Plastisch, dualistisch, durchwachsen…

By | 9. Oktober 2015

"Die Bildwerke des Bamberger Doms" - Karl Gröber„Alle Arbeit an mittelalterlichen Domen ist Gemeinschaftsarbeit in höchstem Sinn.“ (S.49)

Zum Inhalt: Der Band Nr. 140 der Insel-Bücherei wirft ein – man möchte sagen – Zwielicht, im Sinne eines höchst dualen Eindruckes, auf einige ausgewählte Werke plastischen Schaffens im großen künstlerischen Ganzen des Bamberger-Doms. Dual auch im Sinne der Aufteilung in einen Bildteil mit 46 Bildtafeln nach fotografischen Aufnahmen von Karl Gröber.

Ebendieser verfasste auch das Geleitwort, welches – aus meiner Sicht – den inhaltlichen Gesamteindruck des Werkes etwas trübt. Neben durchaus informativen Schilderungen bezüglich der historische Entwicklung des Doms, seiner Ursprünge und der wechselhaften Historie zwischen Zerstörung und Wiederaufbau findet sich leider immer wieder ein stark völkischer Einschlag mit der glorifizierenden Übersteigerung des Deutschtums seinen Niederschlag. Hier ein bezeichnendes Beispiel: „Jede Figur ist für sich ein vollendetes Kunstwerk, und in ihrer Gemeinsamkeit gehören sie zum Allergrößten, was unser Auge schauen kann: die letzte Erfüllung deutschen Kunstwillens und deutschen Könnens.

Denn überaus deutsch sind all diese hehren Gestalten, und nichts kann den deutschen Helden besser versinnbildlichen als der Reiter, und nichts kann das stolze Weibsideal der staufischen Kaiserzeit schöner und klarer geben als die beiden symbolischen Frauengestalten der Ecclesia und der Synagoge.“ (S.55)

Fazit: Kunsthistorisch ist das Buch ein sehr schöner Ausgangspunkt den Schatz an plastischem Schaffen am Bamberger-Dom zu erkunden. Man kommt nicht umhin den Steinmetzmeistern, die diese wundervollen und zeitlos scheinenden Archetypen künstlerischen Schaffens in Stein festgehalten haben, den tiefsten Respekt zu zollen, auch wenn sie namentlich nicht bekannt sind (siehe Eingangszitat).

Der Text ist zwar in mancher Hinsicht hilfreich sich anhand der Bildtafeln Details zu vergegenwärtigen oder einen Überblick zu sehen, aber in der Regel etwas zu schwülstig und teils hart an der Grenze des noch erträglichen was Nationalismen angeht.

Zum Buch: Den wiederum für diesen Band individuell und thematisch passend gestaltete Umschlag „entwarf Werner Meyer unter Verwendung von Motiven eines im Bamberger Domschatz aufbewahrten Krönungsmantels.“ (S.60) Der Druck auf Hochglanzpapier ist ausgezeichnet gelungen und in allen Schwarzweiß-Bildtafeln trägt eben diese Darstellungstechnik zu einer klaren Detailsicht auf das Wesentliche in den abgebildeten Plastiken und Kompositionen bei.

Die typografisch stimmig verwendete Fraktur ist leicht lesbar und gestochen scharf wiedergegeben. Wie bei den Bänden aus der Insel-Bücherei nicht anders zu erwarten ist die Fadenheftung exzellent ausgeführt.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Bildwerke des Bamberger Doms“
  • Autor: Karl Gröber
  • Umfang: 60 Seiten
  • Verlag: Insel Bücherei; Erstauflage 1938 (Nr. 140)
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 13,2 x 0,8 cm

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