Vermischtes aus der Phantastik…

By | 19. November 2013

"Lichtjahr 6" - Ein phantastik Almanach„Die Götter waren ewig, und der Ewigkeit mußte ein Sinn gegeben werden. Und so erdachten sie die Zeit, damit die Menschen darin ihr Werk verrichten konnten.“ (S.76)

Zum Inhalt: Vier klassische SF-Themen sind es, unter denen sich die 17 Erzählungen subsummieren und zu denen jeweils eine kurze Einführung im vorliegenden 6ten Band des Phantastik-Almanachs „Lichtjahr“ gegeben wird. Reisende, Verwandlungen, Rückblicke und Simulationen stellen die Klammern dar, welche die Struktur des Bandes bilden. Einen wesentlichen Teil des Charmes dieses Buches machen die vielen Illustrationen von namhaften Künstlern wie z.B. Karl-Heinz Wieland, Peter Sylvester, Lothar Schroth, Stefan Lewterow, Theodor Rotreki und Ruth Peschel , um nur einige zu nennen, aus.

Die einzelnen Kurzgeschichten:

„… und stets das Vernünftigste tun“ (Karsten Kruschel)
Der Arzt Mechin erzählt aus seiner Zeit auf Vilm, sein Erlebnis mit Will Carlos und dessen Rettung vor der Pseudodiphterie.

„Ein Traum von Ferne“ (Holger Kunadt)
Wie sehr verändert sich die Psyche und der Erfahrungshorizont der Raumfahrer an der Grenze zur Lichtgeschwindigkeit – und mit welchen Folgen.

„Sifrit“ (Hartmut Mechtel)
Franz Pasoldt soll im Zuge eines Zeitreiseexperimentes seinen Part in einer Studie übernehmen. Das Experiment verändert den Menschen Pasoldt und dessen Persönlichkeit durch neue Einsichten in die Geschichte der beobachteten Menschen. Das Aufbegehren gegen rigide Strukturen und das bestehende Establishment endet für den Praktikanten jedoch tragisch.

„Sauerstoffmangelgeschichte“ (Angela und Karlheinz Steinmüller)
Wie verhält sich die tausende Seelen zählende Besatzung eines Großraumschiffes auf einem Langzeitflug, wenn das Gerücht geboren wird, ein fortschreitender Sauerstoffmangel würde eintreten.

„Scheidung auf marsianisch“ (Olga Larionowa)
Erzählung rund um den Charakter Sit, der nicht damit klar kommt, dass ihn seine Frau verlässt und dabei im wahrsten Sinne des Wortes eine ganz andere wird.

„Homers Traum vom Tod“ (Ladislav Ježek)
Wieviel Ewigkeit verträgt der Mensch? Verträgt er sie überhaupt?

„Der Resident“ (Eugeniusz Debski)
Eine Existenzform in die aus Effizienzgründen die Persönlichkeiten mehrerer Spezialisten „implantiert“ wurde; der Versuch das Psychogramm einer solchen Wesenheit zu ergründen.

„Jules Verne in der Hölle“ (Ludwig Hevesi)
In „nüchterner“ naturwissenschaftlich-technischer Betrachtungsweise schildert ein fiktiver Jules Verne, nicht ohne humoristische Seitenhiebe, (s)eine Reise durch die Hölle zu Luzifer persönlich.

„Jules Verne im Himmel“ (Ludwig Hevesi)
In einem Brief an seinen Herausgeber versucht der verstorbene Jules Verne Begriffe für Unbegreiflichkeiten an der Schwelle zu einem antropozentrisch interpretierten Jenseits zu finden.

„.. und erfand sich selbst“ (Vitali Bugrow)
Eine Retrospektive auf sowjetische SF-Romane aus den 20er Jahren

„Mit dem Zug ins All“ (Karlheinz Steinmüller)
Essay über die verschiedensten Denk- und Maschinenmodelle zur Fortbewegung in der frühen SF-Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Eisenbahn bei Jules Verne.

„Drei Dollarfünfzig“ (Holger Kunadt)
Gekaufte Realität über induzierte Träume, ähnlich den Szenen aus dem Film „Total Recall„.

„Der angeworbene Mann“ (Marek Baraniecki)
Ein Kurzkrimi in dessen Zentrum der Tod eines Crewmitgliedes eines Raumers, ein illegales Computerspiel und die Ausgeliefertheit an Maschinen, Raum und Zeit steht, ebenso wie die Problematik der Deprivation auf langen Raumflügen.

„Auf dem anderen Ufer der Nacht“ (Rolf Krohn)
Die Verquickung von fiktiven Welten, elektronisch erzeugten Realitäten mit dem als flach und fade empfundenen realen Dasein, beleuchtet von unterschiedlichsten Gesichtspunkten. U.a. Mord, Techniksucht, Angst, sowie Loyalität sind Inhalt dieser Erzählung. Wo hört der Einfluss suggestiver Technik auf der Verhalten ihres Konsumenten – wenn überhaupt – auf.

„Alptraum“ (Heinz Günter Behnert)
Gefangen in einer Zeitschleife, in einem Experiment auf einem Planeten der sehr stark an jenen aus Lem’s „Solaris“ erinnert bestreiten 3 Menschen ihren finalen Existenzkampf wie Hamster in einem Laufrad.

„Kontaktsyndrom“ (Jörg Mosch)
Was wäre wenn – die „Anderen“ über unsere Gedanken mehr über uns und v.a. durch uns erfahren, als unsere blind bornierte Wissenschaftsgläubigkeit auch nur vermuten lässt. „… aber mit der Zeit begriff ich, was es zusammenhält, dieses Panoptikum elitärer Affen, unsere viel gepriesene »irdische Zivilisation«: die Unantastbarkeit der Gedanken.“  (S.234)

„Nachtmahre“ (Ian Watson)
Vermeintlich feindlich gesinnte Wesenheiten retten die Erde vor einem solaren Inferno, doch bis auf wenige erschließt sich dies den Menschen nicht; Undank ist des Weltalls Lohn!

Fazit: Ein sehr vielschichtiges Panoptikum an Erzählungen reiht sich in diesem Almanach, der seinen Namen zu recht trägt, aneinander. Diese Vielzahl an Erzählstilen und -thematiken bedingt es auch, dass nicht jede Erzählung den Leser in gleicher Weise anspricht oder gar fesselt. Jedoch wird sicher jeder SF-Begeisterte in der einen oder anderen Geschichte interessantes, bereicherndes Lesematerial finden.

Abgerundet wird der Band durch eine umfangreiche „Bibliographie der Sekundärliteratur zur Science-Fiction in der DDR 1949-1983“ von Olaf R. Spittel.

Zum Buch: Hervorragend verarbeitet präsentiert sich ein nicht nur format-technisch außergewöhnliches Buch in einem sehr ansprechend gestalteten Schutzumschlag. Allein schon die drucktechnisch bestens gelungenen Grafiken, die eine stilvolles Ambiente für die Kurzgeschichten schaffen, machen das Buch zu einem bibliophilen Erlebnis.

Buchdaten:

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Das Neue Berlin; Auflage: 1. Auflage (1. Januar 1989)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3360001834
  • ISBN-13: 978-3360001832
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 19,2 x 2,6 cm

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