Triptychon – Rezension zu „Antarktis 2020“ – Alexander Kröger

By | 9. September 2017

"Antarktis 2020" - Alexander Kröger„Ein gewonnener Mensch ist ein Motor, ein gezwungener eine Bremse.“ (S.187)

Zum Inhalt:

Selbstverliebt, unreif und verwöhnt. So könnte man Thomas Monig kurz und prägnant beschreiben. Als junger Absolvent mit solider Ausbildung in Vermessungstechnik glaubt er die Weisheit mit dem legendären Löffel gefressen zu haben. Evelyn, seine Gefährtin, hatte ihm dies schon mehrfach verdeutlicht und sieht sein ausgedehntes Praktikum in einem global agierenden Konzern zum einen als Entwicklungschance – v.a. für seinen Charakter –, aber auch als eine Art Test für ihre Beziehung.

Eben dieses dreiteilige Langzeitpraktikum welches in der Antarkis in Titangora, auf einer künstlichen Insel genannt New Maori in wärmeren Gefilden und anschließend in der segenden Hitze der Sahara zu absolvieren ist, führt Thomas in eine andere Welt, deren herbe Schönheit, aber auch unnachgiebige Härte ihn zu einem Anderen macht. Die Art seiner Arbeit, sein Blick auf soziale Gegebenheiten, der Vergleich seines recht wohl behüteten Lebens mit anderen Kulturen, anderen Lebensentwürfen –auch gescheiterten – lassen ihn erfahren, dass es mehr als das Konzept ICH-MEINER-MIR-MICH gibt. Und es zeigt ihm auf, wie weit er seine persönlichen Grenzen zu erweitern vermag, was Freundschaft, Kollegialität und Zuneigung zu bewegen vermögen, welche Klüfte sich jedoch auch durch eine globale Abrüstung im gesellschaftlichen Gefüge der Erde aufgetan hatten.

Keine der drei Stationen seines Praktikums sollte er jemals wieder vergessen, keinen seiner Gefährten leichten Herzens verabschieden und mit jeder gewonnenen sozialen wie fachlichen Kompetenz mehr und mehr zu einem reiferen Mann und wertvollen Partner werden.

Fazit:

Den Text und mit ihm die Einstellung Krögers zu Wertigkeiten in einer potentiell global friedlichen resp. befriedeten Gesellschaft kann man durchaus kontroversiell diskutieren. Wie im Klappentext bereits erwähnt kann er „…auch heute noch zum Nachdenken anregen, obwohl der gesellschaftliche Hintergrund von der Entwicklung überholt wurde.“ Die Abrüstung ist als Faktum realisiert. Dies mit nicht nur positiven Folgen: Überangebot an Arbeitskräften durch ehemalige Soldaten deren Ausbildung nicht am Arbeitsmarkt orientiert war; das Herauskristallisieren von Gesellschaftsschichten minderer und höherer Bezahlung und Aussichten auf Realisierung eines erstrebenswerten Lebenszieles; Kriegsmaterial, welches nur noch Dienst tun sollte, bis es „vom moralischen zum physischen Zerfall geworden war.“(S.118).

Kröger zeichnet ein durchwachsenes, jedoch nicht allzu kritisches Bild einer stark hierarchischen orientierten Gesellschaft, deren Individuen sich primär darüber zu definieren scheinen, wie sie sich in ihr durch Arbeit für ein größeres Ganzes – man könnte es auch Kollektiv nennen – definieren können. Die Menschheit prescht vor, versucht aus der Erde eine Art Garten Eden unter Einsatz enormer technischer Mittel zu schaffen. Ja man greift sogar in den kühnsten Ideen  – wenn auch nur in Nebensätzen erwähnt – bereits nach den Sternen.

Letzten Endes jedoch ist es noch immer der einzelne Mensch, dessen soziale Qualitäten über Wohl oder Weh entscheiden – sein eigenes, wie das seiner unmittelbaren Umgebung oder in letzter Konsequenz der globalen Gesellschaft.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 4 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

Buchdaten:

  • Titel: „Antarktis 2020“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 264 Seiten
  • Verlag: Edition Solar-X (2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-945713-34-1
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 2,1 cm

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