Von der Ästhetik der Bäume

By | 22. September 2015

"Das kleine Baumbuch" - Insel-Bücherei Nr. 316„Der Wald ist ein Volk, und die Bäume sind seine grünen Leute“ (S.38)

Zum Inhalt: Der Untertitel – „Die deutschen Waldbäume“ – weist bereits auf den botanischen Fokus des kleinen Führers durch den heimischen Wald hin. Aufbauend auf der bekannten Einteilung in Laub- und Nadelbäume, werden diese zunächst anhand der von Grafiker und Illustrator Willi Harwerth beigesteuerten Bildtafeln dem Leser näher gebracht. Hierbei werden auf Doppelseiten jeweils links die Fortpflanzungsorgane, sowie rechtsseitig der Habitus der jeweiligen Pflanze vorgestellt. So kommen an Laubbäumen Eiche, Buche, Birke, Linde, Ulme, Eberesche, Erle, Pappel, Esche, Ahorn, Silberweide, Robinie und für die Nadelgehölze die Kiefer, Fichte, Tanne, Lärche, Eibe und der Wacholder zur Vorstellung. Sowohl im Bild wie auch im Textteil sind die präsentierten Baumarten stets auch mit den systematisch-taxonomisch korrekten lateinischen Namen versehen.
Der von Friedrich Schnack, seines Zeichens Schriftsteller und Journalist, beigesteuerte Textteil stellt neben dem Wald als Ökosystem und dessen Historie jede der einzelnen Gehölzarten mit ihren Eigenheiten in einer Art persönlichem Steckbrief vor – wobei hier „persönlich“ durchaus wörtlich genommen werden kann. Die teils aus der Sagenwelt entlehnten Allegorien und Anthropomorphismen machen hierbei einen nicht unwesentlichen Teil des Charmes der Schilderungen aus. Abgeschlossen wird der Band mit einer tabellarischen Zusammenstellung der wichtigsten Eckdaten zu den Baumarten (Aliasnamen, Blütezeit, Blütenanlage, Benadelung, Nadelfall, Fruchtreife etc.)

Fazit: Nicht nur dem Bibliophilen bietet sich mit diesem Buch ein Kleinod an Buchkunst an, auch als Botaniker oder einfach botanisch Interessierter wird man hier ins Schwärmen kommen. Die Farbtafeln sind wunderschön und mit viel Liebe zum Detail wie auch dem Habitus der Bäume realisiert. Der Text von Friedrich Schnack beweist in elegantester Manier, dass Wissensvermittlung – und deren gibt es trotz des geringen Umfanges des Büchleins sehr viel – keinesfalls trocken und rein trocken tabellarisch sein muss. Die bildhaften, romantisierenden Beschreibungen einer als im ursprünglichsten Sinne belebten Natur wahrgenommenen Umwelt fängt der Text gleich lehrreich wie amüsant ein. Ein herrliches Buch, das durchaus auch als kleines Nachschlagewerk verwendet werden kann.

Zum Buch: Bereits die ästhetisch ansprechende Gestaltung des Umschlags machen das Buch zu einem Hingucker. Wie ganz selbstverständlich in den Ausgaben Insel-Bücherei ist auch der Band 316 sauber verarbeitet, sowohl was die Fadenbindung, als auch die Ausführung der Drucks und der in Fraktur realisierten Typografie angeht. Der Leser hält mit diesem Buch ein rundum gelungenes und in sich stimmiges Druckwerk in Händen.

Buchdaten:

  • Titel: „Das kleine Baumbuch“
  • Autoren: Willi Harwerth, Friedrich Schnack
  • Umfang: 68 Seiten
  • Verlag: Insel Bücherei; Erstauflage 1935 (Nr. 316)
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 12 x 1,0 cm

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