Tor 2 – Rezension zu „Dem Horizont so nah“ von Jessica Koch

By | 5. März 2016

Umschlagbild - "Dem Horizont so nah" - Jessica Koch„Zeit genug! Ein Satz, an den ich mich später noch häufig erinnern sollte. Als klar wurde, dass wir niemals Zeit haben würden.“ (S.220)1)

Zum Inhalt: Danny und Jessica wären wohl nicht als Traumpaar bei einer Partnervermittlung zusammengestellt worden. Zu unterschiedlich sind ihre äußeren, aber vor allem ihre inneren Werte. Es ist Dannys unbändiger Elan, seine Lebensfreude, sein Charme und nicht zuletzt sein Aussehen, dass Jessica dann doch ein zweites Mal darüber nachdenken lässt, ihm eine Chance zu geben, in ihrem Leben eine größere Rolle zu spielen.
Zu diesem Zeitpunkt ahnt sie nicht, dass ihr gutbürgerliches, einfaches, strukturiertes Leben wie sie es bis dato kennt damit vorbei ist. Wie beinahe alle dauerhaften Beziehungen gestaltet sich das Zusammenraufen der beiden anfänglich schwierig, doch schon nach kurzer Zeit kann sich Jessica die ein oder andere Marotte Dannys nicht mehr mit ihren einfachen bekannten Verhaltensschemata erklären. Durch liebevolle Hartnäckigkeit erarbeitet sie sich das Vertrauen ihres Partners und seiner Freunde, wobei v.a. Dannys Seelenverwandte Christina mehr als nur Anker und Fixpunkt für beide ist.
Mehr und mehr taucht Jessica in eine Welt, deren pechschwarze Abgründe erschütternd und scheinbar bodenlos sind. Ihre Bindung an Danny – und umgekehrt – wird nicht nur einmal bis zum Zerreißen an den Vorurteilen einer spießbürgerlichen Gesellschaft auf die Probe gestellt. Es ist das Damoklesschwert der vorbestimmten Endlichkeit welches über Danny schwebt, das beiden eine Lebenszeit beschert, deren Intensität nur wenigen beschieden ist.
Wie werden Menschen mit einem Schicksal fertig, dessen Hohngelächter beinahe täglich von den Wänden der wiederkehrenden Albträume hallt? Wie geht man damit um, zu wissen nie ein „normales“ Leben führen zu können, nie auch nur die Chance zu erhalten dem geliebten Menschen alt zu werden, nie einen Anderen an sich heran lassen zu können oder gar zu dürfen? Und wie verarbeitet man all dies wissend, dass die Schuldigen daran die eigenen Eltern sind? Wie kann man in einer Welt deren banale Selbstverständlichkeit beinahe physisch schmerzt jeden einzelnen Tag überleben, wissend wie wertvoll und vergänglich das verrinnende Leben eines geliebten Menschen ist?
Fragen denen sich Jessica, Christina und Danny stellen müssen, ohne die Möglichkeit einer Wahl zu haben. Und doch erfährt Jessica in dieser derangierten Welt bedingungslose Freundschaft, wie sie sie noch nie erlebt hatte, Zusammenhalt ohne Hintergedanken und gelebte Wertschätzung, die weit über romantische Liebe hinausgeht.

Fazit: Wie fasst man das Gefühl in Worte, wenn ein Text nicht nur berührt, vereinnahmt, den Leser zu einem Teil der Ereignisse macht und Tage nach der Lektüre – und wahrscheinlich nie mehr – los lässt. Nur eine handverlesene Zahl an Geschichten schaffte dies bei mir bisher in der intensiven Form, wie es Jessica Kochs Buch vermochte. Es ist die Glaubwürdigkeit ihrer Akteure, die ambivalente Tiefe der Emotionen, die authentische Sprache, der Widerhall intensiven und vergehenden Lebens, welche bis in das Innerste vordringen, einem nicht selten den Magen verkrampfen, zu Tränen rührt und einen Hauch des Leides, aber auch der Hoffnung, der unbedingten Liebe mitfühlen lässt, die Danny und Jessica verbindet.
Ein Satz drückt den Eindruck des Textes für mich wohl am besten aus: Es war ein Privileg ihn lesen zu dürfen!

Buchdaten:

  • Titel: „Dem Horizont so nah“
  • Autorin: Jessica Koch
  • Ausgabe: Kindle Edition (470 Seiten Print)
  • Verlag: FeuerWerke Verlag (03/2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B01BWX94VY
  • Dateigröße: 2242 KB

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die PDF-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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