Medizin war der Tee zuerst, Getränk wurde er danach…

By | 13. September 2013

"Das Buch vom Tee" - Kakuzo Okakura„Vielleicht offenbaren wir uns zu sehr in kleinen Dingen, weil wir so wenig Großes zu verraten haben.“ (S.14)

Zum Inhalt: Kakuzo Okakura „ließ nicht nur uns Menschen der westlichen Welt etwas von der Schönheit fernöstlicher Ideale schauen, er war auch seinen eigenen Landsleuten Führer zu ihr.“ Dies beschreibt auch den Weg, den der Autor zusammen mit dem Leser in den 74 Seiten geht. Ein Weg, an dessen Beginn und Ende das einfache Getränk des Tees steht; sozusagen als Klammer welche auseinanderdriftende, oberflächlich betrachtet widersprüchliche Kulturen, Ansichten oder Weltanschauungen fruchtbringend umschließt.
Schon die Überschriften der sieben Kapitel in die der Text unterteilt ist, lassen erahnen, dass es sich nicht um eine Anleitung für das Kochen von Tee handelt. Vielmehr führt uns Okakura durch Geschichte, Philosophie und Glaubensschulen hin zu einem beginnenden Verständnis für die Kultur, das Lebensgefühl und manche Beweggründe asiatischen Handelns und Denkens. Immer wieder wird aus dem reichen Fundus an bildender Kunst Japans,Chinas und Indiens zitiert, werden Analogien zum Westen gefunden, die auch heute, 100 Jahre nach dem Tod Kakuzo Okakuras, aktueller den je klingen. Anhand der Geschichte des Tees, gewährt uns Okakura Einblick in die Seele eines Volkes, das den Westen zu recht immer schon fasziniert hat. Der Autor besitzt dabei die Größe sich jedweder Anbiederung an Kulturen zu enthalten, wissend, das ein Verständnis um die Ordnung der Welt im Inneren jedes einzelnen beginnt und endet. Eine Emanation dieses Innersten einer Weltanschauung war und ist die Kultur des Tees.

Kapitel:

  1. Die Schale der Menschheit
  2. Die Schulen des Tees
  3. Taosimus und Zen-Lehre
  4. Der Teeraum
  5. Wertung der Kunst
  6. Blumen
  7. Teemeister

Fazit: Mit dem Band Nr. 274 „Das Buch vom Tee“ aus dem Insel-Verlag hält der Leser eines jener Bücher in Händen, an deren Ende sich ein wenig Melancholie einschleicht, angesichts der Tatsache, dass das Lesen mit der letzten Seite nun zu Ende sei. Man hält noch ein wenig inne, wie diese angehaltenen Filmszenen, die einem kurz die Möglichkeit bieten den Augenblick scheinbar zu konservieren. Eben nur scheinbar; und um so unbarmherziger schlägt das „normale“ Leben anschließend über dem Kopf wieder zusammen. Sich aus der Welt hinauslesen und doch tiefer in ihr Verständnis einzudringen als vor der Lektüre, so kann man das Leseerlebnis, wenn auch unvollständig, zusammenfassen.

Zum Buch: Das Buch ist hervorragend verarbeitet. Es liest sich, gesetzt in der Schrift Linotype-Geramond, angenehm und auch das Papier ist, wie bei den Insel-Verlag-Büchern üblich, darauf ausgelegt auf lange Zeit ein treuer Begleiter des Literaturbegeisterten zu sein.

Buchdaten:

  • Titel: “Das Buch vom Tee”
  • Autor: Kakuzo Okakura
  • Gebundene Ausgabe: 74 Seiten / 1959
  • Verlag: Insel Verlag
  • Sprache: Deutsch (Übertragen von Horst Hammitzsch)
  • Größe und/oder Gewicht: 18,5 x 12 x 0,8 cm

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