Lyrische Glaubenswanderung – Rezension zu „Aus des Angelus Silesius Cherubinischem Wandersmann“ – Johann Scheffler

By | 4. August 2018

Lyrische Glaubenswanderung – Rezension zu „Aus des Angelus Silesius Cherubinischem Wandersmann“ – Johann Scheffler„Das größte Wunderding ist doch der Mensch allein:
er kann, nachdem er’s macht, Gott oder Teufel sein.“ (S.27)

Zum Inhalt:

Johannes Scheffler, so zu lesen im Nachwort, wurde 1624 in Breslau geboren, wo er auch 1677 verstarb. Geprägt wurde sein Werk durch die intensive Auseinandersetzung mit katholischem Gedankengut ebenso wie jenem des Protestantismus. Diesen Spagat erspürt der Leser auch immer wieder, in die Lyrik dieses Bändchens aus der Insel-Bibliothek eintauchend.

Die Epigramme, tituliert als „Geistreiche Sinn- und Schlussreime“, verfasste der unter dem Namen Angelus Silesius – Schlesischer Engel – publizierende Theologe und Arzt, primär in Form gereimter Alexandriner. Grobtextuell teilt sich der Inhalt des Bandes in 7 Abschnitte, deren letzter, „Aus der heiligen Seelenlust * Geistliche Hirtenlieder“, sich von den übrigen vorwiegend zweizeiligen Sprüchen durch den Liedtextcharakter abhebt.

Ein (sehr) kurzer biografischer Abriss, dem Leser einen telegrammstilartigen Einblick in das bewegte Leben des phiosophisch wie auch naturwissenschaftlich gebildeten, tief in christlichem Glauben verwurzelten Lyrikers eröffnend, findet sich noch am Schluss.

Fazit:

Auf den Stil, die Wortwahl und die oft auf den ersten Blick fordernden Paradoxien, gekleidet in Reimform muss man sich als Leser einlassen. Hat man diese Hürde erst einmal gemeistert, erschließt sich Johannes Schefflers Lyrik in herber, beinahe als bodenstädnig zu bezeichnender Direktheit ohne jedoch ungeschliffen zu wirken.

Zum einen ein Zeitzeugnis, zum anderen noch immer ein Quell wohlartikulierter mystischer Glaubenswahrheiten, die in Worte zu fassen per se schon grenzwertig schwierig ist. In jedem Fall eine lohnenswerte Lektüre in einem schönen Rahmen präsentiert.

Zum Buch:

Der mir vorliegende 41ste Band der Insel-Bücherei ist leider schon etwas mitgenommen: Die einzelnen Bünde sind nicht, wie sonst bei den Ausgaben des Verlages üblich, Fadengebunden, sondern mit Metallklammern geheftet, welche über die Jahre hinweg oxydiert sind (siehe hier). Die Stockfleckigkeit des Bedruckstoffes spricht hier ebenfalls für eine zu feuchte Lagerung des Buch.

Gestalterisch schön reiht sich „Aus des Angelus Silesius Cherubinischem Wandersmann“ nahtlos in die anderen Bücher aus der Insel-Bücherei-Reihe ein. Die Einbandgestaltung nimmt Bezug auf das zentrale Thema der Verse Schefflers, die Typografie ist übersichtlich, angenehm schlicht und flüssig lesbar. Die Buchdeckel sind stabil ausgeführt und der Druck sauber ausgeführt.

Buchdaten:

  • Titel: „Aus des Angelus Silesius Cherubinischem Wandersmann“
  • Autor: Johannes Scheffler
  • Umfang: 56 Seiten
  • Verlag: Insel Bücherei; Inselverlag Nr. 41
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 12 x 0,8 cm

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