Seelenverwandt – Rezension zu „Dem Ozean so nah“ von Jessica Koch

By | 4. Dezember 2016

Titelbild "Dem Ozean so nah" - Jessica Koch„»In guten Zeiten Händchen halten ist einfach. In schlechten Zeiten nicht loszulassen, darauf kommt es an.«“ (Pos.4161)

Zum Inhalt:

Danny, wissend um die wesentlich absehbarere Endlichkeit seines Lebens, findet in Christina eine jener seltenen Personen im Leben eines Menschen, die man als seelenverwandt erkennt. Dabei könnten sie, zumindest den äußeren Umständen nach, nicht unterschiedlicher sein: er, offensichtlich erfolgreich, gesellschaftlich integriert – soweit er dies selbst zulässt – , sportlich und ohne Geldsorgen. Sie aus dem Milieu des Straßenstrichs kommend, stets auf der Suche nach dem nächsten Drogenflash. Danny sieht in Christina jedoch mehr. Sein feines inneres Gespür lässt ihn erahnen, was diese junge Frau derart derangiert hat, was sie aus der Bahn warf. Mehr und mehr entdecken die beiden, dass ihre Geschichten und somit ihr tiefes Verständnis und ihr Respekt füreinander auf ähnliche Quellen seelischen Leides zurückgeht. Quellen, die sie trotz unzähliger Versuche nicht versiegen lassen, deren Fluten sie aber gemeinsam trotzen können. Eine sehr spezielle symbiotische Gemeinschaft entwickelt sich für die beiden. Die vielen einzigartigen  Höhen, abgrundtiefen Täler und die wenigen kostbaren glücklichen Momente schweißen beide zusammen. Diese in jeder Hinsicht unbedingte Tragfähigkeit einer wertschätzenden Akzeptanz des jeweils anderen, ohne ihn deshalb mit Samthandschuhen anzufassen, lässt Außenstehende oft verständnislos, jedoch oft auch beinahe neidisch den Kopf schütteln. Einer ist dabei des anderen Anker in einem beängstigend weiten Ozean.

Fazit:

Im dritten und abschließenden Teil der Trilogie um Danny bleibt Jessica Koch ihrem authentisch frischen Schreibstil treu, entwickelt jedoch Erzählstil, sowie die Fertigkeit mit Bildhaftigkeiten zu arbeiten weiter. Sie versteht es die verworrene Tragik, die herben Rückschläge, die schicksalshafte Einzigartigkeit einer Beziehung zweier Menschen herauszuarbeiten, deren Überlebensstrategie in sysiphosgleichem Bemühen besteht, die auseinanderdriftenden Splitter ihrer Seelen in dem Puzzle ihres ureigensten Menschseins wieder zu vereinen. Der Text atmet mit jedem Satz Authentizität und den drängenden Wunsch den Fokus auf die dunklen Ecken in unserer Gesellschaft zu legen, in deren Untiefen gebrochene Schicksale wie jene von Christina und Danny ihren Ursprung nehmen. Unmissverständlich klingt somit auch die Aufforderung mit hin und nicht weg zu sehen. Eine Aufforderung, die wir nicht an Sozialarbeiter, Jugendpsychologen, Streetworker oder wen auch sonst immer abgeben können und dürfen. Mit dem Text dessen Schwerpunkt die in spezieller Weise innige Beziehung von Danny und Christina darlegt, verwebt die Autorin einige der aus den Vorgängerbänden noch offenen Fäden, wobei es sich – aus meiner Sicht – empfiehlt die Bücher in der Erscheinungsreihenfolge zu lesen. Und sie zu lesen ist mehr als nur lohnenswert!

Buchdaten:

  • Titel: „Dem Ozean so nah“
  • Autor: Jessica Koch
  • Ausgabe: Kindle Edition (356 Seiten Print)
  • Verlag: FeuerWerke Verlag (29. November 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B01N9BZF8X
  • Dateigröße: 1570 kB

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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