Tag Archives: Klassiker

Ein handbreit Flecken Boden vor meinen Augen – Rezension zu „Das Wiesenbuch“ von Karl Heinrich Waggerl

„Ich betrachte genau diesen handbreit Flecken Boden vor meinen Augen und zuletzt ist auch er eine große Welt, weitläufig und mühselig und schwer zu begreifen.“ (S.66) Zum Inhalt: Beinahe einen ganzen Jahreskreis begleitet der Autor seine Wiese, wie er sie bezeichnet, immer wieder eintauchend in die Fülle der Eindrücke, die ihm der „handbreit Flecken Boden vor seinen Augen“… Read More »

Von Siegern, Verlierern und dem großen Rest dazwischen

„»Man kann wohl durch einen Krieg reicher werden, auch klüger, auch härter – aber sauber wird keiner bleiben.«“ (S.324) Zum Inhalt: Die gut ausgerüsteten Truppen der Alliierten stehen auf deutschem Boden und die mehr als kriegsmüden Soldaten der Wehrmacht haben dem Anmarsch der Siegermächte nichts Wesentliches mehr entgegenzusetzen – und wollen dies auch Großteils nicht mehr. Nicht dass… Read More »

Frontberichte…

„Wenn der Krieg ein Gesicht hätte, würde ich ihm dort hineinspucken.“ (S.274) Zum Inhalt: Hauptmann Witterer, ein Heißporn wie er im Offiziershandbuch steht, sieht im vorgeschobenen Frontabschnitt welcher ihm zugeteilt wurde ein Karrieresprungbrett. Und er ist – sehr zum Leidwesen seiner Soldaten – ,getrieben von feurigem Elan und dem Durst nach Gefechten, auch darauf aus diese Chance wahrzunehmen.… Read More »

Zerstörende Besessenheit…

„Nichts ist grausamer, als ein vergöttertes Kind.“ (S.184) Zum Inhalt: Humbert Humbert, seineszeichens Literaturwissenschafter, ist des Mordes angeklagt. Des Mordes an seinem Nebenbuhler um die Gunst seiner Lolita. Er schreibt den Text als Geständnis, als Aufarbeitung der Ereignisse rund um die sehr einseitige Liebesbeziehung zu Lolita, die 1947 begann. Damals lernte er das zwölfjährige Mädchen kennen als er… Read More »

Das andere Ich…

„Das Leben war schön, und ich habe es geliebt. Doch manchmal denke ich, wenn wir alles wüßten, müßten wir eigentlich froh sein, es zu verlassen.“ (S.35) Zum Inhalt: Während eines sonntäglichen Spaziergangs mit seinem Freund Richard Enfield entspinnt sich zwischen dem Notar Gabriel Utterson und Enfield ein Gespräch über ihre irritierende Begegnung mit dem höchst eigentümlichen Mr. Hyde.… Read More »

von der Tragik des Getriebenseins

„»Darin liegt zugleich die Rettung und die Strafe des Menschen: Wenn er verkehrt lebt, so kann er sich etwas vortäuschen, so daß er das Furchtbare seiner Situation nicht sieht.«“ (S.53) Zum Inhalt: Wie bei vielen interessanten Texten stellt eine längere Reise den Rahmen für das literarische Gemälde, das Tolstoi in seiner Novelle malt. Bereits zu Beginn, quasi als… Read More »

Keineswegs 08/15

„»Drill ist das Paradies der Minderwertigen. Die wertvolleren und komplizierteren Naturen werden dabei eingeebnet; das ist das ganze Geheimnis.«“ (S.159) Zum Inhalt: „Die Kasernenweisheit des gefreiten Asch lautete: Vermeide jedes Risiko.“ (S.12), denn „Er [Herbert Asch] hatte einen intakten Verstand und gebrauchte ihn auch.“ (S.30).  So präsentiert sich Herbert Asch dem Leser als einer jener unzähligen Soldaten, ein… Read More »

Der weite Weg zur Fremdartigkeit…

„Die Solaristik – schreibt Muntius – ist eine Ersatzreligion des Weltraumzeitalters, sie ist Glaube, eingehüllt in das Gewand der Wissenschaft;…“ (S.199)) Zum Inhalt: Der Solaristik-Wissenschaftler Kelvin scheint an einem Höhepunkt seiner Forscherkarriere angelangt zu sein, als er auf jene Raumstation kommt, welche schon seit Jahren um den Planeten Solaris kreist. In einer schon an die 100 Jahre zählenden… Read More »

Sommervöglein, Metamorphosen und barocke Kupferstiche…

„Wenn es ein Werk verdient, aus der Distanz musealer Exklusivität in den Bereich persönlicher Aneignung und Erschließung erhoben zu werden, dann das vorliegende ›Neue Blumenbuch‹ der Sibylla Merian aus dem Jahre 1680.“ (S.87) Zum Inhalt: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Illustrationen im ersten Teil und dem anschließenden informativen Textteil erwartet den Leser auf den 158 Seiten dieser bibliophilen… Read More »

Identitätskrisen, Plagiate und die Pest…

„»…, bei der Nacht sind alle Kühe schwarz, selbst die schwarzen« – »Ja«, sagte sie, »auch die blanken Esel!«“ (S.63) Zum Inhalt: Wehmüller ist reisender Maler. Dies wäre an sich noch nichts außergewöhnliches, doch gelang es ihm eine besondere Technik zur Maximierung seiner Produktion und der Minimierung seiner Kosten zu erfinden, sowie zu perfektionieren: Das Schnellporträt. Er fertig… Read More »