch offen: Der abwischbare Umschlag ist von seiner Gestaltung her schlicht gehalten und in flexiblem Bedruckstoff ausgeführt. Die typografische Linie ist durchgängig, leicht leserlich und strukturiert den umfangreichen Text vorbildlich. Drucktechnisch sind die durchgängig schwarz-weiß gehaltenen Diagramme und Bilder weniger gut, aber durchaus akzeptabel realisiert. Hier wäre eine höhere Auflösung zuträglich gewesen. Die Verleimung des Buchblockes ist außerordentlich stabil, ohne dabei rigide dem Blättern im Wege zu stehen. Ein Handbuch wie es in diesem Umfang besser kaum realisiert werden kann.

Buchdaten:

  • Titel: „Handbuch IT-Management“
  • Autor: Ernst Tiemeyer (Hrsg.)
  • Ausgabe: 704 Seiten
  • Verlag: Hanser (2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-446-41328-3
  • Größe: 24,4 x 20,2 x 4,5 cm

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