PSR – Der point of safe return

By | 23. Juli 2016

PSR - Der point of safe return - "Die Umkehr der Meridian" - Carlos Rasch„»Orangeroter Himmel und tiefschwarz dunkle Nacht,
der Sterne reines Leuchten in dicht gesäter Pracht…«“ (S.47)

Zum Inhalt: In 12 Kapiteln schildert Carlos Rasch den Expeditionsflug der drei Schiffe ‚Sierra‘, ‚Kallisto‘ und ‚Meridian‘, wobei der Flug, sowie die Kulisse der Schiffe vor allem dazu dient eine Darstellung gesellschaftlicher Strukturen im Jahre 2232 zu beschreiben, wie sie sich Rasch vorstellte. Auch hier zieht sich die positive Sichtweise des Autors im Hinblick auf die Entwicklung der Menschheit durch, was sich auch in seinen anderen Texten immer wieder niederschlägt (siehe z.B. ‚Der Untergang der Astronautic‘,‚Das unirdische Raumschiff‘ oder seine Ausführungen zum Thema phantastische Literatur im Almanach ‚Lichtjahr 3‘).

Die Handlung siedelt Rasch zwischen dem Unglück der ‚Astronatic‘ vor 20 Jahren und dem Abflug der ‚Trans-Sol 1‘ in Richtung Epsilon Eridanus an. Dreh- und Angelpunkt stellt die psychische Entwicklung des Ingenieuers Suko Susako dar, dessen verheimlichte posttraumatische Störung nach einem Flugzeugabsturz in den einsamen Tiefen des Alls und unter den beengten Verhältnissen des Raumers ‚Meridian‘ kulminiert. Die freiwillig in der ‚Meridian‘ verbliebenen Raumfahrer haben es sich zum Ziel gesetzt unter Aufbringung aller technischen und menschlichen Möglichkeiten den Außenrand des Sonnensystems nach Hindernissen abzusuchen, welche dem geplanten überlichtschnellen Flug zu anderen Sternensystemen gefährlich werden könnten. Hierbei kommt es beim Umkehrmanöver durch den Peilstrahl aus einem eben dieser Sternensystem zu einem technischen Problem im Antrieb.

Suko gehen die Nerven durch und mit einer unüberlegten Schaltfolge legt er den Raumer beinahe lahm. Es beginnt ein monatelanger ungewisser Flug Richtung Sonne, um zumindest die gesammelten Daten in Reichweite von bemannten Schiffen zu bringen, damit die Wissenschaftler der Erde sie bergen und auswerten können. Jedoch spitzt sich dabei die Situation um Sukos Psychose immer mehr zu und eskaliert schließlich. Eine Rettung scheint mehr als fraglich und die Mannschaft der ‚Meridian‘ stellt sich die Frage, ob sie das gleiche unvermeidliche Schicksal wie die Raumfahrer der ‚Astronautic‚ ereilen wird.

Fazit: Zwischen Raschs Erzählungen ‚Der Untergang der Astronautic‘ und ‚Das unirdische Raumschiff‘ stellt dieser Text den historisch-erzählerischen Konnex dar, wobei eine weitere Facette des Lebens im Raum und den damit verbundenen Implikationen beleuchtet werden. Bei allen Errungenschaften, die das Leben im Jahr 2232 zu bieten hat, bleibt der Mensch mit seinen Urängsten doch stets aufs Neue konfrontiert und nur sein Umgang damit in Hinblick auf ein größeres Kollektiv weist ihn als gereift oder gescheitert aus.

Auch hier, ebenso wie in ‚Das unirdische Raumschiff‘ ist Raschs Universum dem Menschen gegenüber neutral, so lässt er Haton sagen »Der Kosmos ist ungefährlich, aber wenn er zupackt, tut er es blitzschnell.« (S.112). Es ist der Mensch resp. die Menschheit, welche im kosmischen Gefüge ihr Schicksal zu gestalten imstande ist, stets jedoch an den unumstößlichen Gesetzen größeren Seienswelten gemessen wird, als die des einzelnen Lebens.

Dabei verneint Rasch keineswegs Individualität oder gar die Wertigkeit des einzelnen Menschen, streicht – seiner inneren Einstellung folgend – jedoch stets hervor, dass mit den individuellen Stärken und Fähigkeiten die moralische Verantwortung des Einzelnen für das Gesamte wächst. In Summe eine spannende und sozial- und literaturhistorisch ansprechende Erzählung, die auch 50 Jahre nach ihrer Ersterscheinung Tiefgang beweist.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Umkehr der Meridian“
  • Autor: Carlos Rasch
  • Ausgabe: EBook Edition Digital 2015 2)
  • Verlag: Edition digital ®
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-95655-514-5 (E-Book)
  • Dateigröße: 1,25

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die PDF-Ausgabe des Rezensionsexemplares

(2) Die Druckausgabe erschien erstmals 1966 im Militärverlag, Berlin.

Merken

Merken

Weitere thematisch passende Einträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.