Rousseau und die Französische Revolution

By | 2. April 2013

Durant_Kulturgeschichte_der_Menschheit_Bd_29_RueckenDurant_Kulturgeschichte_der_Menschheit_Bd_29_InnentitelDer Band 29 der „Kulturgeschichte der Menschheit“ von Will und Ariel Durant beschäftigt sich mit der Zeit rund um die Französische Revolution, jedoch nicht in der oft gefürchteten maschinengewehrartigen Aufzählung von Daten und trockenen, angestaubten Fakten. Es ist vielmehr ein kurzweiliges Lesebuch, eine Art Reiseführer durch das Leben der Protagonisten aus deren Sicht der Interessierte ein schillerndes Umfeld kennenlernt, wie es – leider – im Schulunterricht der Geschichte, schon aus rein zeitlichen Erwägungen, so nicht dargeboten wird.
Die allgemein Bekannten und oft zitierten Großen, wie Rousseu, Voltair, Grimm, d’Alembert treten heraus aus dem muffig, modrigen Bibliothekskontext, werden hineingestellt in ihre Zeit, ihren gesellschaftlichen, politischen, philosophischen und theologischen Hintergrund. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Menschen hinter der historischen Ikone gelegt. Dies sowohl in Hinblick auf dessen unzweifelhafte Stärken, jedoch auch auf Züge denen nichts ferner liegt als ein Vorbild abzugeben.
Wie, wo und mit wem lebten z.B. Rousseau und Voltair abseits der formellen, öffentlichen Auftritte, was bewegte sie persönlich, woran scheiterten sie, was empfanden sie als ihre großen Erfolge? Auf diese und noch einige weitere Fragen führen Will und Ariel Durant den Leser anhand von Zeitzeugenberichten, v.a. aber mittels Unterlagen, Briefen, Notizen die die Protagonisten selbst verfassten. So wird es möglich deren Werdegang als den eines individuellen Menschen mitzuerleben, mit Höhen, Tiefen und Emotionen.
Ein ausführliches Kapitel stellt all die kulturellen Flechtwerke der Zeit in den Kontext des Siebenjährigen Krieges und geht auf den Flickenteppich der politischen Landschaft Europas zwischen 1756 und 1763 ein. Weiters werden die Hintergründe der Entwicklungen rund um die Physiokraten, Kommunisten,  der Aufstand des Parlaments, bis hin zur Resignation des Königs plastisch geschildert.
Nachdem der Titel der Bücher Programm ist, kommen dabei Musik, Theater, Bildhauerei, die großen, Salons, sowie der Grundtenor von Moral und Anstand nicht zu kurz.
Ein Kapitel, welches mir persönlich aufgrund seiner konzeptionellen Klarheit und ausgezeichneten inhaltlichen Darstellung besonders gut gefallen hat, stellt jenes über den „Gesellschaftsvertrag“ – einem zentralen Werk Rousseaus – dar.
Im neunten Kapitel wird spezielle auf die politische, soziale und kulturelle Situtation Italiens im 18. Jahrhundert eingegangen. Dabei wird besonderer Wert auf die außerordentlichen Entwicklungen in Musik (Oper, Theater, Gesang, Instrumentenbau usw.) gelegt, unter Berücksichtigung der vielleicht etwas idealisiert dargestellten italienischen Mentalität 😉 .

Mit Seite 505 beginnt der Anhang, der schon für sich gesehen ebenfalls sehr informativ gehalten ist. Ein einfache Karte Europas um 1715 eröffnet den Reigen der Arbeitsmaterialien, die der Leser sicher dankbar des öfteren zu Rate ziehen wird, zumal oft im Text auf geografisch-politische Entwicklungen eingegangen wird, die einer Orientierung anhand einer geschichtlichen Karte bedürfen. Register und Bibliografie stellen einen fast ausufernden Fundus an Quellen und Information in dicht gedrängter Reihenfolge dar. Ab Seite 541 schließt ein Verzeichnis der Illustrationen an, gefolgt von einem detailierten Inhaltsverzeichnis.

Kontext des Bandes und formaler Inhalt:

  • Drei Bücher werden im Bd. 29 zusammengefasst
    • Erstes Buch:Vorspiel
      • Kap. 1: Rousseau, der Wanderer (1712 – 1756)
      • Kap. 2: Der Siebenjährige Krieg (1756 – 1763)
    • Zweites Buch: Frankreich vor der Sintflut (1757 – 1774)
      • Kap. 3: Das Leben des Staates
      • Kap. 4: Die Kunst des Lebens
      • Kap. 5: Voltair, der Patriarch (1758 – 1778)
      • Kap. 6: Rousseau, der Romantiker (1756 – 1762)
      • Kap. 7: Rousseau, der Philosoph
      • Kap. 8: Rousseau, der Ausgestoßene (1761 – 1767)
    • Drittes Buch: Der katholische Süden (1715 – 1789)
      • Kap. 9: Italia felix (1715 – 1759)
    • Anhang

Fazit: Wer lebendige Geschichte mit einem menschlichen Gesicht sucht wird hier auf jeden Fall fündig. Schwarz-Weiß-Malerei oder hehre Idealisierung findet der Leser hier nicht, dafür jedoch Historie, wie Menschen sie (er)lebten.

Zum Buch: Der stattliche, kompakte Buchblock weist eine sehr solide Bindung auf, das Papier ist ausgesprochen stabil und doch angenehm griffig. Die zwischendurch eingestreuten Schwarz-Weiß-Bildtafeln beleben das Buch ohne vom eigentlichen Inhalt und Lesefluss abzulenken. Ein sehr großes Manko stellen hingegen Buchrücken und -deckel dar, da sie, obwohl optisch ansprechend verarbeitet, in einer Art Kunststoff mit Lederoptik gehalten sind. Dort wo Buchrücken und Deckel im Falz aneinander stoßen bricht dieses spröder Material leicht auf.

Buchdaten :

  • Titel: “Kulturgeschichte der Menschheit – Rousseau und die Französische Revolution”
  • Verfasser: Will und Ariel Durant
  • Gebundene Ausgabe: 545 Seiten
  • Verlag: Editions Rencontre Lausanne
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzer: Ins Deutsche übertragen von Leopold Voelker
  • Größe und/oder Gewicht: 18,4 x 12,8 x 3,3 cm

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