Sprachanatomie – Rezension zu „Geflügelte Worte“ – Georg Büchmann

By | 20. Mai 2017

Sprachanatomie - Rezension zu "Geflügelte Worte" – Georg Büchmann„Ein geflügeltes Wort ist ein in weiteren Kreisen des Vaterlandes dauernd angeführter Ausspruch, Ausdruck oder Name, gleichviel welcher Sprache, dessen historischer Urheber oder dessen literarischer Ursprung nachweisbar ist.“ (S.XI)

Zum Inhalt:

Im Groben zerfällt der Inhalt des Bandes in 5 in sich wiederum übersichtlich strukturierte Teilbereich. Beginnend mit einer „Einleitung“, zum Kern – den „Geflügelten Worten“–  nach verschiedensten Sparten sortiert, über einen Anhang, ein Namensverzeichnis, sowie ein nach Sprachen sortiertes Zitaten-Verzeichnis. Auf den letzten Seiten sind einige zeitgenössische Werbeschaltungen für Bücher abgedruckt, welche thematisch den Büchmann ergänzen könnten.
Bereits in der Einleitung wird klar dargelegt, was der Leser erwarten kann und welche Erfordernisse ein „geflügeltes Wort“ erfüllen muss, um in diesen Band aufgenommen zu werden:

„1. daß sein literarischer Ursprung oder sein historischer Urheber nachweisbar ist;
2. daß es nicht nur allgemein bekannt ist, sondern auch in den Gebrauch der deutschen Sprache überging und allgemein gebraucht oder angewendet wird;
3. daß Gebrauch und Anwendung nicht nur zeitweilige, sondern dauernde sind, wobei natürlich „Dauer” nicht „Ewigkeit” heißen soll.“ (S.XIII)

Der Text eignet sich ausgezeichnet als Referenz, als Einstieg auf der Suche nach Sinn- und Herkunft dieser sprachlichen Kondensate, die oft verwendet, jedoch – leider – sehr selten hinterfragt werden. Ein Stöbern in den Seiten verleitet nicht zu selten dazu, von einem Knotenpunkt zum anderen zu Springen und sich die Zeit vergessend in Bonmonts zu verlieren.

Fazit:

„Der Büchmann“ steht als Synonym für ein umfangreiches, gut recherchiertes Nachschlagewerk, wenn es um Redewendungen der deutschen Sprache und im historischen und zeitgenössischen deutschen Sprachgebrauch geht. Welcher der vielen verschiedenen Auflagen sich der Leser dabei zuwendet, mag durch Präferenz in Lesegewohnheit, typografischen Geschmack, der bibliophilen Ader oder schlicht dem Zugang zu einer gerade greifbaren Ausgabe bedingt sein. Jedem der sich etwas mit Sprachgeschichte beschäftigen möchte, der seinen aktiven wie passiven Sprach-/Wortschatz erweitern möchte oder der einfach Freude am ergründen der vielgestaltigen Landschaft der deutschen Sprache hat, dem sei dieses Werk ans Herz gelegt.

Zum Buch:

Die Buchdecken der hier beschriebenen  Auflage des Büchmann sind sehr minimalistisch gehalten, wenn auch handwerklich gut verarbeitet. Weder den Buchrücken noch den Frontdeckel ziert irgend eine Art von Schrift oder Verzierung. Der Text ist durchgehend in Fraktur gesetzt und sehr gut lesbar, was nicht zuletzt durch die typografischen Stilmittel gewährleistet wird, die zur Strukturierung des über weite Strecken lexikalisch gehaltenen Textes verwendet wurden. Der Bedruckstoff ist mäßig faserig und neigt etwas zum Vergilben, was jedoch der angenehmen Haptik des nun doch über 100 Jahre alten Bandes keinen Abbruch tut. Einen – wenn man so will – bitteren Beigeschmack aus bibliophiler Hinsicht hinterlässt die harsche Fixierung der Bünde mittels Metallklammern, die auf dem Seitenbedruckstoff unansehnliche Flecken durch Oxydation resp. Korrosion. hinterlassen.

Buchdaten:

  • Titel: „Geflügelte Worte – Der Zitatenschatz des deutschen Volkes“
  • Autor: Georg Büchmann
  • Umfang: 496 Seiten
  • Verlag: Haude und Spenersche Buchhandlung Max Paschke (Berlin, 1914)
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 19,4 x 12,4 x 3,5 cm

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