Lebenspatina – Rezension zu „Das Tor zur Vergangenheit“ – Martina Lukits-Wally

By | 1. Juli 2017

Lebenspatina – Rezension zu „Das Tor zur Vergangenheit“ – Martina Lukits-Wally„Das Spiel mit der Sprache faszinierte sie. Wie sich aus Buchstaben Worte bildeten, dann aus Wörtern Sätze entstanden und daraus wiederum literarische Figuren, die daraufhin mit ihren Schicksalen gleichsam zum Leben erwachten,…“ (S.38)

Zum Inhalt:

Neun, vom Umfang her kurze, Geschichten sind es, die Martina Lukits-Wally in „Das Tor zur Vergangenheit“ zu Papier gebracht hat. Und doch umfassen sie nicht selten ganze Leben mit Hochs, Tiefs und den ebenmäßigen Tälern dazwischen. Der Bogen spannt sich von schicksalshaften, beinahe esoterisch anmutenden Wendungen („Das Wunschglöcklein“), über schalkhafte Anekdoten („Gut „behütet”“) bis hin zu generationenübergreifenden Ereignisketten ( „Steinige Wege“). Ungeachtet der Akteure, der Zeitspannen, der lebensplanerischen Implikationen oder des kulturellen Hintergrundes sind es stets die Streiflichter auf Entscheidungen, welche dem Leser einen Blick durch das „Tor zur Vergangenheit“ der Protagonisten der Geschichten erlauben – nicht selten mit einem Ausblick auf deren vergangene Zukunft.

Fazit:

Martina Lukits-Wally stellt mit den Texten in ihrem Band ein solides Gespür für geschriebene Sprache als Ausdrucksform unterschiedlichster Nuancen alltäglichen Menschseins unter Beweis. Das „nach wahren Begebenheiten“ im Untertitel ist nie auch nur durch einen Hauch des Übertreibens in seiner Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Ein angenehmes Changieren zwischen dem Wissen um die Unwiderruflichkeit des Vergangenen auf der einen Seite und dem wohlwollenden Schickal auf der anderen Seite macht das Salz in der Buchstabensuppe der Texte aus. Die Autorin schafft es ausgezeichnet dem Stereotyp „früher war alles besser“ zu widerstehen, ohne dabei dem bereits entstandenen Lebensbild seine reizvolle Patina zu nehmen.

Ein besonderes Schmankerl, wenn man so will, stellen die in den Texten eingebauten Gedichte dar, mittels derer Gefühle in einer Art literarischem Kondensat filigran auf den Punkt gebracht werden. So ergänzen sich Prosa und Lyrik in organischer Weise. Die Autorin lässt es eine ihrer Figuren auf den Punkt bringen: „Gedichte zu schreiben war ihre größte Leidenschaft, denn sie bedeuteten für sie die beste Möglichkeit, mit der Kraft ihrer Worte auf prägnante Art und Weise Lebensmomente und die damit verbundenen Emotionen auszudrücken.“ (S.38)

Zum Buch:

Mit dem schmalen Buch liefert der Verlag Berger ein handwerklich ansprechend gestaltetes Druckwerk. Der imprägnierte Umschlag ist optisch und künstlerisch dezent gestaltet, sowie vom her Motiv thematisch passend gewählt. Die Schwarz-Weiß-Bilder lockern den Text auf, unterstreichen den jeweiligen Handlungsstrang, lassen jedoch drucktechnisch etwas zu wünschen übrig – hier hätte eine professionelle Nachbearbeitung des fotografischen Materials dem Eindruck des geschichtlichen keinen Abbruch getan, sich sehr wohl aber positiv auf den Gesamteindruck ausgewirkt. Layouterisch unterlief leider der ein oder andere Fauxpas. So findet sich z.B. auf Seite 68 ein sogenanntes Hurenkind (siehe hier), was in Zeiten von IT-unterstützten Layoutprogrammen nicht passieren dürfte. Der Bedruckstoff ist angenehm griffig und unterstreicht zusammen mit einer dezenten typografischen Note den textuellen Inhalt. Summa summarum ein hübsches Buch mit ein paar drucktechnischen resp. layouterischen Mankos, die jedoch dem ansprechenden Inhalt keinen Abbruch tun.

Buchdaten:

  • Titel: „Das Tor zur Vergangenheit“
  • Autorin: Martina Lukits-Wally
  • Umfang: 124 Seiten
  • Verlag: Verlag Berger (1. Auflage 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • SBN-13: 978-3-850-287036
  • Größe: 20,1 x 13,5 x 1,0 cm

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