Postapokalyptisch par excellence -Rezension zu „Ödland – Der Keller“ von Christoph Zachariae

By | 23. Dezember 2017

Coverbild "Ödland - Der Keller" - Christoph Zachariae„…Narben, die Landkarte der Schmerzen…“ (S.220)

Zum Inhalt:

An Tristesse ist die Welt wenige Jahrzehnte nach dem großen Crash wohl nicht zu überbieten. Die wenigen Überlebenden vegetieren in Kleingruppen dahin, das Gesetz des Stärkeren, aber vor allem jenes des Skrupelloseren regiert. Nur an wenigen Tagen schafft es eine fahle Sonne durch den asche- und staubverhangenen Himmel ein oder zwei Bündel ihrer Strahlen auf ein ausgedörrtes, karges und beinahe lebloses Land zu werfen.

In dieser Welt findet eine Gruppe, deren Versteck die Kellerbauten einer verfallenden Universität sind, eine Kind vor ihren Toren: Mega. Man überwindet die anfänglichen Bedenken, holt es herein und gibt ihm ein zu Hause. Mega wächst auf, die Bande zu ihren Mitbewohnern werden enger, doch stets bleibt dieser Stachel im Denken, dass es ein Leben vor dem Keller gab. Ein Leben in dem Mega eine Geschichte hatte. Nicht zuletzt erinnert sie ein Tattoo unter dem Auge stets an eine Zeit an die sie keine fassbaren Erinnerungen hat.

In all diese Grübeleien kommt die kalte Erkenntnis, dass es den wenigen Menschen im Keller an essentiellen Ersatzteilen fehlt, um ihre überlebensnotwendige Wasseraufbreitungsanlage in Funktion zu halten. Viele wurden schon ausgeschickt, an die Oberfläche ins Ödland geschickt, um eben diese Teile zu suchen. Alle hatte das Glück nicht auf ihrer Seite. Mega erreicht ein Alter in dem sie zum einen ihren Rettern etwas schuldig zu sein glaubt, zum anderen mehr über die Welt da draußen erfahren will. So ist sie die logische, vielmehr einzige noch zur Verfügung stehende Chance, der Gemeinschaft Hoffnung zu geben. Ausgestattet mit einem soliden Training und allem an bescheidener Technik, aber einer Unmenge an guten Wünschen und Hoffnung beginnt sie ihre ungewisse Odyssee in eine Welt in der Grausamkeit die einzig gültige Währung scheint…

Parallel zur Geschichte Megas tritt Hagen auf die Erzählbühne. Als Anführer eines Haufens marodierender Männer, wird er von diesen respektiert, nicht zuletzt aufgrund seiner kalten, berechnenden Führungsqualitäten, die er stets auf’s Neue unter Beweis stellen muss. Denn nichts ist hier draußen tödlicher als Schwäche. Härte, intrigante Berechnung, Gräueltaten und Gewalttätigkeit prägen die Tage des barbarischen Haufens unter Hagens Führung. Zwischen Hagen und Mega scheint es einen Konnex zu geben, der jedoch mehr als vage bleibt….

Fazit:

Christoph Zachariaes Auftakt der „Ödland“-Story ist in sich stimmig, bildgewaltig, ernüchternd und von spröder Schönheit, sofern man dies von einer Dystopie behaupten kann. Der Text ist aufgrund seiner expliziten Schilderung von Gewalt in einer postapokalyptischen Welt nichts für zart besaitete Gemüter. Doch eben diese Schonungslosigkeit wird nicht um ihrer selbst willen heraufbeschworen, sondern legt sich über eine Welt deren Credo einzig und allein das Überleben ist – und zwar um jeden Preis.

Die eingängige Sprache Zachariaes verleiht dem Erzählfaden Spannung, ebenso wie Leichtigkeit, dies in einer Intensität, die man in vielen Dystopien teils vergeblich sucht. Dass der Band mit einem Cliffhanger endet liegt in der Natur der Sache – die Geschichte ist schließlich als Pentalogie angelegt – und macht definitiv Lust auf mehr.

Zum Buch:

Schon der erste Eindruck, welchen der Band vermittelt, schraubt die Erwartungen an die handwerkliche Kunst der Umsetzung in die Höhe. Und vorab kann schon festgehalten werden: der bibliophile Leser wird nicht enttäuscht! Vielmehr hält er ein Buch in Händen, welches mit Fug und Recht als Gesamtkunstwerk durchgeht. Neben solider buchbinderischer Verarbeitung in puncto Verleimung, Haptik und solider Buchdeckelausführung, fällt sofort ins Auge, dass hier typografisch, zeichnerisch und konzeptionell Profis am Werk waren.

Die künstlerische Gestaltung der Typografie ist gewagt, unterstreicht den Grundton der Erzählung, dies ohne sich unangemessen in den optischen Vordergrund zu drängen, jedoch immer  unterstreichend präsent zu sein. Das Ensemble des Coverbildes drückt Stimmung, Timbre der Sprachmelodie und handwerkliche Raffinesse zu gleichen Teilen aus. In Sachen Gedrucktes ist der erste Band der als Pentalogie angelegten Reihe für mich definitiv ein Highlight dieses Lesejahres!

Was nicht grundsätzlich mit dem Buch zu tun hat, jedoch nicht unerwähnt bleiben sollte – und mithin der Grund meiner Titulierung als Gesamtkunstwerk ist – ist die Verfolgbarkeit der Entstehung / Weiterentwicklung der bewegenden Geschichte als hochwertig gestalteter Webinhalt unter folgendem Link „Ödland – Lucid Dreams“.

Buchdaten:

  • Titel: „Ödland – Der Keller“
  • Autor: Christoph Zachariae
  • Umfang: 240 Seiten
  • Verlag: Lucid Dreams eBook Verlag; 2015
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-00-050110-4
  • Größe: 21,6 x 14,0 x 1,5 cm

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