Vereinnahmend – Rezension zu „Das Rad der Zeit“ Bd. 1 „Die Suche nach dem Auge der Welt“ von Robert Jordan

By | 3. Februar 2017

Titelbild "Das Rad der Zeit" (Bd.1) - Robert Jordan»Alles was ich habe, ist ein Schwert und ein Krieg, den ich nicht gewinnen kann, aber ich kann doch nicht aufhören zu kämpfen«. (S.818)

Zum Inhalt:

Viele tausend Jahre sind bereits vergangen. „Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und gehen und hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden.“ (S.42). Rand al’Thor lebt mit seinem Vater als Schafzüchter in einem Gebiet genannt „Zwei Flüsse“, dem Reich Andor unterstellt. Ein von der Zeit und den politischen Wirren der großen Reiche beinahe vergessenes ländliches Gebiet in dem das Frühjahrsfest und die Händler, welche aller paar Monde vorbeikommen, schon das Höchste an aufregender Zerstreuung darstellen. Rand und seine Freunde Mat, Perrin und Egwene freuen sich auch in diesem Jahr auf Bel Tine, das Frühlingsfest, obwohl vieles nicht mehr so ist wie es sein sollte: die Saat will nur zögerlich aufgehen, die Temperaturen sind viel zu nieder, der Wind schneidend und selbst das Gras am Dorfanger kann nicht einmal eine einzige Kuh durchbringen. Auch der fahrende Händler ist heuer spät dran. Doch das Auftauchen eines Gauklers, genannt Thom Merrilin, entschädigt für vieles an Ungemach. Beunruhigend, wenn auch vorerst wenig beachtet, ist das lauernd agressive Verhalten der Wölfe, ebenso wie jenes der unzähligen Raben, die beide näher an die Gehöfte, näher an die Schafherden kommen als früher. In der Dorfschenke von Emondsfelde, dem Heimatdorf Rands, macht dann auch noch Moiraine, eine Aes Sedai, und ihr Behüter Lan al’Lan Mandragoran Rast.
Eine Aes Sedai, eine jener polarisierenden Figuren aus den Legenden, die in den Zwei Flüssen den Kindern erzählt werden und, als wäre das nicht genug, kommen zur selben Zeit mordende und plündernde Trollocs mit ihrem Herrn einem Myrdraal, ein einziges Ziel verfolgend: sie wollen die drei Jungen Rand, Mat und Perrin in ihre Gewalt bekommen. Moirain und Lan gelingt es die hoffnungslos überforderten Burschen zur Flucht zu bewegen. Einer Flucht deren Ziel Tar Valon, das Zentrum der Macht der Aes Sedai, ist. Der Dunkle König, in dessen Auftrag die Myrdraals handeln, bietet alles auf, was er an Schergen mobilisieren kann, um der jungen Männer habhaft zu werden. Diesen wiederum wird mehr und mehr bewusst, dass die Welt wie sie sie bisher kannten erschreckend größer und gefährlicher ist, als geglaubt, dass das Rad der Zeit auch mit ihren Lebensfäden webt. Rand wird immer öfter schmerzlich klar,“dass für ihn nichts mehr so sein würde wie früher, wenn er nach Hause käme. Falls das jemals geschieht.“ (S.572) Die gefährliche Reise verändert sie, ihre Sicht der Äonen währenden Geschichte, der schillernden Legenden, der widerstreitenden Machtgruppen. Sie lernen Orte und Wesen kennen, von denen sie nicht zur träumen wagten, sie wären real – im positiven wie negativen Sinne.
Rand und seine Begleiter finden aber auch Freunde unter Menschen – und nicht nur dort – die dem Gewebe der Zeit Farbe und Struktur zu verleihen mögen, wie es selbst die Aes Sedai nicht vorherzusehen wissen. Mehr als einmal bewahrheitet sich das Wort des Seherin Nynaeve: „Es ist gleich, wer gewinnt, der Wolf oder der Bär – das Kaninchen ist immer der Verlierer.“ (S.288)

Fazit:

Mit 14 umfangreichen Bänden hat Robert Jordan ein Fantasy-Epos geschaffen, an das man als Leser nicht ohne gewissen Respekt herangeht. Zum einen schon allein wegen des Umfangs, zum anderen da sich um dieses Werk beinahe ebenso viele Geschichten ranken, wie um Tolkiens „Herrn der Ringe„. Ein Vergleich, den auch die New York Times anstellt, wenn dort geschrieben wird: »Robert Jordan ist der legitime Herrscher über eine Welt, die J.R.R. Tolkien einst entdeckte.« Wer Tolkiens Geschichten gelesen hat, wird im „Rad der Zeit“ sehr viele und sehr auffällige Parallelen entdecken. Man kann dies nun als Negativum sehen, nach dem Motto „nichts Neues“ oder man lässt sich auf die narrative Weltengestaltung Jordans ein. Zweiteres wird man nicht bereuen 🙂 . Bereits der erste Band ist in mehrfacher Hinsicht imposant. Zum einen ist es der Umfang von 894 Seiten, zum anderen die Komplexität der entworfenen Bühne auf der Robert Jordan seine Charaktere agieren lässt. Besonders fällt dabei die bedachte, ja beinahe behäbige Art der Handlungsentwicklung auf, die dem Leser viel Zeit lässt die detailliert herausgearbeiteten Akteure kennenzulernen, ebenso wie deren gesellschaftliches Umfeld. Ob es nun die vielfach verwobene Mythologie, die oft undurchsichtige Politik, die Wirtschaft oder einfach die vielgestaltige Landschaft ist, nichts scheint so nebensächlich, als dass es nicht gebührend beschrieben würde. Und dies auf eine derart angenehm fließende Art und Weise, die nie Langeweile oder gar Überdruss beim Leser aufkommen ließe Es ist ganz im Gegenteil das Verfliegen der Zeit, das einem bewusst wird, wenn wieder ein Kapitel oder gar das Buch zu Ende ist und man sich unbändig auf den nächsten Teil der literarischen Reise freut.

Zum Buch:

Mit der Reihe „Das Rad der Zeit – Das Original“ hat der Piper-Verlag eine wunderschön gestaltete Sammlung an Büchern herausgegeben, die hohen bibliophilen Ansprüchen im Bereich der klebegebundenen Paperbackbände genügen. (Eine Äquivalenzliste der Ausgaben findet man unter diesem Link). Trotz des Umfangs von knapp 900 Seiten lässt sich der Band 1 sehr gut handhaben, was nicht zuletzt seiner ausgezeichneten Verleimung zu verdanken ist. Der Seitenbedruckstoff ist angenehm fest und griffig. Der Druck ist bis auf marginale Ausnahmen (siehe hier) sehr sauber ausgeführt, bis hin zu der von Ellisa Mitchel gestalteten Karte auf den letzten Seiten. Typografisch hält man sich zurück, lässt den Text inhaltlich wirken und unterstreicht nur dezent die grobtextuelle Gliederung in 56 Kapitel. Besonders sticht der kartonierte Umschlag mit seinem Metallic-Effekt, sowie dem Prägedruck im Bereich des Autorenschriftzuges ins Auge, wobei der gesamte künstlerische Entwurf den Grundtenor der Erzählung einzufangen versucht. Ein in jeder Hinsicht handwerklich sehr schön gestaltetes Buch auf einem für Paperbacks sehr hohem Niveau.

Buchdaten:

  • Titel: „Das Rad der Zeit 1 – Die Suche nach dem Auge der Welt“
  • Autor: Robert Jordan
  • Umfang: 894 Seiten
  • Verlag: Piper, Auflage: 4 (2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-492-70081-8
  • Größe: 21,5 x 13,5 x 4,9 cm

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