Nordische Romantik

By | 30. September 2013

"Synnöve Solbakken" - Björnson Björnstjerne„Die Felswände aber begannen sich schwer auf das Tal zu legen, jetzt, wo der plündernde Herbst sie entkleidete und ihnen ein ernsthaftes Angesicht gab, während sich die Felsbäche , die im Sommer hin und wieder Leben gezeigt hatten, jetzt übermütig aufbäumten und mit lautem Lärm hinunterschäumten.“ (S.73)

Zum Inhalt: Die Handlung lässt sich recht kurz auf die Liebesgeschichte zweier Bauernkinder, Synnöve und Thorbjörn, zusammenfassen. So ist es denn auch nicht so sehr die Handlung, die letzten Endes in der Läuterung des Hitzkopfes Thorbjörn endet, welcher sich somit seiner geliebten Synnöve als würdig erweist, die den Leser fesselt, als vielmehr ein Gesellschafts- und Sittenbild des norwegischen Bauerntums, das erstmals bei Bjørnson zu einer soziologisch realistischen Differenziertheit gelangt, die abseits der bisherigen idealisierten Darstellung liegt. Die Geschichte verabsäumt auch nicht die facettenreiche Schilderung des Verhältnisses der Nordländer zum ländlich geprägten Christentum. „Man kann deswegen norwegische Bauern – weder gute noch schlechte – nicht zeichnen, ohne irgendwo mit der Kirche in Berührung zu kommen.“ (S.15). Die Begleitung der beiden Kinder Synnöve und Thorbjörn von der Wiege bis zu ihrer Reife als Teil der Erwachsenengesellschaft gewährt dem Leser stets neue Blickwinkel, um Wesenheiten dieses Schlages von Menschen besser verstehen zu lernen.

Fazit: Es handelt sich bei dieser Erzählung Björnsons um die erste einer Reihe von Geschichten aus der Feder dieses Autors, welche die norwegischen Bauern zum Gegenstand haben. Besonders zeichnen sich die darstellenden Charaktere durch eine individuelle Ausformung und ihre stark personalisierte Sprache aus. Zum einen wird die Kargheit eben dieser Sprache in Widerspiegelung der Lebensverhätlnisse, wie auch die nüchterne Art mit Gefühlen umzugehen, resp. sie, wenn überhaupt, auszudrücken, eindrücklich geschildert. Zum anderen werden auch die tiefer liegenden Ursachen dieser „Wortlosigkeit“ beleuchtet. So wird über Thorbjörn als zentrale Figur folgendes festgehalten: „Da er meistens bei dem Vater war und nicht wagte, sonderlich viel mit ihm zu reden, wurde er wortkarg, obwohl er keineswegs gedankenarm war.“ (S.5). Diese subtile Differenziertheit in der Betrachtung seiner Protagonisten zeichnet Bjørnson in seinen Erzählungen aus.
Eine Randbemerkung für Cineasten sei noch angefügt: die Erzählung wurde von Tancred Ibsen, einem Enkel Henric Ibsens und Bjørnstjerne Bjørnson, 1934 verfilmt.

Zum Buch: Wie nicht anders zu erwarten, da ein Teil der Insel-Verlag-Serie, ist das Buch ausgezeichnet verarbeitet, sehr schön gestaltet und typographisch sauber erstellt.

Buchdaten:

  • Titel: “Synnöve Solbakken”
  • Autor: Bjørnstjerne Bjørnson
  • Gebundene Ausgabe: 90 Seiten / 1954
  • Verlag: Insel Verlag
  • Sprache: Deutsch (Übertragen von Mathilde Mann)
  • Größe und/oder Gewicht: 18,5 x 12 x 1,0 cm

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