Philosophie und Politik – (k)ein Widerspruch?

By | 5. April 2015

"Politische Philosophie" - Eberhard Braun, Felix Heine, Uwe Opolka„Philosophie begründet ein Weltverhältnis, das auf Vernunft fußt… Philosophie fragt nach Gründen und Ursachen. Behauptungen, Forderungen werden nicht deshalb als gültig angenommen, weil hoch achtbare Autoritäten – seien es menschliche oder gar göttliche – sie verkündet haben.“ (S.20)

Zum Inhalt: Braun, Heine, Opolka wagen in ihrem Lesebuch eine philosophisches Abenteuer: Seit Menschen sich in Gruppen organisieren, liegt ihr bestreben darin Ordungen, Regeln, Zusammenhänge zu finden, deren Grundlagen oder Rechtfertigungen möglichst allgemeingültig definiert werden können. Das Buch baut hierbei primär auf den Quelltexten der betrachteten Geistesväter zentraler Ideen der Politik im philosophischen, historischen und auch praktischen Sinne auf.
Für die Antike kommen dabei Platon, Aristoteles und Epikur, für die Zeit der Spätantike bis zur frühen Neuzeit Aurelius Augustinus, Thomas v. Aquin, Niccolo Machiavelli, sowie Martin Luther, für die Neuzeit Thomas Hobbes, John Locke, Charles de Montesquieu, Adam Smith, Jean -Jacques Rousseau, Immanuel Kant und Georg Willhelm Friedrich Hegel zu Wort. Die Gegenwart wird repräsentiert durch John Stuart Mill, Karl Marx, Friedrich Engels, Michail A. Bakunin, Max Weber, Karl Raimund Popper, John Rawls und Jürgen Habermas. Dabei ist den Autoren durchaus klar, dass ihre Auswahl eben immer auch nur eine solche sein kann: „In diesem Buch sind nur wenige Stimmen, zuweilen sogar äußerst disonante, aus dem Konzert der Philosophie der Gegenwart vertreten. Dass sie einmal wieder in einem harmonischen Einklang zusammenstimmen werden, dass die Philosophie wieder zu ihrer Geschlossenheit zurückfindet, ist wenig wahrscheinlich und wohl auch nicht wünschenswert. Denn der Preis wäre vermutlich hoch, wäre die Restauration eines metaphysischen Denkens, das bisher jedenfalls nur in solchen Gesellschaften blühen konnte, die zwar überschaubarer und <anheimelnder> gewesen sein mögen als die unsere, dafür aber auch weniger pluralistisch und sozial wie ideologisch äußerst repressiv gegenüber weitesten Bewölkerungsschichten (man denke nur an die Sklaven in der Antike und die Bauern im Mittelalter) – Gesellschaften, die wohl weniger menschheitsbedrohend waren als die gegenwärtige, aber auch arm an Potentialen und Zukunftsperspektiven.“ (S.349)
Den Originaltexten, oder vielmehr Ausschnitten, folgt stets eine profunde Analyse, resp. Erläuterung derselben, sowie der Versuch einer Einordung in ein mögliches philosophisch-historisches Gesamtbild, die es auch einem nicht Vollzeit-Philosophen ermöglicht den durchwegs anspruchsvollen Text für sich zu erschließen.
Ein ausführliches Literaturverzeichnis, sowie ein hilfreiches Namensregister runden den positiven Gesamteindruck des Buches ab.

Fazit: Auf den 506 Seiten des Textes ist es den Autoren gelungen ungemein dicht gepackte Informationen „aus erster Hand“ in einen geschichtlich aufgereihten Kontext zu stellen, der es dem Leser erlaubt Zusammenhänge zu entdecken, Entwicklungen in neuem Licht zu sehen, sowie Ankerpunkte der Entwicklung unseres neuzeitlichen Verständnisses von Politik zu finden, an denen Theorien und Ideen festgemacht werden können, die unser Leben als Bürger, als zoon politikon, definieren.

Zum Buch: Stabil, das ist der erste Eindruck den der solide verleimte Buchblock hinterlässt. Die Einbandgestaltung ist minimalistisch schlicht, die Typografie sauber systematisierend und ausgeführt; der Druck, auch der Schwarz-Weiß-Bilder und  -Diagramme ist auf technisch hohem Niveau realisiert. Summa summarum liefert der Rowohlt Taschenbuch Verlag ein solide gearbeitetes Buch ab, das seinen Preis auf jeden Fall wert ist.

Buchdaten:

  • Titel: „Politische Philosophie“
  • Taschenbuch: 506 Seiten
  • Autoren: Eberhard Braun, Felix Heine, Uwe Opolka
  • Verlag: rororo
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499557002
  • ISBN-13: 978-3499557002
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,4 x 3,2 cm

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