Rilke, Ella Fitzgerald, das Meer… und der Weg zu seinem Selbst

By | 2. September 2015

"Vergiss nicht, dass wir uns lieben" - Barbara Leciejewski„Ich glaube alles, was wirklich schön ist, ist immer auch ein bisschen traurig“, philosophierte Paula. (S.99)

Zum Inhalt: Zwei in die Welt geworfene Wesen, denn mehr sind sie zu Anfang nicht, finden sich bar jeder Erinnerung an ihr Selbst am jeweils anderen Ende eines lichten Waldstückes wieder. Eine Welt, die sich als geografisch und gesellschaftlich äußerst begrenzt präsentiert. Eine überschaubare Insel ist es, die der Mann und die Frau zu erkunden und für sich zu entdecken haben. Doch nicht die äußere Präsenz bereitet die essentiellen Probleme: es ist das Nicht-Gewisssein wer man ist, wo man seinen Ursprung hat, wie man zu dem wurde, was man ist. Doch was ist man? Oder lautet die Frage vielmehr: Was sind wir? „Zwei Fremde. Und dabei einander nicht fremder als sich selbst.“ (S.37)
Über die alltäglichen praktischen Herausforderungen, das Sich- und Sein-Gegenüber-kennenlernen, gelingt ein wattiertes Verdrängen, in das die Vergangenheit einen jähen Einbruch bringt. Eine Vergangenheit die an den Grundfesten von Menschen zerrt, die eben erst neu geboren wurden, mit dem Leben eines anderen als Hypothek. Dieser Zerreißprobe muss sich eine Beziehung stellen, entstanden in einem Beinahe-Paradies…
Fast als eine zu klassische Liebesgeschichte beginnend, stellt die Geschichte um Paula und Johannes den – aus meiner Sicht gelungenen – Versuch dar im Ansatz zu ergründen, was der Stoff sein könnte, aus dem tief gründende Beziehungen bestehen.

Fazit: Barbara Leciejewski gelingt es in ihrem Roman eine intensive Atmosphäre zweier Menschen einzufangen, deren Part so oder ähnlich auch manchem Leser als romantisches  Idealbild von Zeit zu Zeit erschienen sein dürfte. Die Autorin schafft es dabei, die haarfeine Grenze zum klischeehaften nur selten zu überschreiten und stimmige Charaktere zu schaffen, deren Handlungen im Licht einer Ausnahmesituation ohne grobe logische Friktionen nachvollziehbar sind. Neben dem Haupthandlungsstrang, den Paula und Johannes im Laufe des Buches spinnen, sieht man sich auch mit der Frage konfrontiert, was ethisch möglich resp. vertretbar sein kann / soll. Der einzige Wermutstropfen – aus meiner Sicht – ist jener der zu gedrängten Darstellung der Entwicklung der Persönlichkeit von Paula und Johannes in der Abgeschiedenheit der Insel. Hier wäre noch Potential eine feinere Feder im Ausarbeiten der Nuancen zu führen. Der erzählerische Spannungsbogen entwickelt sich organisch aus dem Handlungsverlauf, die Rechtschreibung ist vorbildlich und die Ausgestaltung der Dialoge als Stilelemente in der Herausarbeitung der Personen sehr gut getroffen, deren Zustand der Einsamkeit im allegorischen Bild der Insel ihren Widerpart findet.
„Man muss nicht Schriftstellerin sein, um zu schreiben, aber nur wenn man schreibt, kann man es werden.“ (S.3) Als Leser kann man sich auf diesen Werdegang nur freuen und sich die Autorin auf seiner Buchwunschliste vormerken.

Buchdaten:

  • Titel: „Vergiss nicht, dass wir uns lieben“
  • Autor: Barbara Leciejewski
  • Ausgabe: 193 Seiten
  • Verlag: Feuerwerke Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-945362-13-6
  • Größe: 1412 kB

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