Vom äußeren Wettstreit und inneren Frieden

By | 8. Juli 2016

"Der alte Mann und das Meer" - Ernest Hemingway„Alles an ihm war alt, bis auf die Augen, und die hatten die gleiche Farbe wie das Meer und waren heiter und unbesiegt.“ (S.8)

Zum Inhalt: Der kubanische Fischer Santiago, dessen beste Jahre schon hinter ihm liegen, hat eine 84 Tage währende Durststrecke hinter sich, während der er vergeblich versuchte dem Meer Nahrung und somit auch Unterhalt für sein bescheidenes Leben abzuringen. Während der ersten 40 Tage begleitete ihn der Sohn eines Fischers aus dem Dorfes, der sich auch um das leibliche Wohl des Alten sorgt. Manolin – so der Name des Jungen – bringt Santiago regelmäßig Verpflegung in seine sehr bescheidene Behausung nahe dem Dorfrand.
Als der 85. Tag anbricht macht sich Santiago erneut auf die Herausforderung der See anzunehmen. Es ist ein imposantes Exemplar von Fisch, welches er schließlich an die Leine bekommt und es beginnt ein langes Kräftemessen zwischen Mensch und Natur. Letzten Endes gelingt es ihm den Fisch nach zähem  Ringen zu bezwingen und an der Seite seiner Schaluppe festzumachen. Damit erringt er jedoch nur einen Teilsieg, denn der mächtige Fisch hatte ihn zuvor weit hinaus auf’s Meer gezogen, was hieß, er musste nun den ganzen Weg zurück in den sicheren Hafen hinter sich bringen. Und dies vorbei an den hungrigen Jägern des Meeres, die schon auf ihre Chance hofften. Ohnehin schon fast am Ende seiner Kräfte gelingt es Santiago auch die heimatlichen Gestade zu erreichen, jedoch bleibt vom kapitalen Fang nur noch wenig mehr über, als das Gerippe und die Gewissheit sich erneut der Bewährung auf See gestellt zu haben.
Santiago fällt völlig erschöpft auf sein Bett und wird am nächsten Morgen von Manolin behutsam geweckt. Es freut ihn zu hören, dass der Junge ab jetzt wieder mit ihm hinaus zum Fischfang fahren will. „Niemand sollte im Alter allein sein, dachte er.“ (S.58)

Fazit: Vielfach wird die hier geschilderte Geschichte als Gipfel der Erzählkunst Hemingways tituliert, und dies zu recht. In beinahe minimalistischer, deswegen aber umso eindringlicherer Symbolik kondensiert Hemingway die Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Umgebung, der Physis seiner Wirklichkeit ebenso wie jene archaische Selbstfindung in ebendieser Konfrontation in der sich das persönliche Sein seines Stellenwertes erst in letzter Konsequenz bewusst wird. Eine Findung, bar jeder Egomanie, bar jeden überhöhten Ich-AG Denkens, eingebettet in eine Umwelt als dessen Teil sie sich findet, in der sie organisch gewachsen und zu Hause ist, sich stets gewahr der Fährnisse die Leben ermöglichen, aber ebenso zu nehmen vermögen und deren Preis nicht verhandelbar ist.

Zum Buch: Den ersten Blickfang der Ausgabe des vorliegenden Buches stellt die künstlerische Gestaltung des Schutzumschlages unter Verwendung eines Holzschnittes von Frans Masereel dar. Insgesamt zieren 8 ausdrucksstarke in Schwarz/Weißdruck gehaltene Holzschnitte den Text, dem auf diesem Wege noch eine weitere Facette optischen Tiefgangs zuteil wird. Positiv fällt dabei auf, dass die Grafiken auf eigenständigen Blättern realisiert wurden um ein Durchscheinen des Schöndruckes zu vermeiden und den Lesefluss nicht zu stören. Ebenso angenehm auffällig ist der relativ kleine Satzspiegel, der dem Text genügend Raum an den Rändern lässt und durch die relativ große typografische Textgestaltung noch verstärkt wird. Bis auf einige kleinere Lapsus (siehe hier) ist auch drucktechnisch und buchbinderisch ein sehr ansprechender Leinenband realisiert worden.

Buchdaten:

  • Titel: „Der alte Mann und das Meer“
  • Autor: Ernest Hemingway
  • Umfang: 160 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
  • Sprache: Deutsch
  • Buch-Nr.: 01422-5
  • Größe: 19,2 x 12,5 x 1,9 cm

P.S.: Der Text diente 1958 John Sturges als Vorlage für seinen Film in dessen Hauprolle Spencer Tracy

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