Von Wolpertingern, sprechenden Schwertern und dem silbernen Faden

By | 9. Mai 2016

"Rumo & Die Wunder im Dunkeln" - Walter Moers„Was immer das Licht der Fackeln aus dem Dunkeln schälte, es war ein Anblick voller Wunder.“ (S.671)

Zum Inhalt: Wie beim Wolpertingernachwuchs nicht unüblich, sieht sich Rumo als Junges in der Fremde aufwachsen, weitab von seinen Artgenossen. Und um dem Ganzen noch die metaphorische Krone aufzusetzen wird er als lebender Proviant von marodierenden Zyklopen verschleppt. So eigen es klingt, trifft sich dies jedoch nicht schlecht, zumal er in seiner Gefangenschaft die anfangs reservierte Haifischmade Volzotan Smeik kennenlernt. Smeik ist es, der den jungen Wolpertinger quasi als Mentor unter seine Fittiche – oder eher Beinchen – nimmt. Einen nicht unerheblichen Teil der schaurigen Abenteuer lang begleitet Smeik Rumo. Die teils kuriosen, teils gefährlichen Unternehmungen des anfangs grünschnäbligen Wolpertingers reihen sich im wahrsten Sinne des Wortes an einem „silbernen Faden“ auf, der sich durch die Geschichte zieht. Er stellt sich als jenes Band heraus, welches Rumo mit seiner großen Liebe Rala verbindet.
Doch so einfach wie gedacht ist für den einzelgängerischen Rumo das gesellschaftliche Leben innerhalb der Stadtmauern von Wolperting nicht. Jene Stadt in welche ihn eben dieser Faden zu seinesgleichen führt. Nicht nur kulturelle Bildung, wie Lesen, Schreiben, Geschichte und das ihm verhasste Schachspiel gilt es hier zu meistern. Auch die ihm gelegeneren Fertigkeiten des Kämpfens, sowie der Taktik erlernt er in Gesellschaft anderer Wolpertinger. Das Leben in Wolperting könnte so schön sein, doch schneller als ihm lieb ist, sieht er sich einer tödlichen Herausforderung gegenüber, deren Ursprung in den unerforschten Tiefen Zamoniens, in der sagenumwobenen Untenwelt, ihren wenig einladenden Ursprung hat.
Diese Untenwelt ist es, in der die schlimmsten, alptraumhaftesten Kreaturen leben, deren einziges Ziel es scheint, Rumo das Vordringen nach Hel, der Hauptstadt von Untenwelt, zu verwehren. Auf seinem Weg nach Hel lässt Rumo in schlafwandlerischer Sicherheit, jedoch ohne Absicht, keine der infernalischen Höhlen, perfiden Fallen oder stets hungrigen Kreaturen aus, die Leib und Leben bedrohen. Er findet allerdings auf seiner finsteren Odyssee auch außergewöhnliche Freunde, die ihm nicht nur einmal entscheidend weiterhelfen.
Die finale Herausforderung, seine Wolpertingerfreunde, und nicht zu vergessen seine Rala, zu retten, ist es, die den kampferprobten Rumo antreibt und ihm die unglaubliche Kraft gibt, auch mit den arglistigsten Feinden, sowie den unbarherzigsten Schicksalsschlägen fertig zu werden, denn „das Schicksal ging seinen eigenen Weg, und der war nicht immer der geradeste.“ (S.679)

Fazit: Man möchte sagen Moers verdingt sich in Rumo als Fremdführer der speziellen Art: mit viel teils sehr doppelbödig dunklem Humor begleitet er mit Rumo den Leser auf seiner Irrfahrt durch jenen Teil Zamoniens, der den meisten glücklicheren Oberweltlern zeitlebens verborgen bleibt. Mit viel Liebe zum Detail schält er Charaktere aus dem Dunkel, ob nun Storr den Schnitter, Rumos nicht ganz so ehrliches sprechendes Schwert, die beredte Nurnenwaldeiche, die unvorhandenen Winzlinge und oder viele andere mehr. Seitenerzählungen rund um alle die Protagonisten bringen dem Zamonienreisenden in unterhaltsamen Erzählstunden das sagenhafte Land und die fabelhaften Bewohner näher. Doch muss man sich im dunklen Zamonien in Acht nehmen, denn wie bereits der Eydeet Dr. Oztafan Kolibril sagte: „»Wissen kann gefährlich sein, Wissen ist Nacht.«“ (S. 134)

Zum Buch: Ein Taschenbuch mit einem Korpus von etwas mehr als 700 Seiten hält der Leser mit „Rumo“ in Händen und die Aufgabe einer stabilen Verleimung des Buchblockes, sowie einer ausreichend festen Umschlagsausführung wurde bestens gemeistert. Die künstlerische Gestaltung ist, wie bei vielen Bücher von Walter Moers, einfach eine Liga für sich: gesetzt aus der Mendoza® liest sich der Fließtext nicht nur flüssig, es sind auch die in Form- oder Figurensatz (siehe S. 144) und in unterschiedlichen Schriftschnitten gestalteten Passagen eine typografische Augenweide, neben dem skurril lustigen Schreibstil á la Moers. Die unzähligen detailreichen Zeichnungen des Autors geben auch diesem speziellen Buch jenen bibliophilen Nachhall, der immer wieder Lust macht es erneut zu lesen oder für den Genuss einer Textpassage wieder aus dem Regal zu nehmen.

Buchdaten:

  • Titel: „Rumo & Die Wunder im Dunkeln“
  • Autor: Walter Moers
  • Umfang: 0696 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 17 (2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-492-24177-9
  • Größe: 19 x 12,5 x 3,9 cm

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