Liebliche Sprachmelodie – Rezension zu „Alemannische Gedichte“ von Johann Peter Hebel

By | 29. April 2017

"Allemannische Gedichte" - Johann Peter Hebels„Und wenn den amme Chrüzweg stohsch
Und nümme weisch, wos ane goht,
Halt still und frog die Gwisse z’erst,
’s cha dütsch, gottlob, und folg sim Rot.“ (S.68)

Zum Inhalt:

Volkstümliche Miniaturen sind es, die Hebels in den ausgewählten teils strophischen Texten im alemannischen Wortklang festhält. Bereits der erste ist Programm: „Die Wiese“ führt den Leser durch eben die geografischen Landschaften, denen die alemannische Zunge eigen ist. Die Signatur Hebels findet sich dabei beinahe in jedem der Gedichte: es ist die Zielgerichtetheit seiner Inhalte. Sei es nun bereits der Fluss vom Ursprung bis zum Rhein, die Wege hin zu Allegorischem oder der letzte Weg, welcher lt. Hebels nicht zu verfehlen sei, auch ganz ohne den ebenfalls benannten „Wegweiser“. Aufgeklärter Humanist der er war, lädt der Autor den Leser zu einer Reise ein, die druch einen Garten lieblicher und gleichermaßen gehaltvoller Sprache führt.

Enthaltene Texte:

  • Die Wiese
  • Der Sommerabend
  • Das Spinnlein
  • Der Stadthalter von Schopfheim
  • Der Morgenstern
  • Der Winter
  • Die Vergänglichkeit
  • Riedlingers Tochter
  • Das Gewitter
  • Der Wächter in der Mitternacht
  • Der Abendstern
  • Geisterbesuch auf dem Feldberg
  • Der Wegweiser

Fazit:

Eine ausgesprochen liebliche Sprachmelodie ist es, welche das Alemannische in Hebels Texten auszeichnet. Johann Peter Hebel (*10.5.1760 – 23.9.1826) machte sich „auch über ihre Verbreitung nicht sonderliche Hoffnungen“ (S.69), als diese 1803 erstmals erschienen vom Autor auf eigene Kosten finanziert. Es lag dem Autor daran „der hochsprachlichen Literatur eine dialektale ebenbürtig zu Seite zu stellen,…“1). Das Gelingen dieses Ansinnens attestierten ihm bereits Jean Paul und J.W. v. Goethe. Auch wenn sich das Einlesen in Klangfarbe und Rhythmik des Alemannischen etwas Zeit bedarf, so ist es diese allemal mehr als wert. Behilflich dabei ist auch ein „Alemannisches Wörterverzeichnis“ am Ende des Bändchens, das dem Leser ans Herz gelegt sei 🙂 und das, wenn auch sehr kurze, Nachwort von Heinrich Ernst Kromer.

Zum Buch:

Auf den ersten Blick erscheint der hübsche kleine Band aus der Insel-Bibliothek gleicherart gestaltet, wie es für die Bände aus dieser Reihe üblich ist. Erst bei näherer Betrachtung stellt der bibliophile Leser / Sammler fest, dass buchbinderisch leider etwas „gespart“ wurde und anstelle der Faden- eine Klammerheftung der einzelnen Bünde getreten ist. Zugegeben eine durchaus stabile, aber dennoch optisch weniger ansprechende Art der Blattfixierung, zumal die Metallklammern zur Korosion neigen und unansehnliche Flecken verursachen. Ansonsten sind der recht grobfaserige Bedruckstoff, sowie die Ausführung des Drucks für den die Spamersche Buchdruckerei zu Leipzig firmiert der Zeit entsprechend. Gesetzt wurde der Text in Fraktur.

Buchdaten:

  • Titel: „Alemannische Gedichte in Auswahl“
  • Autor: Johann Peter Hebels
  • Umfang: 80 Seiten
  • Verlag: Insel-Verlag Frankfurt am Main; 1. Auflage 1919
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 12,2 x 0,9 cm

1)  Kindlers Literatur Lexikon Bd.7, S. 495

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