Royale Streitereien

By | 14. Mai 2014

"Bruderzwist im Hause Habsburg" - Franz Grillparzer„Glaubst Du, es gäb‘ ein Sandkorn in der Welt
Das nicht gebunden an die ew’ge Kette
Von Wirksamkeit, von Einfluß und Erfolg?“ (S.16)

Zum Inhalt: Es sind die Zeichen des Dreißigjährigen Krieges, die am Horizont des Stückes bereits ein Fanal entzünden, dessen Widerschein über  das gesamte Trauerspiel seine scharfen Schatten legt. Rudolph  II, eingeschworener Katholik, jedoch nachsichtig gegenüber den ketzerischen Lutheranern seiner Zeit, residiert in Prag. Das ständige Hinterfragen der zweifelsohne oft zwielichtigen politischen Entscheidungen lässt ihn, der sich sehr wohl stets der kaiserlichen Würde bewusst ist, als willens- und antriebsschwachen Monarchen erscheinen.
Klessel ein machtgieriger Bischof wiegelt den Bruder Rudolf II, Matthias, auf, der unter diesem fatalen Einfluss einen Separatfriden mit den Türken schließt und sein Heer gegen Prag führt. Während Matthias von Wien aus mit der, wenn auch nicht uneingeschränkten Unterstützung der Erzherzöge regiert, wird Rudolf II, der die schicksalshaften Entwicklungen zu spät als solche erkennt,  im Schloß in Prag gefangen gehalten. Nach seinem Tod wird Matthias Kaiser und sich der Tragweite der Aufgabe bewusst, was ihn zurückschrecken lässt.
Parallel zu dieser großen, umfassenden Handlung zieht sich eine zweite, um die tragische Liebe des natürlichen Sohnes des Kaisers. Diesen Sohn, Don Cäsar, der durch eine tragische Hassliebe zum Mörder an seiner Geliebten wird, verurteilt Rudolf II als eine seiner letzten Taten noch zum Tode, in der Intention die göttliche Ordnung durch eine gerechte Bestrafung wieder herzustellen.

Fazit: Das Drama ist im fünffüßigen Jambus, der klassischen Form dieses Genres, gehalten und es bedarf ein wenig Übung, um in den rechten Lesefluss zu kommen. Aufgrund der genauen Studien der historischen Quellen, die übrigens auch Schiller für seinen Wallenstein verwendete, liest sich das Stück wie eine Geschichtsstunde – nur i.d.R. interessanter als jene die man für gewöhnlich aus Schulzeiten erinnert 😉 .

Zum Buch: Der Band mit der internen Nummer 28 stammt, wie auch die 9 anderen in dem Kartonschuber, von einem Flohmarkt. Die Seiten sind etwas vergilbt, sowie das Papier von minderer, stark faseriger Qualität. Die Verleimung resp. Heftung jedoch ist noch einwandfrei intakt, wenngleich der Buchrücken stark berieben ist. In diesem Band ist der Druck, welches von der Druckerei „Vorwärts“ in Wien V ausgeführt wurde, etwas besser als in den vorangegangenen Bänden, jedoch nach wie vor nicht sonderlich gut.

Buchdaten:

  • Titel: “Ein Bruderzwist im Hause Habsburg – Trauerspiel in 5 Aufzügen”
  • Autor: Franz Grillparzer
  • Seiten: 96 Seiten
  • Verlag: Apollo Verlag Lindau (ca. 1947)
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 17 x 12,5 x 0,4 cm

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