Requiem für eine Schreckse…

By | 9. Juni 2014

Der Schreckesnmeister von Walter Moers»Blödsinn, Verträge sind dazu da, gebrochen zu werden! Aber ein Vertrag mit Eißpin – das ist eine andere Sache.«“ (S.67)

Zum Inhalt:

Seit dem Tod seines Frauchens, denn Besitzerin kann man bei einer Kratze keineswegs tituliert werden, lernt Echo die hässlichsten Seiten einer ohnehin kranken und verderbten Stadt Zamoniens kennen: Sledwaya. Diese Stadt steht für jedwede noch so abstruse Art von Leiden und Siechtum, welches sich ein Arzt oder Apotheker zu Gunsten des Gedeihens seines eigenen Geschäftes nur wünschen kann. Nur Schrecksen, an und für sich ob ihrer Heiltränke, Salben und Tinkturen in Zamonien geachtet meiden das Pflaster dieser Stadt noch mehr als die Pest.

Der Grund ist Succubius Eißpin, Schrecksenmeister von Sledwaya und erklärter Erzfeind der Schrecksen. Das Zusammentreffen dieses genial-grausam-verschrobenen Alchemisten mit der Kratze beschert ihr, die abgemagert und dem Tode nahe in einer Gosse vor sich hinvegetiert, ein mit allen nur erdenklichen lukullischen Freuden garniertes letztes Lebensmonat. So zumindest will es der Vertrag, den die Kratze mit Eißpin angesichts des Hungertodes schließt. Eißpin wiederum hält mit seiner Absicht, der Kratze beim nächsten Vollmond das Fett auszukochen, nicht hinterm Berg. Für seine erkleckliche Sammlung an in Fett konservierten  Ingredienzien aus ganz Zamonien wäre dies die Krönung und würde ihn befähigen den einzigen seiner noch gebliebenen Feinde zu besiegen: den Tod.

Kurz umrissen sind dies die Eckpunkte der vorliegenden Erzählung aus Zamonien, einer schillernden Welt in der vieles ähnlich der unseren, aber doch im wahrsten Sinne „verrückt“ ist. Echo als sympathischer Held der Geschichte ist ebensowenig und doch wieder eine Katze, wie Ubifanten mit Elefanten oder Ledermäuse mit Fledermäusen gleichzusetzen wären. Als scheinbar letzte Kratze Zamoniens dient Eißpin nicht nur sein Fett als Ingredienz seiner diabolischen Köcheleien, nein auch der Verstand einer Kratze ist einmalig, weshalb der Meisteralchemist ihr auch jede erdenkliche Information, jedwede Formel und die exotischsten Mixturen beibringt. „Echos Verstand, das wusste wiederum der Schrecksenmeister, besaß die einzigartige Fähigkeit, dieses umfängliche Wissen zu speichern, ohne dass es ihm zur Belastung wurde, ja, ohne dass er überhaupt ahnte, etwas von Bedeutung gelernt zu haben: ein friedliches Nebeneinander von Ignoranz und Intelligenz, welches so nur in einem Kratzengehirn herrschen konnte.“ (S.81) Von diesem einzigartigen Wesen wollte Eißpin die Essenz – sein Fett.

Es sieht beileibe nicht gut aus für Echo. Die einzigen, die ihm eventuell helfen könnten sind ein einäugiger Schuhu mit einem mächtigen Sprachfehler, eine Kolonie Ledermäuse, deren Weltbild ungefähr so schief hängt, wie ihre Schlafstellung, und … eine, nein die LETZTE Schreckse in Sledwaya. Nicht gerade die vielversprechendste Truppe gegen einen so ausgebufften Geist wie den Eißpins, aber… Zamonien war schon immer für eine Überraschung gut. Auch wenn sie nicht immer im Sinne eines Happy Ends verwirklicht wird, immerhin gehört ein tragisches Ende zum guten Ton einer traditionellen zamonischen Geschichte… oder nicht?

Fazit:

Ein wunderbares Stück zamonischer Kulturgeschichte, das als „wortspieltriebhaftes Märchen“ (Die Abendzeitung) ein sprühendes Feuerwerk an Witz, farbenfroher Magie und kaleidoskopischer Eindrücke rund um die Welt entstehen lässt, in der schon die „Stadt der träumenden Bücher“ den Leser versinken ließ. Einfach nur mehr als empfehlenswert!

Zum Buch:

Die Verleimung des Buchblockes ist grenzwertig, aber noch akzeptabel, das Papier der Seiten etwas grobfaserig, jedoch Druck im Kontext dieser Möglichkeiten ausgezeichnet. Den besonderen Reiz machen, wie auch bei seinen anderen Büchern, die Zeichnungen Moers aus. Ebendiese Zeichnungen, die auch auf dem Umschlag und dessen Innenseiten zu finden sind, machen das Buch als Ganzes zu einem kleinen Kunstwerk, in dem man auch gerne nur wegen seiner beredten Bildsprache blättert.

Buchdaten:

  • Titel: „Der Schreckesnmeister“
  • Autor: Walter Moers
  • Ausgabe: 383 Seiten
  • Verlag: Piper
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-492-25377-2
  • Größe: 19 x 12,5 x 3,2 cm

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